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Düsseldorf: In Urdenbach wird Erntedankfest gefeiert

Urdenbacher Erntedankfest : Fünf Jahrzehnte Blotschenkönigspaare

Sie alle feiern in diesem Jahr ein Jubiläum: Elisabeth Odendahl, Brigitte und Josef Schneider sowie Melanie und Markus Beine.

Als Elisabeth Odendahl mit ihrem Mann Heinrich im Oktober 1969 auf den Blotschenball des Erntedankfestes vom Allgemeinen Bürgerverein Urdenbach (ABVU) geht, ahnt die damals 31-Jährige nicht, dass sie noch am gleichen Nachmittag das Krönchen für die allererste Urdenbacher Blotschenkönigin aufsetzen wird. Sie und ihr Mann ertanzen sich auf dem Parkett das Privileg, ein Jahr lang den Stadtteil zu repräsentieren. Das war noch die Zeit, als sich zwischen 15 und 20 Paare dem Wettbewerb stellten, inzwischen sind es vier bis fünf.

„Ich besaß damals noch gar keine Holzschuhe“, sagt die heute 87-Jährige. Die lieh ihr kurzerhand Maria Kürten, die Ehefrau des verstorbenen Oberbürgermeisters Josef Kürten. „Sie sagte: ‚Wie, Du tanzt nicht mit? Das gibt’s nicht.’ Dann musste ich meine Schuhe ausziehen und schlüpfte in Monikas Strümpfe und Schuhe und mein Mann und ich tanzten los“, erzählt Elisabeth Odendahl, die mit ihrem verstorbenen Heinrich der Erntedankgruppe Alde Odebacher Jongs angehört. Kurz danach kaufte sie sich ihre ersten eigenen Holzblotschen und gab die geliehenen Klompen, in denen jeweils eine Tafel Schokolade als Dank steckte, und die natürlich frisch gewaschenen Socken zurück.

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Wenn es die Gesundheit mitmacht, ist die 87-jährige Witwe, die eigentlich ein Mädchen aus Holthausen ist, auch heute noch bei der einen oder anderen Feierlichkeit beim Erntedankfest dabei. Vor allem die Treffen der Blotschenköniginnen aus den vergangenen 50 Jahre versucht sie, sich nie entgehen zu lassen. Zu diesem erlauchten Kreis gehört auch Brigitte Schneider, die seit April diesen Jahres Vorsitzende des Urdenbacher Heimatvereins ist.

Mit ihrem Mann Josef ertanzte sie sich vor genau 25 Jahren die Königswürde. Neun Anläufe waren dafür nötig. „Ich habe damals zu meinem Mann gesagt, lass es uns noch ein letztes Mal versuchen“, erzählt Brigitte Schneider. Die Jury ließ sich von den Tanzkünsten des Paares überzeugen. Damals wie heute lässt es sich Roland Brüggen mit seiner Partyband nicht nehmen, die Teilnehmer an diesem besonderen Tanzwettbewerb vor kniffelige Aufgaben zu stellen. „Oder haben Sie schon mal Rock’n’Roll in Blotschen getanzt?“, fragt Josef Schneider mit einem Grinsen im Gesicht.

In diesem Jahr gewonnen und damit die Ehre, den ABVU und den Stadtteil als 50. Blotschenpaar zu repräsentieren, haben Melanie und Markus Beine inne. Ihre Amtszeit geht noch bis Montagnachmittag. Denn dann warten schon die neuen Anwärter auf ihren Auftritt im Festzelt. Vier Paare haben schon ihre Ambitionen angekündigt; manchmal, so Brigitte Schneider, gebe es aber auch noch spontane Meldungen. Melanie Beine lacht. „Das wird dann oft noch am Abend vorher beim Feiern bei dem einen oder anderen Gläschen Ouzu besprochen.“

Bei ihr war es nämlich so. „Mein Mann konnte sich schon länger vorstellen, dass wir versuchen, die Königswürde zu ertanzen.“ Doch sie habe immer kategorisch abgelehnt, bis dann der Anisschnaps in trauter Runde in ihrer Erntedankgruppe Schlossparksiedlung sie zu der unvorsichtigen Äußerung verleitete: „Okay, wir machen es. Und einmal gesagt, wird nicht wieder zurückgenommen“, sagt Beine. Auch bei den beiden klappte es nicht im ersten Anlauf. Im Nachhinein weiß die Tagesmutter gar nicht mehr, warum sie sich so lange geziert hat. Genossen haben sie es, ein Jahr lang im Mittelpunkt zu stehen. „Nach unserer Wahl kam ich in der ersten Zeit aus dem Grüßen gar nicht mehr raus“, berichtet Melanie Beine.

Alle fünf gekrönten Häupter schwärmen von der Gemeinschaft und dem Zusammenhalt der Blotschenpaare. Doch natürlich ist das Amt auch mit Verpflichtungen verbunden. So wird es gerne gesehen, wenn sich das Urdenbacher Blotschenkönigspaar bei den Blotschenbällen der Schützenvereine aus dem Düsseldorfer Süden sehen lässt. Erstmalig haben die Könige auch gemeinsam etwas unternommen. Ihre Frauen sind da reger. In der Bäckerei Puppe haben sich die Herren der Schöpfung ihre Traumfrauen gebacken – dabei haben sie die ja immer schon an ihrer Seite.

Wer übrigens einmal Blotschenkönigspaar geworden ist, darf nicht noch mal antreten. Noch längst nicht jede der über 40 Erntedankgruppen ist schon zum Zuge gekommen.

Gibt es von den Profis Tipps, wie man es garantiert wird? Engagement beim Tanzen zeigen, sagt Josef Schneider. Und ganz wichtig: „Bloß nicht schon Essen und Getränke für den Fall der Fälle organisieren“, erzählt Melanie Beine. Wer das macht, der wird’s nämlich ganz gewiss nicht. Nach der Wahl am Montagnachmittag noch auf die Schnelle etwas zur Beköstigung aller zu besorgen, das sei heute doch kein Problem mehr, sagt Vize-ABVU-Chef Torsten Winter, der mit seiner Frau auch schon mal Blotschenkönig war. Er macht im nächsten Jahr die 25 Jahre voll.

In einer früheren Version haben wir das falsche Ehepaar Kürten genannt. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.