Fahrbares Gotteshaus : Eine Kirche für unterwegs

Die Urdenbacher Gemeinde besitzt ein mobiles Gotteshaus. Andere Gemeinden können es für Feste, Taufen und Hochzeiten ausleihen.

Etwas abseits steht ein einachsiger Anhänger auf dem Parkplatz des Gemeindehauses der evangelischen Kirche in Urdenbach. Die Wände sind beklebt und zeigen die vier Seiten einer Kirche – der Urdenbacher Dorfkirche, die nur wenige Hundert Meter entfernt steht.

„Im Grunde haben wir hier eine vollständig funktionsfähige Kirche“, sagt Pfarrer Matthias Köhler und tätschelt den Anhänger. Denn darin, so der Geistliche, befinde sich alles, was man für einen Gottesdienst braucht: Bänke, ein kleiner Altar, eine Glocke, Gitarren, ein Keyboard und sogar Messgeschirr und Taufbesteck. Die mobile Kirche der Urdenbacher Gemeinde kann überall eingesetzt werden, wo Menschen Gottesdienst feiern wollen.

„Die Idee stammt aus dem Süddeutschen, wir haben sie jedoch optimiert und angepasst“, sagt Köhler. Wenn er von „wir“ redet, meint er damit die Kirchenbaugruppe, einen Zusammenschluss ehrenamtlicher Gemeindemitglieder, die sich um das fahrbare Gotteshaus kümmern. 12.000 Euro standen für das Projekt aus dem Innovationsfond der Kreissynode zur Verfügung, drei Jahre Planung stecken in der fertigen mobilen Kirche. Ein Aufwand, der sich gelohnt hat, da ist sich Pfarrer Köhler sicher. „Es gehen immer weniger Menschen in die Kirche“, sagt der Geistliche nüchtern, „aber wir haben mit dieser Kirche die Möglichkeit, zu den Menschen zu gehen.“ Er erzählt, dass Gottesdienste unter freiem Himmel dazu beitragen, die Institution Kirche zu öffnen.

„Unser Anhänger sieht aufgebaut täuschend echt aus und wurde schon oft mit einer stationären Kapelle verwechselt“, sagt Köhler, der auf diese Weise auch mit Menschen ins Gespräch kommt, die sonst wenig mit dem Glauben zu tun haben  – etwa bei den Open-Air-Gottesdiensten, die die Gemeinde aus dem Düsseldorfer Süden an ausgewählten Standorten feiert, beispielsweise im Park des Benrather Schlosses oder auf den Wiesen vor Haus Bürgel, wo zu Pfingsten 120 Gläubige vor dem Anhänger beteten. Auch im Erntedank-Umzug ist die mobile Kirche ein fester Bestandteil. „Da wollten wir uns ein neues Konzept überlegen, aber die Beteiligten haben darauf bestanden, dass die Kirche dabei ist“, sagt Köhler stolz.

Für solche Veranstaltungen ist das Kirchenbau-Team damit beschäftigt, den Anhänger in Schuss zu halten. „Der nächste Termin zum Säubern steht schon fest“, sagt Köhler und blickt kritisch auf den Grünspan an den Schutzblechen und ein wenig Vogelkot auf dem Dach.

Trotz dieser Einsätze steht der Anhänger einen Großteil der Zeit auf dem Parkplatz des Gemeindehauses. Das finden Matthias Köhler und das Kirchenbauteam schade. „Wir sind gerne bereit, die Kirche auch an andere Gemeinden zu verleihen, um mit ihr feiern zu können“, so der Geistliche. Er könne sich beispielsweise vorstellen, dass in anderen Stadtteilen ebenfalls Open-Air-Gottesdienste mit der mobilen Kapelle stattfinden. „Auch für Taufen oder Hochzeiten kann der Anhänger benutzt werden, und wir würden uns freuen, wenn es mehr Anfragen gäbe“, sagt Köhler. Wer Interesse hat, den Anhänger für einen Gottesdienst im Freien auszuleihen, kann dies mit seiner jeweiligen Gemeinde besprechen, die dann auf Pfarrer Köhler zugehen kann.

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