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Kontroverse um Straßennamen in Düsseldorf-Urdenbach

Umbenennung in Düsseldorf : Urdenbacher diskutieren Straßennamen

Kontrovers wurde auf Einladung von CDU-Ratsherr Andreas Hartnigk über die Umbenennung von Urdenbacher Straßennamen gesprochen. Vier sind nach Kolonialisten benannt, die ein Gremium für schwer belastet hält.

1937 erhielten sieben Straßen, die westlich der Koblenzer Straße liegen, von den Nationalsozialisten die Namen von Kolonialisten. Diese haben zu ihren Lebzeiten im 19. Jahrhundert mehr oder minder schwere Verbrechen vor allem an der indigenen Bevölkerung begangen. Und auch wenn die Diskussion in den vergangenen Jahren immer mal wieder in Düsseldorf aufploppte, wurden die Straßen hier, anders als in anderen deutschen Städten, nicht umbenannt.

Seit 2017 wird nun ernsthaft an dem Thema gearbeitet. 3500 Straßen hat die Stadt, 99 Namensgeber sollte ein Beirat unter den Gesichtspunkten Kolonialismus, Militarismus, Nationalismus und Antisemitismus unter die Lupe nehmen. In dieser Expertenrunde saßen Mitarbeiter des Stadtarchivs, der Heine-Uni, der Mahn- und Gedenkstätte sowie Vertreter aller im Stadtrat vertretenen Parteien. Bei zwölf Straßen plädiert der Beirat auf Umbenennung. In Urdenbach sind es vier: die Leutweinstraße, die Lüderitzstraße, die Petersstraße und die Woermannstraße sowie die Pfitznerstraße im Musikantenviertel. Für diskussionswürdig hält das Gremium die Solfstraße.

Formal muss der Stadtrat die Umbenennung beschließen. Ob das vor den Sommerferien oder erst nach der Kommunalwahl, die am 13. September ist, passieren wird, das weiß Andreas Hartnigk nicht. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU ist bei der Kommunalwahl 2014 für Urdenbach und einen Teil von Benrath in den Stadtrat gewählt worden. In dieser Funktion hatte der Christdemokrat alle Interessierten in den Jägerhof nach Urdenbach eingeladen, um sich darüber zu informieren, wie sich seine Wähler positionieren.

Wahrlich emotional. Ob direkt als Anwohner betroffen oder als politisch Interessierter. Rund 100 Menschen, vor allem Urdenbacher, waren erschienen. Und konträrer hätten die Meinungen kaum auseinandergehen können. Wobei niemand den Umbenennungsgegnern unterstellen wollte, dass die Vehemenz gegen die Suche nach einem neuen Straßennamen etwas mit der politischen Gesinnung zu tun habe. Vielmehr praktische Gründe wurden aufgezählt, wie der Aufwand für die Anwohner, etwa bei der Umstellung der Grundbücher und dem Neudruck der persönlichen Papiere. Ein Betroffener wies darauf hin, dass heute kaum jemand die Petersstraße mit dem Carl Peters in Verbindung bringe, der in Deutsch-Ost-Afrika schwere Verbrechen beging. Dessen Spitzname Hänge-Peters ist wahrlich bezeichnend.

Joachim Helck ist Anwohner der Peterstraße und hat sich viele Gedanken über den Namensgeber seiner Straße gemacht. Für ihn steht fest, dass eine Umbenennung nicht an den Kosten scheitern darf. Die Siedlergemeinschaft Urdenbacher Acker, zu dem Bereich zählen die betroffenen Straßen, hat schriftlich von Oberbürgermeister Thomas Geisel zugesichert bekommen, dass nicht die Anwohner die Kosten zu tragen hätten, sagte ein Mitglied auf der Versammlung. Gleich doppelt betroffen wäre Handwerksmeister Ulrich Hecht, er wohnt an der Leutweinstraße und der Familienbetrieb liegt an der Woermannstraße.

Mit viel Sympathie wurde die Idee aufgenommen, passend zu den Nachnamen nun unbelastete Menschen zu finden. So könnte die Petersstraße nach dem Astronomen Carl Peters benannt werden. Allerdings wird es schwer fallen, einen Ersatzmenschen für die Lüderitzstraße zu finden. Wie Peters gilt Adolf Lüderitz als historisch besonders belastet. Er eignete sich in Namibia riesige Ländereien an und war dabei wahrlich nicht zimperlich.

Eine andere Idee ist es, die Straßenschilder mit Zusatzschildern zu versehen, die auf die Taten der Kolonialisten hinweisen. Ob den Vorschlägen die Mehrheit des Stadtrates jedoch folgen wird, ist ungewiss. CDU-Ratsherr Andreas Hartnigk fände es zudem passend, wenn die Urdenbacher Siedlung wieder Straßennamen zu einem Oberbegriff bekäme. Wie jetzt mit den Kolonialherren, aber halt unbelastet: „Es ist ja auch ein zusammenhängendes Viertel.“