Düsseldorf-Urdenbach: Eine Schale, die einst die Römer nutzten

Serie „Mein Lieblingsstück“ : Eine Schale, die einst die Römer nutzten

In der Reihe „Mein Lieblingsstück“ stellt Heike Rieger von Haus Bürgel eine Kragenschale aus dem Römischen Museum vor.

Eine „Kragenschale“ hat Heike Rieger, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Betriebsgesellschaft von Haus Bürgel, als Lieblingsobjekt ins Visier genommen. Das kostbare Original überdauerte die Jahrhunderte – natürlich mit Schrammen und Löchern. Nun hat die Keramikschale als Zeugnis vergangener Epochen ihren Platz in einer Glasvitrine des Römischen Museums Haus Bürgel. „Die Römer haben es sich hier im Rheinland gut gehen lassen und dazu gehörten ihre Bäder“, erzählt die Tourismus-Managerin. Und rückt dann die handtellergroße Schale in den Blick: „Ich kann mir gut vorstellen, dass sie sich im Bad in dieser schwimmenden Schüssel Oliven oder Trauben reichen ließen.“ Tatsächlich ist der Kragen der Schale nach außen gestülpt, dadurch bildet sich rundherum ein Hohlraum. „Der gibt Auftrieb und die Schale lässt sich gut greifen“, erklärt Heike Rieger. Selbstredend habe sie die Schwimmfunktion ausprobiert. „Ich war so neugierig“, bekennt sie amüsiert.

Das historische Exemplar besteht aus einem Material, das als Terra Sigillata bezeichnet wurde. Die Römer verwandten es ab dem 1. Jahrhundert nach Christus für ihr Tafelgeschirr. „Das war aber etwas für Wohlhabende“, betont Rieger. Die Schwimm-Schale sei in den 1990er Jahren außerhalb des ursprünglichen Kastells ausgegraben worden – beim ehemaligen Osttor. Sie stamme etwa aus dem 2. Jahrhundert nach Christus.

Die 47-Jährige hält ein auf den ersten Blick identisches, jedoch unbeschädigtes Exemplar in ihrer Hand – einen Nachbau. Heike Riegers Faszination geht über den reinen Nutzen des Gegenstandes hinaus. Das Engagement experimenteller Archäologen sei zum Verständnis des historischen Alltags großartig, begeistert sie sich. „Auch Mitglieder unseres Fördervereins beschäftigen sich mit dem Nachbau von Waffen, Kleidern und anderen Gegenständen“, erklärt die Tourismus-Managerin. Es gebe nicht für alles wissenschaftliche Quellen. Deshalb suchten experimentelle Archäologen nach originalgetreuen Materialien und probierten deren Gebrauch. Die neue Schale hat Wolfgang Drees vom Vorstand des Fördervereins anfertigen lassen.