Geologe Harald Frater erklärt die Geschichte des Rheingerölls

Urdenbach : Die Steine im Rhein und ihre Geschichte

Mit dem Niedrigwasser wird der Blick frei auf noch mehr Rheingeröll als sonst. Der Geologe Harald Frater erklärt, welche Steine es gibt und woher sie kommen. Die Biologische Station hat dazu einen Flyer herausgegeben.

Wer hat nicht schon einmal Steine springen lassen auf dem Rhein? Man sucht dann gerne nach solchen, die schön flach sind, dass sie gut in der Hand liegen und über das Wasser hüpfen. Mit diesem suchenden Blick auf die unzähligen Steine am Ufer fällt auf, wie unterschiedlich sie sind. Aber für unsereins sind es eben alles nur Steine. Das ist bei Harald Frater anders. Für den 55-jährigen Geologen erzählt jeder Stein eine Geschichte. Er weiß, um welche Art des Gesteins es sich handelt und woher es kommen könnte.

Doch um das zu erklären, muss er erst einmal ein bisschen ausholen. Über eine Million Jahre. So weit zurück datieren die Geologen die älteste und damit die höchst gelegene Flussterrasse in Düsseldorf, auch Hochterrasse genannt. Dass im Grafenberger Wald auf den höchsten Punkten und auch auf dem Gelände des Golfclubs Hubbelrath einmal der Rhein sein Bett hatte, davon zeugt heute noch das Rheingeröll, das dort zu finden ist. Später verlagerte sich das Flussbett auf eine Mittelterrasse – Reste davon finden sich auf dem Höhenniveau von Gerresheim. Das ist heutzutage, wo der Fluss innerhalb der Niederterrasse sein Bett geschaffen hat, nur noch schwer vorstellbar.

Weil das Geröll im Grafenberger Wald schon so lange liegt, erklärt Frater, sind dort nur noch die härtesten Steine zu finden, die weicheren sind verwittert. Die härtesten sind die Quarze und die Quarzite. Am Rheinufer in Urdenbach findet man sie ebenfalls häufig – auch strahlend weiße. Neben dieser reinen Form gibt es andere Färbungen, die durch Mineralbeimengungen entstehen. „Sie kommen aus der Eifel, dem Sauerland, Taunus oder Hunsrück“, sagt Frater über die Herkunft der Quarze. Noch häufiger sind Quarzite, mineralisierte Sandsteine. Einige weisen einen helleren Streifen auf, der aus Quarz besteht.

Wer einen sehr glatten schwarzen Stein findet, hat sicherlich einen Kieselschiefer in der Hand. „Sie enthalten auch organisches Material, wie die Skelette von kleinen Strahlentierchen“, erklärt Frater. Bei grauen Steinen mit weißen Flecken handelt es sich um Feuersteine, die es häufig an der Ostsee gibt. Sie erkennt man am schwefeligen Geruch, wenn man sie aneinander schlägt. „Sie kommen aus den Ardennen, aus dem Bereich Limburg und dem Westerwald.“

Andere Fundstücke vom Urdenbacher Ufer schimmern ein wenig golden. Möglicherweise Spuren von Gold? Frater lacht und betrachtet den flächigen Stein. Fehlanzeige. Muskovit nennen die Geologen ihn, auch Katzensilber genannt. Wer sich auf die Suche nach Gold machen möchte, muss an den Oberrhein gehen. Über alte Goldadern aus den Alpen finden sich geringe Spuren des Edelmetalls im Fluss. „Mit ganz ganz viel Glück“, sagt Frater, könne man sie finden.

Dann identifiziert er unter den Fundstücken einen Eisenkiesel - gut durch die rote Färbung zu erkennen. Ein rosa-grau-melierter ordnet er einen Granit zu. Das ist ein Vulkangestein, der aus Feldspat, Quarz und Glimmer besteht. Schließlich befindet sich noch ein gelblich bräunlicher Hornstein unter den Funden.

All diese Steine kommen aus den Gebirgen, entlang denen der Rhein und seine Nebenarme fließen. Durch Erosionsprozesse – Wind und Wetter, Sprengung durch Frost – haben sie sich gelöst. „Die Gebirge schrumpfen“, sagt Frater. Allerdings nur in einem Umfang von Millimetern. Dass sie nicht kleiner werden, dafür ist gesorgt, durch Verschiebungen der Erdplatten: Die afrikanische stößt gegen die europäische Platte. Dabei werden die Gebirge angehoben.