Urdenbach: Zum Einkauf gibts ein Schwätzchen dazu

Urdenbach: Zum Einkauf gibts ein Schwätzchen dazu

Uwe Politt betreibt seit 2005 den kleinen Edeka-Markt in Urdenbach, der für viele Anlaufstelle ist. Der 53-Jährige glaubt fest daran, dass kleine Supermärkte wegen der immer älter werdenden Bevölkerung eine Zukunft haben.

Ananas, Rhabarber, Nektarinen, Erdbeeren, Tomaten - das Frühjahrsobst lockt in den Regalen des Edeka-Marktes an der Tübinger Straße. Der Laden um die Ecke ist Dreh- und Angelpunkt für Odebacher und Urdenbacher: hier treffen sich Einheimische und Hinzugezogene, es wird geplauscht, Rezeptideen wechseln über den Tresen und beim Bezahlen halten ältere Kunden der Kassiererin vertrauensvoll das Portemonnaie hin.

Frisches und deftiges für Hausmannskost oder Exotisches für das asiatische Menü? Lebensmittel-Händler Uwe Politt macht es in Urdenbach auf kleinem Raum möglich. Der 53-Jährige ist seit 37 Jahren im Handel tätig und absolvierte tatsächlich in dieser Filiale seine Ausbildung. Damals unter den strengen Augen von Peter Schardt, der seinerzeit ein Imperium unter dem Dach der Spar-Genossenschaft betrieb. "Herr Schardt war mein Mentor. Das ist heute noch wie zwischen Lehrling und Chef, aber wir verstehen uns gut", verrät Politt lachend. Schardt habe ihn motiviert, Betriebswirtschaft zu studieren. Und als sein Lehrherr drei kleinere Märkte veräußern wollte, griff Uwe Politt 2005 zu. Das war zu der Zeit als Edeka die Spar-Filialen übernahm. "Schardt hat mir auch bei der Finanzierung geholfen", sagt Uwe Politt. Vorgänger im "Laden um die Ecke" sei der Bruder des damaligen Oberbürgermeisters Josef Kürten gewesen. "Das Geschäft war damals eine echte Institution", erinnert sich der Nachfolger.

Von seinen beiden anderen Märkten - in Neuss und an der Corellistraße - musste sich Uwe Politt nach schwerer Krankheit und Operation leider trennen. Seitdem führt von Montag bis Samstag sein Weg von seinem Wohnort in Meerbusch-Büderich nach Urdenbach. Der Wecker klingelt um 3.30 Uhr. "Kurz nach fünf kommen die ersten Lieferanten mit der frischen Ware. Die wird an sechs Tagen in der Woche geliefert." Andere Produkte kommen zwei Mal wöchentlich. Zu den Lieferzeiten wird es eng - auf der Tübinger Straße und im Geschäft. Draußen jonglieren Autofahrer über die Tübinger Straße und innen fahren Kunden Slalom um die Rollcontainer mit dem Warennachschub. "Wir hätten gerne ein paar Quadratmeter mehr, aber es gibt keinen Platz", meint Uwe Politt. Dass seine Metzgerei-Abteilung trotzdem große Vielfalt bietet und die Kunden mit dem übrigen Sortiment zufrieden, sind, darauf ist der Kaufmann ein wenig stolz. Uwe Politt weiß genau, woher seine Waren kommen. Schwerpunkte beim Einkauf sind für ihn kleine Betrieb und regionale Produkte. Froh ist er darüber, dass nichts im Müll landet. "Einmal wöchentlich holen Leute vom "Food Sharing" übrig gebliebene Lebensmittel ab", erklärt er.

Uwe Politt und seine 15 Mitarbeiter kennen viele Kunden, wenn nicht mit Namen, dann vom Sehen. "Von den Alteingesessenen kaufen bereits mehrere Generationen bei uns ein", weiß der Meerbuscher. 1000 Kunden am Tag zähle er als Spitze, viele seien Stammkunden aus der näheren Umgebung. So wie Anne Theisen. Sie kommt gefühlt "schon ewig" hierher. "Seitdem es das Geschäft gibt, kaufe ich hier ein. Es ist hier wie in einer Familie", sagt die Urdenbacherin.

Sabine D'Agostino wohnt "erst" seit acht Jahren in der Nähe und meint: "Ich treffe hier immer Leute, die ich kenne. Wir klönen, das Personal ist nett und die Metzgerei-Abteilung ist mir wichtig." Uwe Politt glaubt an die Zukunft kleiner Lebensmittelgeschäfte. "Je älter die Bevölkerung, umso mehr brauchen die Leute den Laden um die Ecke. Wer will denn mit seinem Rollator durch 3000 Quadratmeter oder mehr rollen."

(bgw)