Urdenbach: Urdenbacher gegen Sparkassenschließung

Urdenbach: Urdenbacher gegen Sparkassenschließung

Mehrere Vereinsvorsitzende wollen verhindern, dass die Filiale an der Kammerathsfeldstraße geschlossen wird.

Horst Gatzen ist das, was man einen alde Odebacher nennt. Er ist der Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft Müllejecke und Mitglied im Allgemeinen Bürgerverein Urdenbach (ABVU). Weil ihm sein Stadtteil, der durch das Wachstum der vergangenen Jahre auf rund 12.000 Bewohner gewachsen ist, am Herzen liegt, verfolgt er die Entwicklung von Urdenbach mit Argusaugen. Deshalb kann er nicht nachvollziehen, dass die Stadtsparkasse zum 1. Oktober 2019 die Filiale an der Kammerathsfeldstraße, wie weitere 13 im Stadtgebiet, schließen will. Nur die Selbstbedienungsautomaten sollen an Ort und Stelle bleiben, zudem soll einmal wöchentlich für zwei bis drei Stunden nach Urdenbach ein Sparkassenbus kommen. In dem kann zum einen Geld abgeholt werden, man kann sich aber auch beraten lassen. Der Bus soll auch für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren zugänglich sein.

„Erst nehmen sie uns die Post weg und nun auch noch die Sparkasse“, sagt Gatzen empört und fügt hinzu: „Urdenbach ohne Sparkasse ist undenkbar.“. Das sehen die Vorsitzenden der anderen Urdenbacher Vereine genauso. Der Einladung von Arnold Sevenich, der dem ABVU vorsteht, zu einem Krisengespräch darüber, wie die Vereine mit der Schließung umgehen wollen, sind sie alle gefolgt: Neben Gatzen sind das Friedhelm Gutowski, Chef des TSV Urdenbach, Jörg Haack von den Bürgerschützen und Wolfgang Keil, der die Alde Odebacher Jonges vertritt. Alle zusammen stehen sie für um die 2500 Urdenbacher. Keiner von ihnen kann die Entscheidung, die die Sparkasse Ende September öffentlich machte, nachvollziehen. Mehr noch, allesamt sind sie sauer darüber.

Rafaello Morgenbrodt, der als Regionalleiter für den Düsseldorfer Süden zuständig ist, hatte den ABVU vergangene Woche um ein Gespräch gebeten, in dem die Gründe des Geldinstitutes noch einmal dargestellt werden sollten. Doch weder Sevenich noch die ABVU-Schriftführerin Brigitte Schneider haben die Argumente überzeugt. „Uns wurde berichtet, dass es eine Testphase gegeben hat, wie viele Kunden die Filiale besuchen. Ein Ergebnis haben wir aber nicht gesehen“, sagt der ABVU-Vorsitzende. Da nachmittags seit 2017 kein Schalterbetrieb mehr stattfand, sondern nur noch Beratung, gehen Sevenich und Gutowski davon aus, dass gar nicht erst mitgezählt wurde, wenn ein Kunde etwa Bargeld haben wollte oder sich einen Scheck aufs Konto gutschreiben lassen wollte, was an den Nachmittagen nicht mehr geht. Dem widerspricht Sparkassen-Sprecher Gerd Meyer:„Wir haben die Öffnungszeiten ja deshalb geändert, weil die Kunden nicht mehr kamen.“ Die Filialschließung daher der nächste logische Schritt.

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Für arbeitende Menschen sei es schwierig, während der paar Stunden seine Bankgeschäfte zu erledigen, sagt Jörg Haak. „Ich mache deswegen Onlinebanking“, sagt er und erläutert, dass durch die eingeschränkten Öffnungen die Banken ihre Kunden dazu zwängen. Jeder Düsseldorfer Sparkassenkunde, so hat es die Sparkasse dem ABVU vorgerechnet, besuche im Durchschnitt nur noch einmal im Jahr eine Filiale. „Das hat sich bei allen deutschen Kreditinstituten dramatisch im Vergleich zu früher geändert“, sagt Sparkassen-Sprecher Meyer. Doch was ist mit all den vielen älteren Menschen, die keinen PC zu Hause haben, sich mit Onlinebanking nicht auskennen und auch keine Kinder oder Enkelkinder in Reichweite haben?, diese Frage stellt sich Wolfgang Keil, denn die Mitglieder der Alde Odebacher Jonges seien im Alter von 60 plus.

Als Ersatz will die Sparkasse in acht der 14 von Filialschließungen betroffenen Stadtteilen, darunter in Hassels, wo die Filiale an der Hasselsstraße wegfallen soll, einmal pro Woche den Sparkassen-Bus schicken. Das, so sind sich alle Vorsitzenden einig, sei kein adäquater Ersatz. Ihr Kompromissvorschlag sieht anders aus: Die Filiale, gerne auch räumlich verkleinert, nur noch zweimal pro Woche zu öffnen. Dass der Bedarf an persönlichem Kontakt gewünscht sei, zeige ja schließlich die kleine Sparkassen-Außenstelle in der Senioreneinrichtung Haus Schlosspark, die einmal pro Woche für zwei Stunden öffnet. „Schauen Sie sich mal da die Schlange an. Von wegen es besteht kein Bedarf in Urdenbach“, sagt Arnold Sevenich.

Bei ihrem Zusammentreffen haben die Vorsitzenden vereinbart, der Einladung der Sparkasse zu einem gemeinsamen Gespräch noch vor Weihnachten zu folgen. Doch darüberhinaus wollen sie aktiv werden. Sie schreiben einen Brief an Oberbürgermeister Thomas Geisel, Vorsitzender des Sparkassenverwaltungsrates, sowie an Politiker aus Bund, Land und Stadt. Sie hoffen, auf diese Weise die Sparkasse zu einem Kompromiss zu bewegen. Immerhin hatte ein Veto von Geisel die Sparkasse daran gehindert, nach der Serie von Automatensprengungen Geldautomaten stillzulegen. Das hätte übrigens auch den Urdenbacher Standort betroffen. Verkehrte Welt: Die Automaten sollen nun bleiben und stattdessen die Menschen weichen.

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