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Haus Bürgel in Düsseldorf wird Weltkulturerbe

Haus Bürgel in Düsseldorf : Der lange Weg zum Weltkulturerbe

Die Betreiber von Haus Bürgel versprechen sich durch die Ernennung mehr Besucher, müssen jedoch zuerst modernisieren. Im September wird eine Kommission der Unesco die Anlage besuchen und die endgültige Entscheidung fällen.

Vor 1700 Jahren war der Rhein die umkämpfte Grenze zwischen dem Römischen Reich und den Territorien der germanischen Stämme. Um ihre nordöstliche Grenze zu sichern, hatten die Römer ein System aus Wachtürmen, Wällen und Kastellen errichtet: den Limes. Ein Teil dieser Verteidigungsanlage war der Vorläufer des heutigen Haus Bürgel, welches im Mittelalter zu Zons gehörte. Nach einem Rheinhochwasser und einer Verlegung des Flussbettes im 14. Jahrhundert wurde Haus Bürgel eines der wenigen römischen Kastelle am rechtsrheinischen Ufer. Derzeit prüft die Unesco, ob der Limes im ehemaligen Niedergermanien – und damit auch Haus Bürgel – zum Weltkulturerbe erklärt werden soll. In der Anlage in der Urdenbacher Kämpe, vor allem im Römischen Museum, laufen die Vorbereitungen.

Saskia Braun, Geschäftsführerin der Haus Bürgel Betriebs GmbH, erhofft sich durch die Ernennung zum Weltkulturerbe mehr Interesse und mehr Besucher auf der historischen Hofanlage, die auf den Grundmauern des römischen Kastells errichtet ist. Neben der Wertschätzung als Kulturstätte gehe es auch um eine Steigerung des Bekanntheitsgrads. Im Fokus steht dabei das Museum auf Haus Bürgel. Dieses wird in Vorbereitung auf die Ernennung zum Weltkulturerbe modernisiert. Die einzelnen Exponate sollen besser in Szene gesetzt werden, Aspekte wie Besucherführung und Marketing werden überarbeitet. Außerdem wird die Interaktivität der Ausstellung erhöht, es soll unter anderem Gegenstände zum Anfassen geben. Eine der Forderungen der Unesco war, dass neben der Geschichte von Haus Bürgel auch der Kontext des Limes und seine Bedeutung in der Ausstellung stärker herausgearbeitet werden soll.

„Die Planungen dafür schreiten gut voran“, sagt Saskia Braun. Aktuell arbeiten Architekten und die Denkmalschutzbehörde mit den Mitarbeitern von Haus Bürgel zusammen an der Umsetzung. „Ein Ziel ist die Schaffung von Angeboten für eine größere Alters- und Interessenspanne“, so Braun. Im September ist eine Begehung der Anlage durch Vertreter der Unesco geplant, die die Modernisierung bewerten sollen. Wenn alles reibungslos verläuft, soll die offizielle Ernennung zum Weltkulturerbe im Sommer 2021 erfolgen. Urspünglich waren für die Modernisierung des Römischen Museums Kosten von 1,24 Millionen Euro im Gespräch, ob diese Summe realistisch ist, kann Braun noch nicht bestätigen, da die Gesamtplanung noch nicht abgeschlossen ist.

Aber nicht nur das Museum mit seinen Exponaten und dem historischen Kräuter- und Gemüsegarten ist betroffen, auch die anderen Nutzer von Haus Bürgel sind in den Prozess eingebunden. Die Biologische Station und die Kaltblutzucht von Familie Reuter werden ebenfalls mehr Zulauf bekommen. Wichtig sei hier vor allem die klare Abgrenzung, damit Museumsbesucher weder Biologen noch Pferdezüchter bei der Arbeit stören. Auch in der Vergangenheit ist es bereits vorgekommen, dass Gäste beim Erkunden des Hofs in der Privatwohnung von Familie Reuter oder dem Büro von Bio-Stationsleiterin Elke Löbke standen. „Wir sehen die einzigartige Symbiose der drei Partner als Vorteil für Haus Bürgel, den wir weiter fördern wollen“, so Braun. Mit der Ausarbeitung ist derzeit ein Architektenbüro beauftragt.

Eine Veränderung des Angebots ist bereits sichtbar: In diesen Sommerferien findet auf Haus Bürgel zum ersten Mal eine ganze Woche ganztägiges Programm für Kinder statt.