Urdenbacher Kämpe : Unachtsame Spaziergänger stören Störche

Naturschützer vermuten, dass die Tiere ihr Nest in der Urdenbacher Kämpe aufgegeben haben.

Für die Mitarbeiter der Biologischen Station von Haus Bürgel und viele Bürger des Düsseldorfer Südens war es eine gute Nachricht: In der vergangenen Woche wurde ein Storchenpaar beobachtet, dass sich in einem der eigens dafür aufgestellten Nester in der Urdenbacher Kämpe niedergelassen zu haben schien. Nun wurden die Vögel allerdings seit mehreren Tagen nicht mehr gesehen – es ist gut möglich, dass sie weitergezogen sind.

„Der Weißstorch ist sehr anfällig für Störungen aller Art“, sagt Elke Löpke, Leiterin der Biologischen Station. Das Auftauchen der in Düsseldorf seltenen Tiere habe für viel Interesse gesorgt und bei dem schönen Wetter am Wochenende zahlreiche Ausflügler in die Urdenbacher Kämpe gelockt. Prinzipiell begrüßt Löpke das Interesse der Menschen an der Natur, aber: „Viele der Leute halten sich nicht an die einfachen Regeln, die es in einem Naturschutzgebiet zu beachten gilt: Bleibt auf den Wegen, nehmt eure Hunde an die Leine.“ Die Biologin selbst hat beobachtet, wie Menschen über die Wiesen gehen, um das Storchennest von nahme sehen zu können. „Zu viel Interesse verhindert die Ansiedlung“, sagt Löpke. Sie will nicht ausschließen, dass das Storchenpaar wiederkommen könnte. „Wir wissen zu wenig über die Tiere, wir sind uns sogar unsicher, ob sie schon geschlechtsreif sind“, erklärt Löpke. Storche können sich ab dem Alter von drei bis fünf Jahren zum ersten Mal fortpflanzen.

Ingeborg Lackinger-Karger, Jagdaufseherin in den Bürgeler Wiesen, hat ebenfalls Menschen beobachtet, die die sich in der Urdenbacher Kämpe nicht angemessen verhalten. „Obwohl die Tiere gerade brüten und ihre Jungen aufziehen, lassen Spaziergänger ihre Hunde frei laufen und wandern selbst kreuz und quer durch die geschützen, artenreichen Wiesen.“ Sie habe sogar eine Drohne beobachtet, die über den Naturschutzgebiet flog. „Das ist für die Tiere besonders schlimm, nicht nur wegen des Lärms, sondern vor allem, weil die Silhouette Vögel und kleine Säugetiere an einen Greifvogel erinnert. Das ist für die Tiere Stress pur“, so Lackinger-Karger. Den Leuten sei nicht klar, so die Jägerin, wie sehr sie in das Ökosystem eingreifen. „Gerade, wenn jetzt das Wetter wieder schöner wird und die Leute trotz Kontaktverbot dicht an dicht auf den Deichen stehen, ist die Natur einfach überlastet“, so Lackinger-Karger.

Ob die Menge und das Verhalten der Spaziergänger jedoch wirklich Ursache dafür sind, dass das Storchenpaar seit mehreren Tagen nicht mehr gesichtet wurde, ist allerdings unklar. „In einem Baum recht nah beim Nest brüten außerdem Nilgänse“, so die Jägerin. Die Entenvögel sind für ihr ausgeprägtes Revierverhalten und ihre Aggressivität anderen Vögeln gegenüber bekannt, vor allem während der Brut. Andernorts wurde bereits mehrfach beobachtet, dass die Gänse auch Storchennester für sich beanspruchen und die Weißstörche so am Brüten hindern. Jägerin Ingeborg Lackinger-Karger hat beobachtet, dass sich einige Gänse in dem Storchennest in den Bürgeler Wiesen aufhalten.

Ob die Störche nun wiederkommen oder ob die Konkurrenz zwischen den Vögeln oder die Störungen durch den Menschen die Tiere vertrieben haben: Sowohl Ingeborg Lackinger-Karger als auch Elke Löpke sind sich einig, dass die Besucher mehr Respekt vor der schützenswerten Natur der Urdenbacher Kämpe zeigen müssen. „Wir überlegen, diesbezüglich eine Hinweistafel zu installieren“, sagt Löpke. Auch das Füttern der Wasservögel, was viele Besucher nach wie vor tun, sei schädlich: „Die Tiere finden hier alles, was sie brauchen. Brot hingegen kann dazu führen, dass die Gewässer verfaulen.“ Und auch das Gehen querfeldein schade der Natur, so die Leiterin der Biologischen Station: „Man kann von den Wegen aus alles Schöne und Interessante beobachten. Das muss reichen.“