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Michaela Nieland-Schullers Neubeginn als Krankenhausseelsorgerin

Urdenbach : Abschied und Neubeginn

Michaela Nieland-Schuller wird in ihr neues Amt als Krankenhausseelsorgerin eingeführt. In einem Gottesdienst am Dienstag wird sie zugleich von der Aufgabe als Pfarrerin in Urdenbach entpflichtet.

Nach 27 Jahren als Pfarrerin in Urdenbach hat Michaela Nieland-Schuller ihre Gemeinde schweren Herzens verlassen; sie war zuständig für den Pfarrbezirk rund um die Heilig-Geist-Kirche an der Südallee. Für die 60-Jährige ist es drei Jahre vor ihrem Ruhestand ein Neuanfang. Wegen ihrer Rheumaerkrankung kann sie bereits mit 63 aufhören zu arbeiten.

Bereits seit Juni ist sie am Benrather Sana-Krankenhaus in Vollzeit als Klinik-Seelsorgerin beschäftigt. Mit dieser Aufgabe hat sie der evangelische Kirchenkreis in Düsseldorf betraut. In den vergangenen Jahren war sie – wenn auch in einem deutlich geringerem Umfang – dort schon tätig gewesen. Dort fühlt sie sich angenommen, von den Patienten, den Ärzten, den Pflegerinnen und Pflegern sowie den ehrenamtlichen Helfern, den rund 40 „Grünen Damen und Herren“, die sie als eine Aufgabe betreut.

Und so sprüht sie nun wieder vor Ideen. „Ich fände es toll, entsprechend wie in England, ein so genanntes Death-Café auf die Beine zu stellen.“, erzählt sie. Ein Café in heimeliger Atmosphäre, in dem über den Tod geredet – und auch mal gelacht – werden kann. Denn der begegnet ihr im Krankenhaus nun noch viel öfter als als Gemeindepfarrerin. Zudem hat sie die seelsorgerische Rufbereitschaft für das Hospiz in Garath von Pfarrerin Birgit Otto übernommen. Ihren Ausstand als Urdenbacher Gemeindepfarrerin und gleichzeitigen Einstand in den Kreiskirchlichen Dienst als Klinikseelsorgerin gibt sie in einem Gottesdienst am kommenden Dienstag, 30. Oktober, in der Kapelle des Krankenhauses. Beginn ist um 18 Uhr.

Aber warum findet diese Feier nicht in ihrer Heimatkirche an der Südallee statt? Wäre das nicht das Mindeste nach 27 Jahren? Matthias Köhler, seit 2006 in Urdenbach Pfarrer-Kollege von Nieland-Schuller, sagt auf Anfrage unserer Redaktion, dass der Kirchenkreis den Ort bestimmt habe. Es sei üblich, dort den Gottesdienst abzuhalten, wo die Einführung ins Amt sei, und das sei in diesem Fall die Krankenhaus-Kapelle.

In der offiziellen Pressemitteilung des Kirchenkreises zum Wechsel von Michaela Nieland-Schuller heißt es: „In der Kirchengemeinde lag ihr besonders die Konfirmanden- und Seniorenarbeit am Herzen. Elf Jahre lang organisierte sie Konfirmanden- und Seniorenfreizeiten nach Polen und setzte sich dort zusammen mit den Teilnehmenden mit den Themen Nationalsozialismus und Antisemitismus auseinander.“ In einem Brief an die Gemeinde schreibt Michaela Nieland-Schuller diesen Satz: „Als Pfarrerin zieht man weiter. Wie auch Paulus damals. Aber ich weiß, wir bleiben verbunden.“ Im Gespräch mit unserer Redaktion zieht sie eine persönliche Bilanz der vergangenen 27 Jahre: „Meine große Liebe waren die Abendmahlsgottesdienste und die Gottesdienste für Jung und Alt sowie die religionspädagogische Begleitung der Familien des Familienzentrums Südallee zusammen mit den Erzieherinnen. Und die Begegnung mit Menschen, deren Lebensgeschichten mir immer im Gedächtnis bleiben werden, weil sie vom mutigen Gehen auf dem Lebensweg unter Gottes Segen erzählen.“

Dabei wissen die Mitglieder der Urdenbacher Gemeinde, dass der Hintergrund ihres Weggangs die geplante Aufgabe der Heilig-Geist-Kirche ist, des Gotteshauses, in dem Michaela Nieland-Schuller 27 Jahre lang eine lebendige Gemeinde mit vielen Gemeindegliedern zusammen gestaltete. Aus diesem Grund hatte sich die 60-Jährige gegen diesen Beschluss des Presbyteriums ausgesprochen. Die Argumentation der Aufgabe-Befürworter: Durch die Größe und die schlechte Gebäudesubstanz der 1966 eingeweihten Kirche entstünden der Gemeinde hohe Unterhaltungskosten und das bei der aktuell auf rund 3090 Gläubige gesunkene Gemeindezahl.

Nur der Kirchturm soll stehen bleiben; ein Investor soll das Areal mit einem Sozialen Zentrum bebauen, das die Diakonie betreiben soll. Für den Pfarrbezirk rund um die Südallee soll es auf der Fläche ein neues Gebäude geben, in dem auch Gottesdienste möglich sein sollen. Stand der Planungen: Das Presbyterium hat den Antrag auf Entwidmung bei der Landeskirche eingereicht, sagt Urdenbachs verbliebener Pfarrer Matthias Köhler. Die Gemeinde hat inzwischen bei der städtischen Wohnungsbautochter SWD ein zweites Angebot eingeholt.

Die Stelle von Michaela Nieland-Schuller in der Gemeinde wird nicht wieder besetzt. „Das geben unsere Mitgliederzahlen nicht her“, sagt Köhler. Um alle Aufgaben in der Gemeinde abdecken zu können, müssen die Pfarrer der anderen Süd-Gemeinden aushelfen. In dem Süd-Bezirk von Wersten bis Hellerhof gibt es noch acht Pfarrstellen. Am Votum des Urdenbacher Presbyteriums scheiterte vor genau einem Jahr der Zusammenschluss der Süd-Gemeinden. Dieses Konzept hatte vorgesehen, dass Urdenbach und Garath, Benrath, Hassels und Reisholz sowie Wersten und Holthausen enger zusammenrücken sollten. Die beiden Letztgenannten haben diesen Schritt vollzogen, auch weil die Pfarrstelle von Christian Schmandt in Holthausen nicht wiederbesetzt wurde. Nun fasst man dort sogar zum 1. Januar 2020 eine Fusion ins Auge.

Die Urdenbacher Gemeinde ist hingegen erstmal mal noch mit sich selbst beschäftigt. Denn neben dem Abriss und der Neubebauung des Areals an der Südallee hat die Gemeinde vor einem Jahr ein unter Denkmalschutz stehendes Haus neben der barocken Dorfkirche gekauft. Köhler: „Der Zustand ist besser, als wir befürchtet hatten.“