Urdenbach : Die Geschichte des Menschenfischers Petrus

Andreas Riebartsch hat das Leben des Apostels in moderne Texte und Musik gefasst. Am Ende gab’s viel Beifall für die Aufführung.

Prall gefüllt ist die Herz-Jesu-Kirche in Urdenbach, leises Raunen ist zu hören. Alle sind gespannt auf das Ereignis: Uraufführung einer Novelle über Petrus mit Sprechern, Chor, Band und farbigen Lichteffekten.

Andreas Riebartsch, Gründer und langjähriger Leiter des Singkreis Neues Lied in Urdenbach, hat seine vor Jahren entwickelten Gedanken in die Tat umgesetzt und das Leben des Apostels Petrus in Text und Musik gefasst. Musikalisch hat er dabei eine Formensprache gewählt, die ganz auf seinen Chor zugeschnitten ist. 24 Songs hat Riebartsch für die Sängerinnen und Sänger vertont.

Einer Band kommt die Aufgabe zu, die Texte passend vorzubereiten, zu untermalen oder zu verdeutlichen. In jedem Fall aber hat sie rhythmisch besondere Akzente zu setzen, bei denen die musikantische Spielfreude der Akteure deutlich hörbar wird. Besetzt sind Saxofon (Norbert Hambloch), Klarinette (Olaf Methner), Querflöte (Carolin Müller), Cello (Birgit Möser), Keyboards (Bernhard Berschick), Percussion (Wolfgang Sassin), Schlagzeug (Martin Sassin), Bassgitarre (Peter Lauer) und E-Gitarre (Stefan Winterfeld). Riebartsch dosiert den Instrumenteneinsatz klug, lässt dezentere Texte zum Beispiel mit Orgel-, Cello-, Flöten- und Klarinettenklängen begleiten. Da, wo Signalwirkung gebraucht wird, haben Saxofon, Gitarren und Rhythmusgruppe ihre prägnanten Einsätze.

Dramaturgisch bietet der Texter und Komponist den Hörern eine Szene besonderer Art. Nach der muskalischen Ouvertüre der Band und der mehrfach gestellten Frage des Chores „Petrus, wer bist du?“ wird die zu erzählende Geschichte aufgeteilt. Eine Vorleserin (Beate Butsch) erzählt den Handlungsstrang, ein Anwalt (Joachim Gierling) macht Petrus (Hans Joachim Schroeter) klar, dass er keine Chancen sieht, dem Haftbefehl und wahrscheinlichem Todesurteil Kaiser Neros zu entkommen. Von da aus beginnt die Rückschau auf die Lebensstationen des am See Genezareth geborenen Fischers Simon, Sohn des Jona. Jesus (Pastor Kirsch und Diakon Speckamp) formt den einfachen Fischer allmählich zu dem starken Fels, auf den er seine Kirche bauen will.

Zur Dramaturgie gehört auch eine effektive Lichtführung (Marcel Seidel), durch die jeweils die aktiv Handelnden hervorgehoben werden und so die Aufmerksamkeit der Zuhörer immer auf das Wichtigste lenken. Bei der Uraufführung in der Herz-Jesu-Kirche musste der halligen Akustik Rechnung getragen werden durch zahlreiche Mikrofone und Mischpult (Armin Mieth).

Ist das Werk von Andreas Riebartsch nun wirklich eine Novelle? Oder ist es ein modernes Oratorium? Ist es gar ein geistliches Musical? Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, denn die Petrus-Novelle enthält in den 24 Vertonungen auch solche, die Ohrwurm-Eigenschaften haben. Am Ende gibt es viel Beifall fürs Werk, die abendfüllende Performance und als Zugabe eine komprimierte Kurzfassung.