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Viele Besucher schaden der Natur in der Urdenbacher Kämpe

Corona-Sommer in Urdenbach : Naturfreunde und Wildpinkler in der Kämpe

Das wegen Corona gesteigerte Interesse an der heimischen Natur freut die Einen – und bereitet den Anderen Ärger. Anlieger klagen beispielsweise über Müll, zertrampelte Wiesen und Fäkalien im Naturschutzgebiet.

Ein paar goldene Herbsttage kommen vielleicht noch, dann ist das gute Wetter vorerst vorbei. Die Zahl der Spaziergänger in den Düsseldorfer Naturräumen nimmt ab, und in der Urdenbacher Kämpe kehrt wieder mehr Ruhe ein. In den vergangenen Monaten waren vor allem an den Wochenenden ungewohnt viele Menschen unterwegs im Naturschutzgebiet. Der Grund waren fehlende Freizeitangebote und ausgefallene Urlaube. Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber alle Beteiligten sprechen von einem Ansturm an Besuchern.

Elke Löpke, Leiterin der Biologischen Station von Haus Bürgel, freut sich, dass das Interesse an der Natur vor der Haustür zugenommen hat. „Ich habe vor allem viele Eltern gesehen, die ihren Kindern die Landschaft zeigten.“ Außerdem habe es zahlreiche Zuschriften gegeben, die Besucher informierten sich über ihre Beobachtungen, etwa, ob sie tatsächlich einen Eisvogel im renaturierten Altrhein-Arm beobachtet haben. „Diese Begeisterung ist genau das, was wir mit unserer Arbeit erreichen wollen.“ Auch am Rhine Clean Up Day in der Kämpe beteiligten sich rund 100 Freiwillige.

Doch die Vielzahl der Besucher bringt auch Nachteile mit sich. „Wir hatten deutlich mehr Abfall in der Natur als in anderen Jahren“, sagt Löpke. Mindestens genauso sehr ärgert sich die Leiterin der Bio-Station über Hundehalter, die ihre Tiere im Naturschutzgebiet frei laufen lassen. „Das sie in die Wiesen koten und die Exkremente später im Heu landen, ist schlimm genug. Aber durch ihr Stöbern stören sie gerade im Frühsommer die jungen Tiere.“

Trotz der Mehrbelastung entwickle sich die Natur gut, sagt die Biologin. Der seltene Nachtreiher habe in diesem Jahr im schwer zugänglichen Altrhein wieder gebrütet, auch der Siedensänger, der normalerweise im mediterranen Klima zu Hause ist, sei mehrfach beobachtet worden. Und auch Weißstörche hat es in der Kämpe gegeben, wenn auch keine Eier gelegt wurden. In Zukunft sollen den seltenen Vögeln zusätzliche Nisthilfen angeboten werden.

Ein deutlich weniger positives Fazit zieht Torsten Winter, Betreiber des Restaurants Haus Ausleger, rund 500 Meter Luftlinie von Haus Bürgel entfernt am Rheinufer gelegen. Über Wochen musste er sein Restaurant geschlossen halten – und das hatte unangenehme Folgen, denn das Haus Anleger verfügt über die einzige öffentlich zugängliche Toilette im Umkreis. „Das führte dann so weit, dass die Menschen auf meinem Grundstück oder im Wald ihre Notdurft verrichtet haben“, sagt Winter, der auch im Vorstand des Urdenbacher Bürgervereins sitzt.

Der Gastronom legt die Umstände weniger den Besuchern als eher den Städten Düsseldorf und Monheim sowie den Betreibern von Haus Bürgel zur Last. „Man sieht doch, was hier los ist, da muss man doch eigentlich einen Toilettencontainer zur Verfügung stellen – auch wenn das im Naturschutzgebiet natürlich nicht optimal ist“, so Winter. Als er wieder öffnen durfte, hatten er und seine Mitarbeiter alle Hände voll zu tun – ohne dabei entsprechend dem hohen Besucheraufkommen zu verdienen. „An einen Tisch, an dem sonst vier oder fünf Leute sitzen, passen im Moment eben nur zwei“, sagt der Gastronom. Mehrfach sei er angesprochen worden, warum er nicht mehr Tische aufstelle. Platz sei dafür genug da, gibt Winter zu. Aber: „Wenn Hochwasseralarm kommt, muss ich binnen 24 Stunden mein gesamtes Inventar in Sicherheit bringen. Da stört jeder zusätzliche Stuhl.“ Und die Launen des Rheins seien unkalkulierbar. Er habe schonmal über mehrere Jahre Ruhe gehabt, dann wiederum zweimal in einer Saison räumen müssen.

Das erhöhte Besucheraufkommen registrieren auch die örtlichen Jäger. Georg Bourscheidt ist Mitglied der Jagdgenossenschaft Urdenbach, sein Vater war einer der letzten aktiven Landwirte in der Kämpe. Bourscheidt sagt von sich, er habe sein Leben lang mit und teils auch von der Kämpe gelebt. Ihn haben im vergangenen Sommer vor allem die Feiern, oft von Jugendlichen, gestört. Vorzugsweise im Bereich der Engen Gasse sei es in den Abend- und Nachtstunden regelmäßig nicht nur zu lauten Partys gekommen, am Morgen seien oft große Mengen an Abfall liegen geblieben. „Vielen Leuten fehlt es einfach an Respekt der Natur und den Mitmenschen gegenüber“, klagt Bourscheidt. Einmal habe er eine Gruppe aufgefordert, die eigenen Hinterlassenschaften zu beseitigen. Acht große Müllsäcke seien zusammengekommen. Ebenfalls ärgert sich der Jäger, der auch Land in der Kämpe besitzt, über Menschen, die die Wege verlassen.

„Die Wiesen sind kein allgemeines Eigentum, sondern gehören jemandem“, sagt Bourscheidt. Deswegen hat die Jagdgenossenschaft mit anderen Anliegern darauf gedrängt, zusätzliche Hinweisschilder mit Verhaltensregeln aufzustellen. Dies ist im Juli passiert. „Seither können sich die Menschen nicht mehr damit herausreden, nichts von den Regeln im Naturschutzgebiet gewusst zu haben“, sagt der Jäger.

Für Biologin Elke Löpke kommt es auf das Gleichgewicht der Nutzung an. „Wir wollen, dass die Menschen in die Natur kommen. Aber es gibt Spielregeln, an die sich jeder Besucher für ein geordnetes Miteinander zum Wohle von Menschen, Tieren und Umwelt halten muss.“