Unser Süden : Eine Welt und viele Bücher

Wir sind in den zehn südlichen Stadtteilen unterwegs und suchen nach Menschen, Geschäften und Traditionen, die sie besonders machen. Los geht’s mit der katholischen Pfarrbücherei und dem Weltladen in Urdenbach.

Mandla trägt ein weißes Hemd und hält eine bemalte Tasse in der Hand. Das Foto des Ghanaers schmückt ein kleines Schildchen an einer anderen Tasse, die Mandla bemalt hat, orange und blau, mit einem Zebra darauf. Sie steht im Regal in einem kleinen Laden in Urdenbach.

Der Weltladen und die Bibliothek der katholischen Gemeinde Urdenbach teilen sich einen Laden. Zur Linken finden sich Bücher, DVDs und Hörspiele, zur Rechten gibt es fair gehandelten Kaffee, Tee, Schokolade und Kunsthandwerk.

„Eine Bücherei hat die Pfarrei schon seit 120 Jahren“, erzählt deren Leiterin Marita Speckamp. Ursprünglich habe es dort religiöse Bücher gegeben, diese werden allerdings heute kaum nachgefragt. Das Gros des Angebots machen Bilderbücher und Erwachsenenliteratur aus. „Jugendliche kommen immer weniger her. Es wird wohl nicht mehr so viel gelesen wie früher, vielleicht fehlt einfach die Zeit“, sagt Speckamp. Sie stellt Statistiken auf, was ausgeliehen wird und welche Bücher beliebt sind. Daraus errechnet sich dann, wie viel Geld die Bücherei vom Kölner Erzbistum bekommt und was neu angeschafft werden kann. „Wir haben etwa 3000 Medien hier und rechnen mit 3000 Ausleihen im Jahr“, sagt die Leiterin.

Diese Zahl zu erreichen, dabei hilft auch die Kundschaft des Weltladens im anderen Teil des Ladenlokals. Dort arbeiten 20 Ehrenamtler, eine davon ist Bärbel Hannecke. Sie erzählt, wie das Ganze zustande gekommen ist. „Vor über 30 Jahren hatte der damalige Pfarrer Leonhard Oehm eine Projektwoche zum fairen Handel veranstaltet. Einige Produkte hat er dann in der Bücherei verkauft, und das Ganze ist über die Jahre gewachsen.“ Heute umfasst das Angebot diverse Lebensmittel aus fairem Handel, außerdem Kunsthandwerk und kleine Geschenke. „Die meisten Dinge kommen aus Afrika, Südamerika, Indien und Nepal“, zählt Hannecke auf. Sie kennt ihr Sortiment aus dem Effeff. Neugierigen Kunden zeigt sie die Schätze der Sammlung; etwa die Filzpantoffeln aus dem Himalaja oder die handbemalten Keramiken aus Afrika, zu denen auch die Tasse von Mandla zählt. Überall verdienen die Produzenten in den Entwicklungsländern einen gerechten Anteil.

Bereits jetzt merkt man auch im Weltladen, dass Weihnachten näher rückt: Es gibt Schoko-Nikoläuse, keine Weihnachtsmänner, wie Bärbel Hannecke betont, mit Bischofsstab statt Geschenkesack. Außerdem sind da die Krippen aus Peru: Das Jesus-Kind trägt eine typische Strickmütze, Maria hat farbenfrohe Gewänder an und statt einem Esel steht da ein Lama. Alternativ gibt es die Krippen auch zum Mitnehmen – im Streichholzschachtel-Format. So lässt sich Weihnachten fair feiern.