Fest in Urdenbach Tausende Schaulustige kommen zum Erntedank-Umzug

Düsseldorf · Für beste Stimmung beim Entedankfest im Zelt sorgte die Band „Höhner“. Entgegen der Prognosen kam viel Publikum zum Umzug durch das Dorf.

Insgesamt 39 Gruppen und neun Kapellen reihten sich in den großen Umzug durch das Dorf ein.

Insgesamt 39 Gruppen und neun Kapellen reihten sich in den großen Umzug durch das Dorf ein.

Foto: Anne Orthen (orth)

Zum Erntedankfest, seit Jahrzehnten unbestritten der höchste Feiertag in Urdenbach, präsentieren sich viele Häuser im herbstlichen Erntedank-Schmuck. Vor dem Festumzug, der von tausenden Schaulustigen entlang der Strecke durch das „Dorf mem Hätz“, vom Urdenbacher Acker bis hin zur Garather Straße, begeistert beklatscht wird, werden noch, da die Wetter-App keinen Regen androht, viele Vorgärten in kleine Biergärten verwandelt. Auf der Südallee laden bequeme Lounge-Sofas unter einem Baldachin zum Blick auf den Zug aus der ersten Reihe. Dazu macht ein opulentes süß-herzhaftes Buffet Appetit. Das Bier kommt aus einer professionellen Zapfanlage.

Doch manche Urdenbacher sind noch beseelt von dem Abend zuvor im Zelt, in dem die Kölner „Höhner“ ausgelassen gefeiert wurden. „Da tobte der Bär in einem so gut wie ausverkauften Zelt“, sagt Lothar Stiebert. „Es war super, total schön, und ich fand es mutig, dass die mit „Kölle am Rhing“ angefangen haben und dennoch schnell die Stimmung auf den Höhepunkt gebracht haben“, schwärmt Jessica Bäumer. „Es war großartig, eines der letzten Konzerte mit Henning Krautmacher zu erleben, da kann ich jetzt sagen, ich war dabei“, sagt Gerhard Altenhofen.

Die Regentschaft des Blotschenkönigpaares Pierre Schönen und Anja Hentschel-Schönen endet am heutigen Montag.

Die Regentschaft des Blotschenkönigpaares Pierre Schönen und Anja Hentschel-Schönen endet am heutigen Montag.

Foto: Anne Orthen (orth)

Zum zehnjährigen Jubiläum der Brauchtumsgruppe Odebacher jonges Jemös hatte Vorsitzender Christoph Wylezol auch Thomas Geisel eingeladen. „Während meiner Amtszeit, aber auch danach bin ich immer wieder gern zum Erntedankfest nach Urdenbach gekommen, ich finde es bemerkenswert, wie viele junge Menschen hier mitmachen“, erklärt der Ex-Oberbürgermeister am Platz des früheren Vorgängers Oberbürgermeister Josef Kürten.

Getreu dem Motto „Willkommen im Dorf mit Herz“ führt Brigitte Schneider, Vorsitzende des Allgemeinen Bürgervereins Urdenbach (ABVU), der in diesem Jahr sein 100. Jubiläum feiert, den Erntedank-Umzug an. Insgesamt 39 Gruppen und neun Kapellen reihen sich ein. „Entgegen aller Prognosen von Feuerwehr und Ordnungsbehörden, die erheblich weniger Publikum vorhergesagt hatten, lief bislang alles bestens, der Erntedank-Gottesdienst war mit 300 Personen bestens besucht und auch das Höhner-Konzert war ausverkauft und jetzt geht der Run auf Tickets für die Party am Abend los“, sagt Schneider am Nachmittag sichtlich zufrieden.

Es ist ein unüberhörbarer Auftritt, wenn mit knackigem Klack-Klack-Klack Männer wie Frauen in Blotschen mit ihren Schürreskarren, meist mit Blumen, Gemüse oder Obst dekoriert, vorbeiziehen. Auch viele Kinder, etwa von den Kitas Montessori Kinderhaus oder Plenty For Pänz sind dabei. Sehr kleine Gäste beobachten das Brauchtumsgeschehen vom Bollerwagen aus und einer kuschelt sich im Tragetuch an die Brust von Papa, der einen Schürreskarren schiebt. Unklar ist, ob der „Baby-Beifahrer“ auch noch bei dem anschließenden Rennen mit von der Partie ist. Bei vielen Schürreskarren-Piloten wird Flüssig-Nahrung bevorzugt. Mit einem Teller, auf dem Fleischwurst, Käsewürfel, Salzstangen, Möhren und Trauben zur Auswahl liegen, bietet jedoch Beate Hahn auf der Südallee eine Alternative an.

Während Feldfrucht-Deko dominiert, stellt der Wagen der Odebacher Fischköpp eine Ausnahme dar. Er unterstreicht die historische Bedeutung von Urdenbach als Fischerort. „Auf diesem Anhänger ist unser kleiner Aalschokker, ein Plattboden-Boot mit Seitschwertern, das hier einst zum Einsatz kam, und auch die Netze, die uns von unserem Dorf-Historiker Wolfgang Keil überlassen wurden, sind original“, sagt Fischkopp-Vorsitzender Fred Suchantke. Ein Porsche zieht den Wagen der Herz-Jesu-Kirchengemeinde. Ein Lanz Bulldog, ein Rauch speiendes Ungetüm unter den historischen Ackerschleppern, zieht hingegen den Wagen des noch amtierenden Blotschenkönigpaars Pierre Schönen und Anja Hentschel-Schönen, deren Regentschaft Corona-bedingt drei Jahre dauerte. Sie endet am heutigen Montag, wenn ab 12 Uhr Nachfolge-Paare mit Blotschen tanzen und dabei die Bohlen des Festzelts zum Beben bringen.

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