Urdenbach: Ein Kantor fördert den Nachwuchs

Katholische Gemeinde Urdenbach: Ein Kantor fördert den Nachwuchs

Im kommenden Jahr kann Jörg-Steffen Wickleder als Kantor in Urdenbach sein silbernes Dienstjubiläum feiern. 1994 kam er nach seinem Musikstudium aus Ostdeutschland in den Düsseldorfer Süden.

In der meist überschaubaren Stadtteil-Kultur spielen die Kantoreien der Kirchengemeinden vielfach eine unterschätzte Rolle. In einer kleinen Serie stellt die RP kirchliche Kulturorte im Süden vor, die einen respektablen Beitrag zum Musikleben im Düsseldorfer Süden liefern.

Mit Kantor Jörg-Steffen Wickleder verfügt die evangelische Kirchengemeinde Urdenbach nicht nur über einen herausragenden Organisten und beliebten Musik-Pädagogen, sondern auch über einen Historiker, der sich für die Rekonstruktion der historischen Johann-Wilhelm-Schöler-Orgel in der Kirche an der Dorfstraße maßgeblich verdient gemacht hat.

Musik begleitet das Leben von Kantor Jörg-Steffen Wickleder seit frühester Kindheit, die er während der frühen sechziger Jahre in der Beschaulichkeit der sachsen-anhaltinischen Provinz verbrachte. Beide Eltern waren sehr musikbegeistert. „Die Faszination, wie aus einem Klavier so schöne Musik herauskommen kann, hat mich früh ergriffen“, erzählt Wickleder.

Ehrenamtliche Gottesdienst-Begleitung am Harmonium und zwei kirchenmusikalische Lehrgänge in Dresden (mit 13 Jahren) und Leipzig (mit 15 Jahren) führten schließlich zum Kirchenmusik-Studium in Halle an der Saale, das er mit einem B-Examen abschloss. Ein anschließendes Musikstudium an der Weimarer Musikhochschule „Franz Liszt“ in der Fachrichtung Korrepetition rundet schließlich seine Ausbildung ab.

In der Graf-von-Zinzendorf-Gemeinde in Cottbus-Schmellwitz trat er seine erste Kantorenstelle an. 1994 bewarb er sich als hauptamtlicher Kantor und Organist in Urdenbach. „Ich hatte schon immer einen guten Draht zu Kindern, und die Tatsache, dass damals Kinder der Gemeinde mit abstimmen durften, hat letztlich dazu geführt, dass ich die Stelle bekam“, berichtet Wickleder, der in Urdenbach viel musikalische Aufbauarbeit leisten musste.

Heute kommen regelmäßig 14 musikalisch interessierte Kinder zu den Chorproben, acht Kinder lernen unterschiedliche Flöten und weitere bekommen Klavier-Unterricht. „Die Nachwuchsförderung, die wegen der schulischen Beanspruchung der Kinder heute schwieriger geworden ist, liegt mir besonders am Herzen“, sagt Wickleder.

Seinen Erfolg bei Kindern führt er auf seinen Humor und die Geduld im Umgang mit ihnen zurück. Er geht auf sie ein, indem er neben Liedern aus dem klassischen Repertoire auch Pop zum Einstudieren anbietet. Zahlreiche Plakate im Musikraum geben Auskunft, über das, was sich kirchenmusikalisch in Urdenbach während der vergangenen fast 25 Jahre getan hat. „Die Plakate sollen weniger an Vergangenes erinnern, sondern vielmehr als Ansporn für Neues dienen“, sagt Wickleder, der der zu den Mitinitiatoren des renommierten Düsseldorfer Orgel-Festivals gehörte.

Er muss etwas überlegen, welche Konzertveranstaltung in der Vergangenheit er als herausragend einschätzt. Da fallen ihm die Johannes-Passion von Georg Friedrich Händel sowie die „Missa Brevis“ von Mozart ein. „Und sicher ist auch das Singspiel „Martin Luther – Der Mutige“, das mit dem Kinderchor sowie Schulkindern der GGS Urdenbach an der Garather Straße einstudiert wurde, dabei“, sagt der Kantor, der zudem die Zusammenarbeit mit dem Madrigalchor Benrath stets zu schätzen wusste.

Zu den Höhepunkten seiner Dienstzeit zählt auch das 2017 aufgeführte Konzert „Gaudium Christianum – das ist: christliche Freude“ zum 400-jährigen Bestehen der Gemeinde und dem 100-jährigen Bestehen des Kirchenchors. Für diesen gab es im gleichen Jahr eine besondere Ehrung, denn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verlieh Jörg-Steffen Wickleder als Stellvertreter des Kirchenchores in Wuppertal die Zelter-Plakette, eine hochrangige Auszeichnung der Bundesvereinigung deutscher Chorverbände.