1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf
  4. Stadtteile
  5. Urdenbach

Düsseldorf-Urdenbach: Bürgerverein ABVU feiert 100-jähriges Bestehen​

Festakt zum Urdenbacher Jubiläum ist am 14. August : Bürgerverein feiert 100-jähriges Bestehen

Mehrere Männer aus Urdenbach gründeten am 1. Juli 1922 den ABVU. Der Hochwasserschutz stand bis zum Deichbau an erster Stelle. Heute geht es um andere Themen; und es wird zusammen gefeiert, wie das über die Stadtgrenze hinaus bekannte Erntedankfest.

Es soll etwas ganz Besonderes werden. Etwas Feierliches, Edles, eben kein Fest wie jedes andere. Denn fürs Feiern ist der Allgemeine Bürgerverein Urdenbach (ABVU) bekannt. Aber dieses Mal soll es ganz anders sein. „Man wird ja nicht jedes Jahr Hundert“, sagt die ABVU-Vorsitzende Brigitte Schneider. Und ihr Vize Torsten Winter nickt zustimmend.

Die beiden haben die Organisation des Jubiläums zusammen mit zahlreichen Helfern abgeschlossen. Der Festakt steht, aber allzu viel wollen die Vorsitzende und ihr Vize nicht verraten. Es soll schließlich für die geladenen Gäste auch Überraschungen geben. Fest steht der Termin: Sonntag, 14. August.

Der Veranstaltungsort ist wie (fast) immer der Platz am Piels Loch, und zwar das große Festzelt. Einlass ist um 10 Uhr, der Festakt beginnt um 11 Uhr. Oberbürgermeister Stephan Keller hat angekündigt, die Festrede zu halten, und auch Brigitte Schneider wird sprechen. „Alles ist dieses mal ein bisschen anders“, sagt Winter. Dass der ABVU feiern kann, beweist er seit Jahrzehnten. Denn der größte Heimatverein im Düsseldorfer Süden mit rund 1000 Mitgliedern ist unter anderem bekannt für sein großes Erntedankfest am ersten Oktoberwochenende. Dafür laufen bereits die Vorbereitungen.

 Torsten Winter und Brigitte Schneider, die kürzlich an die Spitze des ABVU wiedergewählt wurden, sind ein eingespieltes Team.
Torsten Winter und Brigitte Schneider, die kürzlich an die Spitze des ABVU wiedergewählt wurden, sind ein eingespieltes Team. Foto: Georg Salzburg (salz)
  • An der Brücke der Orangerie in
    Aktion für den guten Zweck im Schlossgraben : Harte Positionskämpfe bei Entenrennen
  • Das Noithausener Königspaar Torsten und Natascha
    Brauchtum in Grevenbroich : Noithausener feiern mit Torsten und Natascha Hilgers
  • Gute Bedingungen: Bei 25 Grad zog
    Brauchtum in Neuss : Weckhoven hat das Schützenfest-Feiern nicht verlernt
  • Das Königspaar Torsten und Natascha Hilgers
    Schützenfest in Noithausen : Schützen feiern „grandioses“ 101-Jähriges
  • Zwölf Gastvereine spielten zu Ehren des
    100 Jahre für St. Martin und Schützenfeste : Vinkrath feiert sein Trommlercorps „Einigkeit“
  • Renate Rönnau  arbeitet regelmäßig im Zentrum
    Generation 55plus : Darum will Düsseldorf stärker auf Senioren zugehen

Zuvor gibt es im angemieteten Festzelt zwei Veranstaltungen. Erstmals geht der beliebte Töpfermarkt über zwei Tage (6. und 7. August), und am Abend vor dem offiziellen Festakt steigt im Festzelt ein Bayerischer Abend. „Auch wir müssen rechnen“, sagt Schneider, deshalb hat der Verein das Festzelt für eine Woche angemietet, um Kosten für Auf- und Abbau zu sparen.

Der 14. August ist aber nicht das eigentliche Gründungsdatum des ABVU. Die Gründungsversammlung fand am 1. Juli 1922 statt. „Aber da im Juli Sommerferien sind, haben wir uns entschlossen, den Festakt erst im August zu feiern“, erklärt Schneider. Um warum hat sich der Urdenbacher Verein vor hundert Jahren gegründet? Torsten Winter erklärt es erstmal salopp: „Weil die Herren von damals sich ein wenig von Benrath absetzen wollten, um ihre eigenen Interessen zu vertreten.“ Zu diesem Zeitpunkt ahnte keiner, dass sieben Jahre später – unter großem Protest und heftigem Widerstand – Groß-Benrath bei der Neugliederung der Regierungsbezirke nach Düsseldorf eingemeindet wurde. Urdenbach sah sich schon damals als eigenständiges Dorf, so wie heute. Alteingesessene Urdenbacher fühlen sich in erster Linie als Urdenbacher, und erst danach als Düsseldorfer.

So war es 1922, als Bevölkerungszahl und Besiedelung stetig zunahmen. Kommunale Anliegen wie der fehlende Hochwasserschutz gewannen an Bedeutung. Deshalb gründeten einige Urdenbacher Bürger einen Verein, um die Entwicklung des Ortes beeinflussen und mitgestalten zu können. Die Mitglieder wollten positiv auf die Entwicklung ihres Dorfes einwirken, und das tun sie noch heute.

 Landeskirchen-Pressefotograf Hans Lachmann war 1950 beim Erntedankfest in Urdenbach unterwegs.
Landeskirchen-Pressefotograf Hans Lachmann war 1950 beim Erntedankfest in Urdenbach unterwegs. Foto: Lachmann, Hans

„Der Allgemeine Bürgerverein Urdenbach erstrebt den festen Zusammenschluss der Urdenbacher Einwohnerschaft und das Gemeinwohl durch Wohlfahrtspflege, durch Abstellung von Übelständen und durch Einführung beziehungsweise Verbesserung kommunaler Einrichtungen unter Mitwirkung der Gemeindevertreter aller Parteien zu fördern. Zugleich ist der Verein bemüht, die landschaftliche Eigenart seiner engeren Heimat zu erhalten und zu ihrer Verschönerung beizutragen.“ So heißt es in der Satzung.

Zu den ersten Aktivitäten zählte die Mobilisierung der Behörden in Bezug auf ein Deichschutzprogramm. Trotzdem konnte nicht verhindert werden, dass im Jahre 1926 das gesamte Dorf noch einmal von einem katastrophalen Hochwasser überflutet wurde. Man spricht von einem Jahrhunderthochwasser zum Jahreswechsel 1926.

In einer Chronik berichtet Jakob Kaymer, damals Eigentümer der Gaststätte „Zum Ausleger“, der heute noch in Familienbesitz ist: „Was wir ausgestanden haben, lässt sich mit Worten nicht wiedergeben. Das Wasser stand einen Meter hoch im Haus, dazu der rasende Sturm, der die sich aufbäumenden Wogen des wild gewordenen Stroms immerfort unter furchtbarem Getöse gegen die Wände warf und das Haus erzittern ließ.“ Die Familie Kaymer, so hieß es damals im Benrather Tageblatt, habe sich auf den Speicher zurückgezogen. An ein Übersetzen mit dem Boot war bei der hohen Sturmflut nicht zu denken – „abgeschnitten von aller Welt“, wie Kaymer damals berichtete. Ein Warnsignal, schließlich begannen 1927 die Arbeiten des Dammbauprojektes.

Der ABVU war und ist aber weiterhin aktiv. Alles aufzuzählen, würde Seiten füllen: Deshalb nur einige Beispiele wie in Corona-Zeiten das Hilfsangebot, für Ältere einzukaufen. Oder die Reinigung der Urdenbacher Kämpe, die es seit 35 Jahren gibt – wesentlich länger als die Aufräumaktion des „Dreck-weg-Tags“. Der ABVU, besonders aktiv dabei Torsten Winter, setzte sich dafür ein, den ehemaligen Oberbürgermeister und langjährigen ABVU-Vorsitzenden Josef Kürten mit einem eigenen Platz zu ehren. Die Einrichtung einer Geschäftsstelle mit Archiv in der alten Schule an der Angerstraße 5 gehört zu den jüngsten Errungenschaften des Vereins.

Es gibt zahlreiche Veranstaltungen im Jahr, die fest im Kalender stehen. Aber eine Veranstaltung überragt alle: Das Erntedankfest. Dafür kommen selbst Urdenbacher, die es ins Ausland verschlagen hat, zurück ins Dorf – sei es aus Skandinavien, Südafrika oder den USA.

Die beiden Vorsitzenden des Allgemeinen Bürgervereins Urdenbach freuen sich, dass nach zwei Jahren Pandemie vom 30. September bis 3. Oktober das Erntedankfest wieder stattfindet. Einer der Höhepunkte, neben dem traditionellen Festzug, den es seit 90 Jahren gibt, dürfte der Auftritt der „Höhner“ am Samstagabend im Festzelt sein.