Urdenbach: Hobby-Römer trifft auf Nachtschwärmer

Urdenbach : Hobby-Römer trifft auf Nachtschwärmer

Die Biologische Station Haus Bürgel öffnete am Freitagabend zur Museumsnacht im Kreis Mettmann die Türen.

Zuerst erinnerten die klickenden Geräusche ein wenig an das Keckern eines Delfins, dann jedoch begann ein Pfeifen und Klopfen, das wie eine Beatbox klang. Am Stand der Biologischen Station Haus Bürgel konnten die Besucher während der Museumsnacht raten, welche Tiere diese Geräusche ausstoßen. Natürlich verriet Holger Pieren, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Biologischen Station, gerne, dass das Pfeifen und Klopfen vom "Großen Abendsegler" stammt, einer Fledermausart, die derzeit in den Wäldern der Region eine Rast einlegt.

Teils überraschende Einblicke in Natur und Geschichte boten Biologische Station und Römisches Museum Haus Bürgel zur Neanderland-Museumsnacht. Rund 30 Einrichtungen im Kreis Mettmann öffneten am Freitagabend teils bis Mitternacht.

"Der Große Abendsegler fliegt bis zu 1400 Kilometer von Osteuropa bis nach Italien", erzählte Pieren. Wer hätte gedacht, dass diese an Techno-Musik erinnernden Geräusche von Fledermäusen stammen? Auch heimische Eulen stellte die Biologische Station vor. Und mit besonders interessierten Besuchern stieg Pieren sogar in den Turm hinauf, wo ein Schleiereulen-Brutkasten eingerichtet wurde. "Wir haben hier ein Exemplar am Hof", sagte Pieren. Schleiereulen brauchen landwirtschaftliche Höfe, wo sie dann des Nachts auf Mäusejagd gehen. Die Museumsnacht erschien der Biologischen Station auch ein passender Anlass, die Besucher einen ersten Blick auf die ersten Seiten des neuen Buches "Die Vogelwelt von Düsseldorf und Umgebung" werfen zu lassen. Es soll noch im Herbst erscheinen. Im Römischen Museum hatten sich derweil mehr als 20 Besucher eingefunden, die aufmerksam dem Vortrag über die römische Infrastruktur im Hinterland des Niedergermanischen Limes lauschten. Der Archäologe Dieter Hupka erläuterte, dass bereits während der frühen römischen Kaiserzeit neben militärischen Lagern auch Straßen gebaut wurden. Und er schilderte, wie auch Erschließungen von Rohstoffvorkommen durch Steinbrüche wie in der Nordeifel oder am Drachenfels den Ausbau der Infrastruktur begünstigten.

"Wir sind extra zur Führung hergekommen", sagt der Düsseldorfer Andreas Kerbel, der mit seiner Familie da war. Besonders die Kinder freuten sich, auf einen "echten" Römer zu treffen; denn die Führung wurde von einem Hobby-Legionär geleitet. Im Kettenhemd steckte Wolfgang Drees, Mitglied der "Classis Augusta Germanica", der sich mit viel Liebe ehrenamtlich für das Museum engagiert. "Das ist eine tolle Idee", sagte Andreas Kerbel. "Wir waren schon hier im Römischen Museum; aber am Abend, wenn es schon dunkel ist, ist die Atmosphäre ganz besonders."

Um den Besuchern den Weg zurück zur Straße zu erleichtern, wurden Scheinwerfer aufgestellt. Und die Führung ging über den beleuchteten Hof, um die Stolpergefahr bei dem gepflasterten Untergrund zu minimieren. Der Eintritt war zur Museumsnacht frei. "Und das wird sehr gut angenommen", freute sich Luda Liebe vom Römischen Museum. So bot Haus Bürgel ein vielfältiges Programm für große und kleine Nachtschwärmer.

(RP)
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