Künstler aus Urdenbach : Die Plakate von der Südallee

Künstler Ulrich Mennekes hängt politische und soziale Statements in sein Fenster. Mit seinen Aussagen will er Passanten und Nachbarn erreichen – und scheut auch nicht davor zurück, mit Andersdenkenden zu diskutieren.

Ulrich Mennekes aus Urdenbach ist Künstler, diplomierter Designer, Pädagoge und – nach eigener Aussage – ein Dickschädel. Aufmerksamen Beobachtern dürfte beim Gang durch Urdenbach sein Haus an der Südallee aufgefallen sein. Dort hängt Mennekes immer wieder Transparente mit politischen und sozialen Botschaften in sein Fenster. „I’m glad he’s gone“ war zu Trumps Abschied aus dem Weißen Haus zu lesen. Die aktuelle Corona-Situation kommentiert Mennekes mit „Ich bin viel lieber eine deutsche Kartoffel als ein Querdenker und Reichsbürger“.

Der Mann hinter den Plakaten wurde 1957 geboren und ist in Urdenbach aufgewachsen. Mennekes ist Grafikdesigner, hat in der Werbebranche gearbeitet und im Lernort Studio Bilk hat er jungen Menschen einen Einblick in die Welt der Kunst als Beruf gegeben. Außerdem engagiert er sich in der Jungenarbeit. „Für Mädchen gibt es viel spezifische Förderung, das ist auch gut und richtig. Es ist aber auch wichtig, männlichen Jugendlichen etwas anzubieten, abseits von den Klischees von Sport und Wettkampf.“ Seit 15 Jahren arbeitet der Künstler unter anderem mit einer Garather Hauptschule zusammen, organisiert Fotosafaris in den Stadtteil und leistet auch soziale Arbeit.

Darüber hinaus schafft Mennekes politisch und gesellschaftlich durchaus kritische Kunst, meist in Form von Installation und Fotografie. In diesem Zusammenhang stehen auch die Plakate an seinem Wohnhaus.

Zahlreiche Motive hängen an der Wand seines Wohnzimmers. Immer wieder, wenn der Künstler neue Kommentare zum aktuellen Geschehen hat, kommen neue Plakate dazu. „Alle paar Tage hänge ich ein anderes raus“, sagt Mennekes. Sein Ziel ist, Nachbarn und Passanten zur Kommunikation anzuregen. Und das funktioniert. „Ich würde schon mehrfach beim Müllrausbringen angesprochen, teils auch kritisch. Und so konnte ich die Menschen in ein Gespräch verwickeln“, sagt der Künstler. „Das schöne Bild allein“ reiche nicht, um auf gesellschaftliche Missstände hinzuweisen, sagt er. Die schlichten Plakate mit den politischen Aussagen bewegen die Leute zum Stehenbleiben. „Manchen habe ich meine Beweggründe erklärt und mit manchen Leuten bin ich durchaus in Konflikt geraten. Aber das ist ja gerade der Sinn der Sache“, sagt der Künstler.

Besonders in Zeiten von Corona kann er so auch Menschen ohne direkten Kontakt erreichen, noch besser: aufrütteln, am allerbesten: überzeugen. „Wenn man mit einer Situation nicht zufrieden ist, dann nützt es nichts, zu jammern“, sagt Mennekes. Und auch, wenn er dabei hier und da schon auf Feindseligkeiten gestoßen ist, hält er an seinen Plakaten fest, denn: „Wer sich darüber ärgert, auch den hat meine Botschaft erreicht.“