Urdenbacher Kaisereiche wird noch vor Weihnachten gefällt

122 Jahre alter Baum wird gefällt : Abschied von der Kaisereiche

Die Stieleiche wurde 1897 zum Gedenken an Kaiser Wilhelm I. gepflanzt. Nun muss der Baum gefällt werden, ein Pilz bedroht seine Standsicherheit. Für viele Urdenbacher war die Kaisereiche ein wichtiger Teil ihres Dorfes.

Im Jahr 1897 war August Clemens Hauptlehrer der damaligen Katholischen Volksschule an der Urdenbacher Allee. In seinem Tagebuch berichtet er, wie am 22. März jenem Jahres, dem 100 Geburtstag von Kaiser Wilhelm I., zu dessen Ehren eine junge Eiche mit einem Fackelzug aus dem Schlosspark nach Urdenbach gebracht und auf dem Schulgelände eingepflanzt wurde. An diesem Tag hatten die Kinder schulfrei. „Es war ein Volksfest“, sagt Wolfgang Keil. Der Urdenbacher forscht zur Geschichte des Stadtteils und hat auch Clemens Tagebuch restauriert.

Seit 122 Jahren steht die Urdenbacher Kaisereiche an der Ecke Urdenbacher Allee und Kolhagenstraße. Obwohl die Krone bereits mehrfach beschnitten wurde, überragt sie die umliegende Vegetation weit. Aber die Tage des Baumes sind gezählt: Noch vor Weihnachten, heißt es vom städtischen Gartenamt, muss die Kaisereiche gefällt werden.

Der Grund: Bei Baumpflegemaßnahmen hat ein Kontrolleur starke Schäden am Holz festgestellt. Der Stamm der alten Stieleiche ist von einem Pilz, einem Tropfenden Schillerporling, befallen. Dieser Pilz löst die Weißfäule aus, die den pflanzlichen Stoffwechsel stört und den Baum nach und nach absterben lässt. Ein externer Gutachter hat bestätigt, dass die Krankheit bereits weit fortgeschritten ist und der Baum nicht mehr gerettet werden kann.

Wann genau die Arbeiten stattfinden, hängt vom Wetter und der Verfügbarkeit von Personal ab. „Der Baum wird allerdings noch vor Weihnachten entnommen“, heißt es in einer Mitteilung des Gartenamtes. Der Baum sei nicht mehr verkehrssicher, Teile der Krone könnten herabfallen. Bei Sturm sei es sogar möglich, dass der ganze Baum umstürzen und Gebäude und Personen in der Nähe gefährden könnte.

„Es ist wirklich schade um die alte Eiche“, sagt Doris Kissmann, Schulleiterin der Grundschule an der Garather Straße, zu der der Standort an der Urdenbacher Allee als Dependance gehört. Die über ein Jahrhundert alte Eiche steht am Rand des Schulhofs, die Äste ragen bis weit auf die Straße hinaus. Kissmanns erster Gedanke ist es gewesen, Protest einzulegen. „Aber wenn der Baum wirklich die Kinder gefährden könnte, ist es natürlich richtig, ihn zu fällen.“

Auch Heimatforscher Wolfgang Keil sieht die Notwendigkeit, dass der Baum verschwinden muss. „Die Sicherheit geht vor, das ist ja eine riesige Pflanze“, sagt er. Dennoch verschwinde mit der Stieleiche ein Stück Urdenbacher Geschichte – auch wenn der Baum seit der neuesten Gebietsreform offiziell auf Benrather Boden steht. „Die Kolhagenstraße ist die Grenze zwischen den Stadtteilen, und der Baum steht auf der nördlichen Seite, also in Benrath“, weiß Keil.

Die Kaisereiche sei ein greifbarer Beleg für die Begeisterung der Menschen zu jener Zeit für ihre Monarchie. „Vor allem Wilhelm I. war beim Volk sehr beliebt.“ Eine weitere Kaisereiche, 1887 noch zu Lebzeiten des Kaisers an der Hochstraße gepflanzt, bleibt den Urdenbachern als natürliches Denkmal.

Wolfgang Keil selbst erzählt, er habe zu dem Baum eine besondere Beziehung gehabt: Als Sohn und Enkel von Hausmeisterinnen ist er im Schulgebäude geboren, vor dem die Eiche steht, quasi mit Blick auf den Baum. „Er war mein ganzes Leben lang da, es wird sich komisch anfühlen, wenn er bald weg ist“, sagt Keil. Er erzählt, dass auch die Urdenbacher Heimatvereine um den Baum trauern, es sei sogar eine kleine Trauerfeier angedacht.

Vermutlich im Laufe der kommenden Woche wird der Baum entnommen, wie es beim Gartenamt heißt. Die Fläche soll abgesperrt werden, zunächst werden die Äste der Krone abgesägt. „Man hat mir zugesichert, dass der Unterricht durch die Fällung nach Möglichkeit nicht gestört wird“, sagt Schulleiterin Doris Kissmann.

Der Lokalhistoriker Wolfgang Keil ist im Schulhaus mit Blick auf den Baum geboren. Er trauert um die historisch bedeutende Eiche. Allerdings gibt es in Urdenbach noch eine zweite Kaisereiche, diese steht an der Hochstraße. Foto: RP/Dominik Schneider
Ein Pilz der Art Tropfender Schillerporling bedroht die Standsicherheit des Baumes. Foto: RP/Dominik Schneider
Die Stieleiche wurde vor über 120 Jahren zum Gedenken an den 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. gepflanzt. Foto: RP/Dominik Schneider

Einen Trost bekam die Schulleiterin vom Gartenamt: Dort ist geplant, für einen Ersatz zu sorgen. Bis spätestens Herbst 2020 soll eine junge Stieleiche auf dem Schulgelände nachgepflanzt werden. Diese wird allerdings deutlich kleiner ausfallen als die alte Kaisereiche, die immerhin einen Stammumfang von 3,39 Metern hat. „Trotzdem ist es schön, wenn für Ersatz für unseren schönen, alten Baum gesorgt wird“, sagt Doris Kissmann.