Vennhausen : Jedes Stück ein Unikat

Marianne Putziger und Silja Kaeser haben die Prägemanufaktur gegründet. Sie gestalten Einladungen und Visitenkarten und werden von Firmen zu Events eingeladen, wo die beiden Designerinnen das Prägen live präsentieren.

Auf 130 Grad wird die Platte erhitzt, unter die Silja Kaeser eine schwarze Visitenkarte legt, die so groß ist wie eine übliche Karte, die Geschäftsleute verteilen und Unternehmen. Eine goldschimmernde Folie hat sie ausgesucht für das Logo - mehr als 50 verschiedene Farben stehen in einem Regal aufgereiht, manche metallisch andere matt. Mit der Folie will Kaeser den Karton verzieren, presst sie dazu mit bis zu 60 Tonnen Druck auf die Karte, damit sie kleben bleibt, vielleicht sogar eine kleine Vertiefung bekommt. Wie an einem einarmigen Banditen muss die 52-Jährige den Hebel ziehen, immer und immer wieder, 500 Mal für 500 Visitenkarten, 1000 Mal für 1000 Karten. Jeder Karton ist ein Einzelstück, was dem Kunden natürlich nicht auffallen soll, was Silja Kaeser und ihre Geschäftspartnerin von der Prägemanufaktur, Marianne Putziger (45), aber sofort merken. Niemals würden sie nach der Hälfte tauschen, wenn der Arm lahm wird oder der Muskelkater kommt. "Das sehen wir sofort, weil wir unterschiedlich arbeiten", sagt Kaeser, die wie Putziger Perfektionistin ist.

Ein ungewöhnliches Handwerk betreiben die Frauen, die beide aus dem Design kommen, Putziger aus der Grafik, Kaeser aus dem Objektdesign. Zum ersten Mal in Kontakt mit dem Handwerk kam Putziger durch ihre Schwiegereltern, die seit den 70ern im Keller am Grünberger Weg ein Prägestudio hatten, die für die Floristik Bänder veredelten. Faszinierend fand Marianne Putziger das, "selber etwas zu produzieren", mit alten Maschinen schöne Dinge herstellen. Über eine Freundin lernten sich Putziger und Kaeser kennen, waren bald auf einer Wellenlänge und eröffneten schließlich 2013 die Prägemanufaktur. Ein bisschen hat es gedauert, bis die beiden Fuß gefasst haben in der Branche, bis sie mit der Technik vertraut waren. Inzwischen gehören große Kunden wie L'Oréal, Rolls-Royce und Liebeskind dazu.

Etwas Besonderes sollen ihre Produkte sein - ganz gleich ob Visitenkarte, Schlüsselanhänger oder Einladung. Hochzeitspapeterie übernimmt die Prägemanufaktur auch, "angefangen bei Save-the-Date-Karten, dem Menü bis zur Danksagung", erzählt Marianne Putziger. Das aber sei nicht ihr Hauptgeschäft - "wir arbeiten nur mit Weddingplanern zusammen", erzählt die 45-Jährige, zu viel Beratung bräuchte man bei einzelnen Brautpaaren, weil sie nicht aus dem Bereich kommen. Wichtiger ist ihnen das Live-Prägen. In ihrer Werkstatt, die sich in einem Keller befindet, mitten in einer hübschen Wohnsiedlung, stehen nicht nur drei große, tonnenschwere Prägemaschinen, hinter denen Marianne Putziger und Silja Kaeser verschwinden können, sie haben auch einen kleinen, transportablen Apparat, den sie zu Events mitbringen. Gebucht werden sie von Firmen, bei einer Kollektionspremiere etwa, wenn die Kunden ein spezielles Geschenk bekommen sollen, zum Beispiel auf einem Ledereinband die Initialen verewigt werden. "Wir können nicht alles prägen", sagt Putziger. Oft sei es vor allem eine Frage des Preises. Denn für jede Prägung muss eigens ein Stempel hergestellt werden, aus Magnesium oder Messing sind sie, 60 bis 90 Euro kostet so ein Stempel. Entsprechend hoch sollte auch die Stückzahl sein, die geprägt wird, "bei 1000 stöhnen wir aber schon mal kurz", sagt die 52-Jährige.

Viel "Learning by Doing" ist es gewesen, viele Proben haben Marianne Putziger und Silja Kaeser machen müssen, um ihr Handwerk zu lernen, probieren müssen sie auch heute noch. Passt die Farbe, passt die Folie, wie ist der Untergrund - "deswegen würden wir auch kein einzelnes Portemonnaie prägen", sagt Putziger, weil sie nie genau sagen kann, wie der Druck nach dem ersten Versuch gelingt.

(RP)
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