Kommentar: Einfluss von Politik und Stadt begrenzt

Kommentar : Einfluss von Politik und Stadt begrenzt

Ein Verkäufer erzählte letztens, wie er sich bei Kunden verhält, die bei ihm augenscheinlich im Geschäft nur anprobieren wollen und das Gesuchte dann im Internet bestellen, weil es da ein paar Euro preiswerter ist.

"Ich gebe eine andere Größe an, als sie tatsächlich anhatten." Keine feine Art. Doch welche Möglichkeit bleibt einem Händler bei solch einer Form von Beratungsklau? Wer als Kunde weiterhin von Fachpersonal beraten werden will, sollte einkaufen, wo ihm das geboten wird. Wenn die Laufschuhe den Bedürfnissen entsprechen, sind ein paar Euro mehr gut ausgegebenes Geld. Und man muss nicht auf ein Paket warten, das beim Nachbarn abgegeben wurde, der jetzt erstmal im Urlaub ist.

Gleiches gilt für den Kauf von Lebensmitteln. Wer mit dem Auto beim Discounter vorfährt und sich den Kofferraum volllädt, darf sich nicht wundern, wenn immer mehr kleinere Geschäfte dicht machen. Um noch fünf Cent beim Liter Milch rauszuholen, fahren wir kilometerweit. So lange wir noch Auto fahren können. Geht das nicht mehr, würden wir uns wünschen, den kleinen Tante-Emma-Laden von nebenan durch eigene Einkäufe mit am Leben gehalten zu haben.

Verwaltung und Politik haben das Kaufverhalten der Menschen nicht in der Hand. Was sie allerdings können, sind Rahmenbedingungen schaffen. Das fängt damit an, Gebühren für eine Verkaufsfläche, die im Öffentlichen Raum liegt, nach der Lage des Versorgungszentrums zu staffeln. Derzeit gilt in ganz Düsseldorf ein Einheitspreis - egal ob auf der Kö oder im Corelli-Viertel. Eine Abstufung der Gebühren könnte sich bei dem in den Gremien diskutierten neuen Rahmenplan Nahversorgung doch umsetzen lassen.

Für das kleine Einkaufszentrum in Urdenbach heißt eines der Planungsziele: "Wiederherstellung der Attraktivität." Dazu gehört es dann aber auch, das Areal so zu gestalten, dass sich die Menschen dort gerne aufhalten. Das wiederum könnte neue Ladenmieter anziehen. Das einstmals lebendige kleine Nahversorgungszentrum kämpft ums Überleben. Jetzt schließt auch bald der Blumenladen, weil Barbara Kaders keine Floristin findet. Die Chefin muss ihr Geld auf zwei Wochenmärkten verdienen. Gutes Personal kann ihr aber leider weder Politik noch Verwaltung besorgen. Doch das ist ein anderes Thema. andrea.roehrig@rheinische-post.de

(RP)