Vor 50 Jahren eröffnete die Ausstellung Gymnasia am Kobi in Urdenbach

Kunstgeschichte : 50 Jahre nach Beuys und Uecker

Im Januar 1969 gab es im Keller des Kobi-Gymnasiums eine Ausstellung mit den Größen der modernen Kunst. Zum Jubiläum will Schulleiter Peter Labouvie an diese Zeit erinnern und alte Fotos aushängen.

Angefangen hat alles mit einem Interview. Vor 50 Jahren war Michael Breer Schüler am damals neu gegründeten Gymnasium an der Koblenzer Straße in Urdenbach, dem Kobi. Für einen Bericht über das damalige Szenelokal Creamcheese interviewte er den Künstler Günther Uecker in dessen Atelier und sah dort einige Skulpturen. Der damals 19-jährige Breer fragte, ob man nicht ein paar dieser Kunstwerke in der Schule ausstellen könne. Uecker antwortete: „Gern, aber warum nur meine Arbeiten?“ Aus dieser Idee entstand eine Ausstellung, die sich liest wie eine Bestenliste der modernen Kunst: Beuys, Richter, Rinke und viele andere präsentierten ihre Werke im Keller des Kobi. Damals waren sie noch keine Künstler von Weltruf, heute findet man sie in Lehrbüchern.

Am 11. Januar 1969, vor genau 50 Jahren, wurde die „Gymnasia“ eröffnet. Vormittags sprachen Lehrer mit ihren Klassen über die Werke, Nachmittags standen die Künstler für Diskussionen zur Verfügung. „Damals war immer etwas los in der Ausstellung“, erinnert sich Breer, der damals selbst einige der Objekte aus den Ateliers der Künstler zu seiner Schule transportiert hatte.

„Eine solche Aktion war nur in dieser Zeit und an diesem Ort möglich“, analysiert Nicolas Grosch, Leiter der Düsseldorfer Kunstkommission. In den späten 60er Jahren habe es in Düsseldorf eine künstlerische Energie gegeben, die seither nicht wieder aufgekommen sei. Die Kunst und die Gesellschaft suchten damals neue Wege und Ausdrucksmöglichkeiten und fanden sie in einer Form, die alles Bekannte auf den Kopf stellte. Und so stießen die modernen Kunstwerke der Ausstellung nicht bei allen Lehrern und Mitschülern von Michael Breer auf Zustimmung. Mit einem Blick auf ein schwarzes Dreieck, an der Wand angebracht von Blinky Palermo, fragte damals einer von Breers Mitschülern: „Und wenn ich so etwas male, bekomme ich eine gute Note in Kunst?“ Unwahrscheinlich mit Blick auf die damaligen Gewohnheiten. Beuys berühmte Kinderbadewanne, die Nagelkunst von Günther Uecker oder die Werke von Gerhard Richter unterschieden sich grundsätzlich von dem, was damals „gute Kunst“ war, sagt Grosch. Aber: „Wenn es Diskussionen und starke Meinungen über ein Werk gibt, dann hat die Kunst ihren Zweck erfüllt.“ Unter den heutigen Künstlern gebe es mehr Dünkel und Vorbehalte als damals, behauptet Grosch. „Wenige würden noch in einer Schule ausstellen, ohne vorher eine sorgfältige Kosten-Nutzen-Rechnung durchzuführen“, sagt er.

Kobi-Schulleiter Peter Labouvie will zum 50. Jahrestag der Ausstellung eine Erinnerung daran in der Schule installieren. Im Neubau, der im Sommer eröffnet wird, sollen Bilder aus der Gymnasia aufgehangen werden. Dies soll dazu beitragen, dass auch die Schüler sich mit der modernen Kunst und der Bedeutung, die diese für die Gesellschaft damals wie heute hat, auseinandersetzen. „Damals stellte sich für den Betrachter die Frage: Ist das wirklich Kunst?“, erklärt Kunstlehrer Martin Rothweiler. „Heute wissen wir um die Bedeutung dieser Künstler, ihrer Werke und unserer Ausstellung.“ Daher will das Kobi auch in Zukunft die Kunst an der Schule fördern. Schulleiter Labouvie plant Projekte gemeinsam mit der Kunstkommission. Deren Leiter Grosch betont die Bedeutung von künstlerischer Bildung in der Schulzeit: „Jugendliche, die wenig Kontakt zur Kunst hatten, stellen ihn auch meist im Erwachsenenalter nicht her“, sagt er. Daher brauche es Aktionen wie die Gymnasia und deren Jubiläum, um die Jugend von heute für Kunst zu begeistern.

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