Düsseldorf-Süd : Der Herr der Vinyl-Platten

Die Schallplattenbörse im Bürgerhaus Reisholz ist ein Treffpunkt für Plattenliebhaber und Sammler. Der Urdenbacher Udo Lampenscherf verkauft dort regelmäßig Teile seiner umfangreichen Sammlung.

In der Garage stehen schon die Kisten bereit. Dort hinein hat Udo Lampenscherf gepackt, was er auf der nächsten Reisholzer Plattenbörse verkaufen will. Scheiben, die er über hat, wie er sagt. Platten, von denen er sich trennen kann. Die Reisholzer Plattenbörse mag der Urdenbacher. Sie sei familiär, nicht so hektisch wie die größeren Börsen, es gebe keine oder kaum Profis. Nur echte Plattenliebhaber. Das sei angenehm. Nur kaufen werde er vermutlich selber kein Vinyl. Es gebe aktuell keine Scheibe, kein Album, das er haben wolle, keine Pressung, die er seiner Sammlung einverleiben müsste.

Die Sammlung. Gezählt hat er die Platten nicht, aber ein paar tausend werden es wohl sein, schätzt der 62-Jährige. Der Großteil steht in seinem Musikzimmer, das einst das Wohnzimmer seines Elternhauses war. In einem weißen Regal, alphabetisch geordnet. Bis auf die Scheiben von Pink Floyd und Genesis, die stehen extra, füllen alleine eine ganze Reihe. Udo Lampenscherf, Verwaltungsfachwirt, der im Jobcenter Düsseldorf arbeitet und sich dort vor allem um die Belange von Behinderten kümmert, ist Fan beider Gruppen, ist sogar im Genesis-Fanclub „it“. Er hört aber auch anderes, Jazz, Krautrock, Progressiv-Rock, Hildegard Knef. Von David Bowie und den Beatles hat er viele Sammelboxen, von den Pilzköpfen in der Mono- und Stereofassung.

Zwei Brüche gab es in seinem Sammler-Leben. Platten gesammelt hat er schon als Jugendlicher. Er weiß noch, welche die erste war: „Aqualung“ von Jethro Tull. Es waren so rund 5000 Scheiben. Dann der erste Bruch. Die Compact Disk, kurz CD, kam auf den Markt, schien das Vinyl-Zeitalter zu beenden. Jedenfalls schwenkte Udo Lampenscherf um, verkaufte alle Platten, kaufte nur noch CDs. Irgendwann habe er in Europa wohl einer der komplettesten CD-Sammlung aller Alben von Genesis gehabt.

Doch vor rund neun, zehn Jahren kaufte er sich wieder eine Platte. Einfach so. Eine Scheibe von Genesis, die „Selling England by the pound“, ein Album, das er zu den fünf Besten überhaupt zählt. Es ist eine besonders schwere Pressung, sie wiegt fast 200 Gramm. Sonst sind Platten 120 bis 150 Gramm schwer. Zuhause kramte er aus dem Keller den alten Plattenspieler hervor. Den hatte er behalten. Der zweite Bruch. Lampenscherf verkaufte nun alle CDs, kaufte wieder Platten.

Der 62-Jährige mag Vinyl, ist aber auch in der digitalen Welt unterwegs. Auf seinem Rechner hat er Musik für 146 Tage am Stück gespeichert. Die nimmt er mit, wenn er mit dem Auto fährt. Musik ist bei ihm immer dabei. Musik hören, sagt er, sei immer auch ein Stück Erinnerung.

Und über entsprechende Internet-Portale tauscht und kauft er Scheiben. Stets schaut er nach, wo die Empfänger wohnen. „Die Tage hatte ich einen, der wohnt an der Zugangsstraße zum Schloss Versailles.“ Und Lampenscherf verrät, was Sammler am liebsten möchten – Platten, die „ss“ sind, das Kürzel steht für „still sealed“. Also Platten, die noch ungeöffnet und ungespielt sind. Denn klar sei ja auch – die Vinyl-Scheibe wird durch das Abspielen nicht besser.

Eine Platte auflegen, die Lava-Lampen anknipsen, sich in einen der brauen Lederclubsessel setzen, der so steht, dass der Stereoeffekt voll zum Tragen kommt –  das ist für Udo Lampenscherf Entspannung und Entschleunigung. Allerdings mit Zeitlimit. Nach 20 Minuten mussman ja wieder aufstehen – und die Platte umdrehen.

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