Serie Belastete Straßennamen : Man nannte ihn „Hänge-Peters“

Carl Peters gilt als einer der brutalsten deutschen Kolonialisten. Eine Straße im Stadtteil Urdenbach trägt noch heute seinen Namen; Experten haben jedoch eine Umbenennung empfohlen. Peters war nach seinem Tod zu einer Ikone des Nationalsozialismus geworden.

Viele der Menschen, nach denen die Straßen im sogenannten Urdenbacher Kolonialistenviertel benannt sind, haben schreckliche Dinge getan, die es aus heutiger Sicht unverantwortlich machen, sie mit einem Straßennamen zu ehren. Zu den berüchtigtsten Kolonialisten dieser Gruppe gehört Carl Peters, nach dem die Petersstraße benannt ist. Sie ist Teil eines Straßenzuges, der in der Zeit der NS-Herrschaft nach Personen der deutschen Kolonialgeschichte benannt wurde. Der Kolonialpolitiker und Afrikaforscher Carl Peters lebte von 1856 bis 1918 und ist vor allem wegen seines Amts als Reichskommissar für das Kilimandscharo-Gebiet von 1891 bis 1893 bekannt.

Peters ging während dieser Zeit so brutal vor, dass er sich den Beinamen „Hänge-Peters“ einhandelte. Aufgrund seiner Amtsführung wurde er von der Regierung abgezogen und zurück nach Deutschland beordert.

Bereits mit der Gründung der „Gesellschaft für Deutsche Kolonisation“ im Jahr 1884 setzte sich Carl Peters von der in Kolonialfragen eher zurückhaltend agierenden Regierung Bismarcks ab. Im Anschluss nahm er an mehreren Expeditionen teil und schloss mit lokalen Anführern dubiose Schutzverträge, bei denen er seine Verhandlungspartner teils aktiv bedrohte, teils unter Alkohol setze. Anders als andere Kolonialisten war Peters jedoch auch dem Kaiserreich gegenüber nicht treu ergeben. Um seine Machtposition zu stärken und das Territorium vergrößern zu können, erzwang Peters 1885 einen kaiserlichen Schutzbrief, indem er mit der Abtretung der erworbenen Länder an Belgien drohte.

Dennoch wurde er zum Reichskommissar für das Kilimandscharo-Gebiet ernannt, wo er eine Schreckensherrschaft errichtete, die selbst für damalige Verhältnisse in den deutschen Kolonien als extrem galt. Unter anderem ließ er seine afrikanische Geliebte und mehrere Diener aus persönlichen Gründen ohne Prozess hinrichten. Nach diesem Vorfall wurde „Hänge-Peters“ mit einem Disziplinarverfahren belegt und unehrenhaft aus dem Staatsdienst entlassen. Im Reichstag wurde über seine Verbrechen debattiert, vielen Beteiligten galt Carl Peters als die schlimmste Form des deutschen Rassisten.

Dementsprechend anders wurde die Person Peters nach seinem Tod in der Zeit des Nationalsozialismus dargestellt. Es entwickelte sich ein regelrechter Personenkult um Peters, zahlreiche Schriften und Propagandafilme stellten sein Leben als Wegbereiter der deutschen Weltherrschaft dar. Adolf Hitler hob 1937 persönlich die Verurteilung Peters wegen Amtsmissbrauchs auf.

Der Kolonialist selbst machte zu Lebzeiten aus seinen Überzeugungen keinen Hehl und offenbarte sein rassistisch und sozialdarwinistisch geprägtes Menschenbild: „Der Neger ist der geborene Sklave, dem ein Despot nötig ist wie dem Opiumraucher die Pfeife.“

Heute ist Peters eine zentrale Figur in der Betrachtung der Kolonialgeschichte. Während sich die ältere Forschungsliteratur zumeist auf die pathologische Auffälligkeit des Kolonialisten konzentriert hat, befassen sich jüngere Studien auch mit dessen politischem Werdegang und den Auswirkungen seiner aggressiven Expansionsunternehmungen. Denn auch, wenn die Regierung sich später von Peters distanzierte, war seine Rolle in der Festigung des deutschen Einflusses in Afrika doch von zentraler Bedeutung. Einigkeit besteht heute jedoch darüber, dass ein Willkürherrscher, Rassist und Mörder wie Peters es nicht verdient hat, dass sein Name ein Straßenschild ziert. Und daher wird auch die Urdenbacher Petersstraße in Zukunft wohl einen anderen Namen tragen.