Nachhaltigkeit : Der Umweltschützer aus Urdenbach

Der 74-Jährige setzt sich für Nachhaltigkeit ein – zum Beispiel für einen Bauernmarkt.

Erhard Treutner ist mit dem Fahrrad zum Gespräch gekommen, trotz winterlicher Kälte. Ein kleiner, bewusster Beitrag, den der emeritierte Soziologie-Professor an einer Kölner Hochschule leistet, um seinen persönlichen CO2-Ausstoß zu verringern. Denn der 74-Jährige engagiert sich für Nachhaltigkeit – unter anderem als Mitbegründer und Sprecher der Benrather Initiative für Nachhaltigkeit.

Herr Treutner, Sie haben im Berufsleben zur Entwicklung unserer Gesellschaft geforscht und veröffentlicht. Was ist Ihre Motivation, im Ruhestand für eine nachhaltige Gesellschaft aktiv zu werden?

Treutner Weil es mir schwer fällt, die Augen vor Problemen zu verschließen. Wenn man sich umsieht, fällt schon auf, dass mit unserer Gesellschaft einiges im Argen liegt, sowohl auf der Ebene der Politik, als auch im Verhalten vieler Menschen.

Was meinen Sie damit konkret?

Treutner Es gibt zum Umweltschutz zu wenig politischen Konsens und zum Teil zu wenig Erfolge. Für die Industrie wurden Richtlinien geschaffen, die Wirkung gezeigt haben, aber im privaten Verhalten gibt es zu wenig Aufmerksamkeit. Also muss die Bürgerschaft aktiver werden und Impulse in die Politik senden. Wir, also die Benrather Initiative für Nachhaltigkeit, wollen einen Betrag dazu liefern.

Wie kann der aussehen?

Treutner Wir bemühen uns um Vernetzung. Wir wollen Organisationen, die sich für Umweltschutz und Nachhaltigkeit einsetzen, ins Gespräch mit den Bürgern bringen, aber auch mit Schulen, Vereinen und anderen Trägern. Außerdem haben wir den Anstoß dafür gegeben, in Benrath einen Bauernmarkt einzurichten.

Das würde sicherlich viele Menschen vor Ort freuen. Wie konkret sind denn die Planungen?

Treutner Schon ziemlich weit fortgeschritten. Wenn alles so wie geplant weiter geht, hoffen wir, noch in diesem Frühjahr unseren ersten Markttag zu haben. Angedacht ist ein wöchentlicher Termin, freitags am Nachmittag. Es gibt noch Diskussionen über den genauen Standort, aber alle Beteiligten sind sich einige, dass so ein Markt eine schöne Ergänzung im Stadtteil wäre, von der auch die umliegenden Händler profitieren könnten. Und unsere Umwelt natürlich auch.

Inwiefern wäre denn ein Bauernmarkt in Benrath gut für die Umwelt?

Treutner Wenn Sie heute im Supermarkt einen Apfel kaufen, auch im Bio-Supermarkt übrigens, kommt der häufig aus Südamerika oder Neuseeland. Da stecken also lange Transportwege mit großem CO2-Ausstoß drin, auch wenn sich das im Preis nicht niederschlägt. Auf dem Bauernmarkt gibt es kurze Wege vom Erzeuger zum Verbraucher. Ein großer Vorteil, auch wenn es vielleicht ein paar Cent mehr kostet.

Sind die Menschen tatsächlich bereit, für die Umwelt mehr zu bezahlen.

Treutner Einige, ja, und es werden mehr. Das ist keine Frage des Alters oder des Einkommens, sondern eine der Einstellung. Der extreme Sommer, der hinter uns liegt, hat viele Menschen zum Nachdenken gebracht. Immer mehr Menschen nutzen das Fahrrad, immer mehr verzichten auf Flugreisen. Wir lernen, langsam, aber wir lernen.

Und das reicht?

Treutner Nein. Ich habe zwei Enkelkinder, wenn ich an die Welt denke, in der sie später leben werden, muss ich tief durchatmen. Es gibt viele Probleme, die sich zusehends verschärfen. In zehn oder 15 Jahren werden uns viele der heutigen Diskussionen wie Luxus vorkommen. Zukünftig wird die Politik gezwungen sein, mehr Umweltschutz-Regeln für Privatleute zu erlassen, etwa beim Einkauf und beim Verkehr, wenn wir unser Verhalten nicht umstellen. Es könnten auch Anreize für umweltbewusstes Verhalten geschaffen werden. Aber noch ist unsere Gesellschaft auf freiwilliges Engagement angewiesen.

So wie Ihres. Wie wollen Sie mit der Benrather Initiative für Nachhaltigkeit weitermachen?

Treutner Wir stehen noch am Anfang unserer Arbeit. Wir wollen das Thema noch präsenter machen, wir wollen lokalen Initiativen helfen, Netzwerke aufzubauen. Dazu arbeiten wir auch mit der Lokalen Agenda 21 Düsseldorf zusammen, einer Organisation von Politik und Verwaltung, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben hat und in der unsere Initiative ebenfalls vertreten ist. Außerdem sind wir Teil von „Gemeinsam Leben am Schloss Benrath“. Und selbstverständlich suchen wir engagierte Bürger, die zum Wohle der Umwelt arbeiten wollen.

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