Nahversorgung : Netto soll an die Vennhauser Allee

Seit drei Jahren steht das Ladenlokal im Haus Nummer 210 leer, warten die Menschen sehnsüchtig auf einen neuen Nahversorger. Bisher galt Rewe als Favorit, jetzt präsentiert der Eigentümer Netto als neuen Nutzer.

Anfang der Woche gingen die Menschen in Vennhausen auf die Straße. Evelyn Prüfer und Jürgen Grundmann hatten dazu aufgerufen, um zu demonstrieren, wie enorm wichtig es für den Stadtteil ist, dass wieder ein Supermarkt an die Vennhauser Allee 210 kommt, in das leere Ladenlokal, wo bis vor drei Jahren noch Kaiser’s die Rolle des Nahversorgers übernommen hatte. Und die Vennhausener kamen in Scharen, machten ihrem Unmut darüber, dass die Verhandlungen zwischen dem Eigentümer der Immobilie und Rewe, der offen Interesse an dem Objekt bekundet hatte, sich so lange hinziehen.

Rewe teilte gestern mit, dass man grundsätzlich noch Interesse an einem Standort in Vennhausen habe. „In diesem Zusammenhang gibt es seit geraumer Zeit auch Verhandlungen mit dem Eigentümer des Objektes an der Vennhauser Allee 210 über einen langfristigen Mietvertrag. Zu konkreten Verhandlungsinhalten können wir uns aber nicht äußern“, erklärt Sprecherin Sophie Alterauge.

So wie es inzwischen aussieht, ist Rewe aber aus dem Rennen. Eigentümer Peter Thunnissen liege ein unterschriebener und eingescannter Vertrag mit Netto vor, „es fehlt nur noch das Original“. Rewe sei deswegen keine Option mehr, weil das Unternehmen einen Umbau nach „Green Standards“ fordere. „Das ist in einem Bestandsgebäude aber viel zu aufwändig, so etwas kann man nur neu und auf der grünen Wiese umsetzen“, so Thunnissen. Ein Generalunternehmen sei jedenfalls bereits beauftragt, als Vermieter investiere die Hausverwaltung Thunnissen 750.000 Euro in die Renovierung. „Wir rechnen mit einer Eröffnung bereits Ende Februar“, so Peter Thunnissen.

Die Skepsis bei den Vennhausenern wie auch in der Politik der zuständigen Bezirksvertretung 8 ist dennoch groß. „Wir können seitens der Politik keinen großen Einfluss nehmen, wenn es sich um Eigentum handelt. Es hat Gespräche mit dem Eigentümer gegeben, und die waren eher unerfreulich“, sagt Bezirksbürgermeister Wilhelm van Leyen (CDU). Auch Petra Reit-Schmidt (SPD) meint: „Für den Bereich Vennhausen liegt nach dem Rahmenplan Einzelhandel ein hoher Handlungsdruck vor, da sich im Zentrum von Vennhausen kein Nahversorger befindet. Die Verhandlungen mit Rewe ziehen sich seit Anfang 2016 schon sehr langwierig hin.“

Die Vennhausener sind es leid, weiter zu warten. Heinrich Cönn kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als er in den Stadtteil zog: „1963 war hier noch alles in Ordnung, seitdem geht es stetig bergab.“ Brigitte Kind mutmaßt, dass es dem Vermieter ausschließlich um Abschreibung gehe und er deswegen das Objekt absichtlich verrotten lasse. „Das müsste gesetzlich auf maximal drei Jahre begrenzt werden.“ Auch Gudrun Zwierzina findet die Situation „seit drei Jahren immer schlimmer. Für Privatpersonen sind die Auflagen beim Bauerhalt riesig, aber das gilt offenbar nicht für alle“.

Gisela Lenz fehlt es in Vennhausen an einem nachhaltigen Quartiersmanagement: „Die Menschen werden immer älter. Doch Banken schließen ihre Filialen und verlangen von über 80-Jährigen, dass sie Online-Banking machen. Und dass die oft kleinen Renten nicht ausreichen, auch noch Lebensmittelbringdienste zu bezahlen, liegt auf der Hand“, sagt sie. Sabine Schleder hat seit fast 30 Jahren einen Friseursalon an der Vennhauser Allee, eines der letzten funktionierenden Geschäfte der Ladenzeile. „Die Ecke wird immer toter, dunkler sowieso, einfach ein Schandfleck. Und das bedroht auch meine Existenz“, sagt sie.

Ob die Kluft zwischen Vennhausenern und Peter Thunnissen mit der angekündigten Netto-Eröffnung überwunden werden kann, wird sich nun zeigen.

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