Fotodokumentation erinnert an Ausstellung im Kobi vor 50 Jahren

Kunst in der Schule : Uecker ist zurück am Kobi

Vor 50 Jahren zeigten Düsseldorfer Künstler am Kobi ihre Werke. Eine Fotodokumentation erinnert nun an die Gymnasia von 1969.

Zur Eröffnung der Fotodokumentation Gymnasia drängten sich Menschen in T-Shirts und Shorts, Hemden und dunklen Anzügen im Foyer des Neubaus des Gymnasiums Koblenzer Straße. Schüler, Lehrer, Stadtpolitiker und Künstler waren gekommen, um an die revolutionäre Ausstellung zu erinnern, die an dieser Schule vor genau 50 Jahren stattgefunden hat. Die großen Namen der Kunst hatten damals ihre abstrakten Werke im Keller des Gymnasiums gezeigt, mit dabei waren Günther Uecker, Gerhard Richter, Joseph Beuys und viele andere, die heute nicht nur in Fachkreisen bekannt sind.

Per Beamer wird zur Eröffnung ein Beitrag des WDR von 1969 an die Wand projiziert. Darauf ist der Künstler Günther Uecker zu sehen, er trägt eine Lederjacke und diskutiert mit Schülern über die abstrakten Kunstwerke. Die jungen Menschen sehen den Künstler dabei zum Teil recht verständnislos an. „Ich verstehe nicht, was das ganze soll“, sagt ein Junge, als Uecker über den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Quadrat referiert.

Heute, 50 Jahre nach Entstehen dieser Aufnahmen, ist Uecker zurück am Kobi, um die Fotodokumentation zu eröffnen, die mit etwa 20 Bildern an den Wänden des Neubaus die Werke zeigt, die damals ausgestellt wurden: Beuys’ berühmte Badewanne, die Nagelkunst von Uecker oder verschiedene Werke von Gerhard Richter. Der Künstler blickt gern zurück auf diese Zeit: „Es war damals genauso wichtig wie heute, dass die Künstler ihre Ateliers verlassen und ihre Kunst den Menschen zur Diskussion präsentieren“, sagt der 89-jährige.

Ebenfalls anwesend ist einer der Schüler von damals: Michael Breer, Initiator der ursprünglichen Gymnasia. Er hatte Uecker bei einem Interview für die Schülerzeitung kennen gelernt und gemeinsam mit ihm die Idee für eine Ausstellung moderner Kunst in der Schule entwickelt. „Es war eine typische Idee der späten 1960er Jahre“, sagt Breer. Sowohl die Schüler als auch die Lehrer seien bereit gewesen, neue Ideen zuzulassen.

Der Kontakt zu den Schülern war auch für die Künstler eine Bereicherung: „Ich habe damals erfahren, in welch engen Bahnen die Kunst häufig in den Schulen behandelt wird, und wie dies das Verständnis prägt“, sagt Uecker. Auch Schulleiter Peter Labouvie ist stolz, wenn es an das bedeutende Ereignis denkt, zu dessen Zeitpunkt die Schule gerade einmal zwei Jahre Bestand hatte. „Die Gymnasia ist Teil des Gündungsmythos des Kobi, und die Protagonisten von damals haben dazu beigetragen, den Charakter unserer Schule zu formen“, sagt Labouvie.

Die Fotodokumentation, so die Hoffnung des Schulleiters, soll nun dazu beitragen, diesen Charakter auch für die heutigen Schüler des Kobi zu bewahren.

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