Letztes Konzert des Urdenbacher Sängerkreises

Urdenbacher Sängerkreis : Ein Chor verabschiedet sich

1881 wurde der Sängerkreis Urdenbach gegründet, nun gab er sein letztes Konzert beim Offenen Singen in der Herz-Jesu-Kirche. Mitgliederschwund und Überalterung hatten den Verein dazu bewogen, sich aufzulösen.

Sogar einen Kanon wagte Kantor Ulrich Karg am Sonntag. „Mach dich auf und werde Licht“ schallte es vielstimmig durch die katholische Herz-Jesu-Kirche in Urdenbach. Zum 31. Mal lud die Gemeinde zum Offenen Singen im Advent ein und in der Kirche blieben nur wenige Plätze frei. Eigeninitiative der Besucher stand dabei ebenso auf dem Programm wie Aufführungen des Kirchenchores. Dieses Mal beteiligte sich auch der Sängerkreis 1881 Urdenbach unter der Leitung von Bernhard Obst. Mit Johann Sebastian Bachs „Wachtet auf, ruft uns die Stimme“ oder „Denn die Herrlichkeit Gottes“ aus dem Messias von Georg Friedrich Händel ließen die Chöre mitreißende Meisterwerke erklingen. Werke aus verschiedenen Epochen und abwechslungsreiche Klangfarben bescherten dem Publikum eine besondere Advents­stunde. „Es ist immer ein Erlebnis, die Lieder der Chöre sind wunderbar“, sagte Maria Sobotta. „Ich dachte, es wäre kindgerechter, aber es war trotzdem schön“, meinte Uwe Strotmann, der mit seiner Frau und den zwei Söhnen dabei war.

Anhaltender, begeisterter Applaus verabschiedete beide Chöre. Für den Sängerkreis 1881 Urdenbach war es ein endgültiger Abschied. Zu seinen besten Zeiten zählte der Chor rund 90 Sänger. Zuletzt waren es 35 Mitglieder, die zu Beginn des Jahres einstimmig die Auflösung des Vereins beschlossen – nach 138 Jahren. Im Anschluss an das Offene Singen trafen sich die Sänger mit Familie und Freunden im evangelischen Gemeindehaus, um sich zu erinnern. „Die Altersstruktur ist unübersehbar und einige, die jetzt noch dabei sind, haben bereits angekündigt, dass sie es nicht mehr lange schaffen“, erklärte die Vorsitzende Angelika Scholich. In ihrer Ansprache ließ sie die wechselvolle Geschichte des ursprünglichen Männergesangsvereins vorüberziehen. „Der Bezug zu Urdenbach zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte“ sagte sie. Der Sängerkreis sei der älteste Chor und der älteste Verein in Urdenbach gewesen. Und es gab harte Zeiten in der Vereinsgeschichte. „1946 standen 14 Mitglieder zum proben vor der Tür und Noten gab es keine“, erzählte Scholich.

„Es ist traurig, dass es mit dem Sängerkreis zu Ende geht. Chormusik ist eine Wohltat für die Seele“, bedauerte Theresia Bonekamp. Sie ist kein Mitglied, aber eine langjährige Freundin des Chores. „Ich half als Student an der Orgel aus und dabei lernte ich den Sängerkreis kennen“, erklärte Bernhard Obst seine Beziehung. Seit 27 Jahren leitet er den Chor, inzwischen kommt er schon lange aus Gerresheim. „In den Herzen hätte es weitergehen können, aber die Köpfe wussten es besser“, schloss Angelika Scholich. Und dann wurde zum Abschied noch einmal gesungen – wie sollte es anders sein.

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