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Glocken der evangelischen Kirche Urdenbach kommen für Ausstellung nach Zürich

Für eine Ausstellung in Zürick : Die Glocken von Heilig Geist gehen auf Reisen

Das Geläut der entwidmeten Kirche wird an das Kunsthaus Zürich verliehen. Gestern wurden die Glocken abmontiert. Nach der Ausstellung werden sie vermutlich an eine süddeutsche Gemeinde verkauft.

Als die mehr als eine Tonne schwere Bronzeglocke den Kirchturm von Heilig Geist herunter gelassen wurde, gab sie ein letztes, leises Läuten von sich. Bei diesem Ton musste Margarete Preis, Presbyterin der Gemeinde, kurz mit den Tränen kämpfen. „Für mich und uns alle ist das ein emotionaler Moment, ein Abschied“, sagt sie. Mit leisem Murmeln stimmen die Mitglieder der evangelischen Gemeinde Urdenbach zu. Sie hatten sich versammelt, um den Abbau der Glocken zu verfolgen.

Im Herbst 2020 wurde die Heilig-Geist-Kirche an der Südallee entwidmet. Im kommenden Sommer sollen Gotteshaus und Gemeindezentrum abgerissen werden, um so einer Wohnsiedlung Platz zu machen. Das Inventar der Kirche wird derzeit veräußert, die Orgel hat in einer Gemeinde in Paris ihre neue Heimat gefunden. Das Geläut wird in der Online-Glockenbörse angeboten.

Dort war es auch, dass der Schweizer Künstler William Forsythe auf die Urdenbacher Glocken aufmerksam wurde. Dieser hat für die Eröffnungsausstellung im Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich die Ausstellung „Entrée“ kreiert, in der er unter anderem mit Kirchenglocken einen begehbaren Klangraum entwirft. Von April bis Mai werden die Glocken in der Schweiz ausgestellt – danach gehen sie vermutlich an eine neue Gemeinde. Eine Kirche aus Süddeutschland hat bereits Interesse angemeldet.

 Küster Michael Winter und Presbyterin Margarete Preis verabschieden sich von der größten Glocke des Urdenbacher Geläuts.
Küster Michael Winter und Presbyterin Margarete Preis verabschieden sich von der größten Glocke des Urdenbacher Geläuts. Foto: RP/Dominik Schneider

Einen fünfstelligen Betrag, das verrät Presbyterin Preis, bekommt die Urdenbacher Gemeinde für ihr Geläut, dazu kommt eine Leihgebühr aus Zürich und auch Abbau sowie Abtransport der Glocken muss die Gemeinde nicht selbst bezahlen. Diese Aufgaben übernahm gestern eine Spezialfirma, die mit der Glockenbörse zusammenarbeitet. Mit einer Winde wurden die drei Glocken – sie sind 1256, 862 und 611 Kilo schwer – aus dem Glockenturm herunter gelassen. Dabei kam es zu einer Verzögerung von fast zwei Stunden, weil die mitgebrachte Ausrüstung für das Gewicht nicht ausreichte. „Es hat uns den Wagen angehoben. Dann haben wir eine zusätzliche Umlenkrolle angebracht und das Gewicht auf diese Weise besser verteilt“, erklärt einer der Arbeiter.

Als die Glocken dann endlich aus dem Turm herunter gelassen und auf einem Anhänger befestigt waren, mussten mehrere der Anwesenden schlucken. Viele von ihnen waren bereits bei der Einweihung 1966 dabei, haben in der Kirche geheiratet und ihre Kinder getauft. „Wir hatten immer ein schönes, aktives Gemeindeleben, dafür bin ich dankbar“, sagt beispielsweise Gemeindemitglied Irmtraud Schmidt. Sie wird sogar das regelmäßige Geläut der Glocken vermissen, das weit in der Wohnsiedlung zu hören war.

Doch die Gemeinde blickt auch nach vorn. „Ich bin froh, dass unsere Glocken in einer anderen Kirche zum Einsatz kommen. Sie sind ja mehr als bloße Stücke Metall“, sagt Margarete Preis. Das evangelische Leben in Urdenbach wird sich in Zukunft mehr in der Dorfkirche konzentrieren. Aber auch auf dem Heilig-Geist-Gelände will die Gemeinde aktiv bleiben, etwa in Zusammenarbeit mit der Diakonie, die dort eine Kindertagesstätte und ein Seniorenzentrum betreibt.

 Ein Bild vom Einbau der Glocken im Jahr 1966.
Ein Bild vom Einbau der Glocken im Jahr 1966. Foto: Evan. Gemeinde Urdenbach

Nicht nur die Urdenbacher Gemeinde, auch die Evangelische Emmaus-Kirchengemeinde leiht fünf Glocken an das Schweizer Kunstprojekt aus. Die Glocken stammen von der Thomaskirche in Mörsenbroich, die bereits entwidmet wurde und später abgerissen werden soll. Am Donnerstag werden die zwischen 147 und 583 Kilogramm schweren Glocken demontiert. Nach der Ausstellung werden auch sie verkauft, damit wurde bereits ein Makler beauftragt. Wer das Glockengeläut noch einmal erleben will, hat auf Youtube dazu Gelegenheit. Unter den Stichwörtern Thomaskirche Mörsenbroich Geläutepräsentation erklingt das fünfstimmige Läuten.