Sportlerin aus Urdenbach : Weltklasse-Seglerin bleibt an Land

Constanze Stolz aus Urdenbach hat an Europameisterschaften im Segeln teilgenommen. Nun will sie sich auf ihr Studium konzentrieren.

Weihnachten und Silvester daheim in Urdenbach – das bedeutet für die Seglerin Constanze Stolz vor allem Zeit für Entspannung und Besinnung im Kreis ihrer Familie. „Heiligabend feiere ich am liebsten mit meinen Eltern und meinem Bruder Jens-Felix“, verrät die Vize-Welt- und Vize-Europameisterin, die es vor längerer Zeit in die Ostseestadt Kiel nahe des nationalen Olympiasegelstützpunktes gezogen hat und die anlässlich der Weihnachtstage und des Jahreswechsels immer wieder gern in ihre Heimatstadt Düsseldorf reist, wo auch der Familien-Rauhaardackel Anton gegenwärtig ihr ständiger Begleiter ist.

„2019 war für mich ein spannendes Jahr“, verrät die Sportpsychologiestudentin bei ihrem persönlichen Jahresrückblick. Ihr Studium hat die 24-Jährige mit der Abgabe ihrer Masterarbeit vor etwa drei Wochen so gut wie beendet. Und auch sportlich hat sich für die Bronzemedaillengewinnerin bei der Jugendolympiade 2010 in Singapur etwas Entscheidendes getan.

„Ich habe mich entschieden, das Segeln auf Leistungssportniveau aufzugeben“, erklärt Constanze Stolz. Eine monatelange Trainingspause als Folge eines Bandscheibenvorfalls im Halswirbelbereich hatte die talentierte Seglerin bei den Vorbereitungen auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zurückgeworfen. Dieser Rückstand war einfach nicht mehr aufzuholen.

„Es ist eine vernünftige Entscheidung“, glaubt Constanze Stolz, zumal sie nach der Trainingspause auch nicht mehr völlig beschwerdefrei habe trainieren können. Mitfiebern will die Urdenbacherin aber auf jeden Fall, wenn ihre Sportkameraden im Juli und August bei Wind und Wellen in Japan vor dem Enoshima Yachthafen von Fujisawa um Edelmetall wetteifern. „Meine Faszination für Olympia wird immer blieben“, behauptet sie.

Eine Bewältigung ihrer persönlichen Enttäuschung über das sportliche Aus hat die angehende Sportpsychologin quasi professionell selbst vollzogen. Yoga hat Constanze Stolz für sich neuerdings entdeckt. „Segeln ist hobbymäßig auch noch möglich“, bestätigt sie. Für kleinere Regatten auf der Ostsee oder der Alster hat sie ihr eigenes Laserboot aus der elterlichen Garage in Urdenbach inzwischen nach Kiel geholt.

Die intensiven Erfahrungen aus der zurückliegenden Zeit als Leistungssportlerin will Constanze Stolz auf keinen Fall missen. „Ich habe durch das Segeln Höhen und Tiefen erlebt und mit dem Boot auf dem Wasser immer wieder neue Herausforderungen meistern müssen“, erklärt die Seglerin. Auf diese Weise habe sie enormes Selbstvertrauen und persönliche Stärke gewinnen können. Beides war für sie bereits während ihres Studiums von Vorteil, etwa als sie als Werksstudentin bei einem großen Hamburger Unternehmen ein Projekt zum Thema „Qualitatives Performance-Management“ durchgeführt hatte oder wenn sie aktuell bei Seminaren im Kieler Yachtclub Sportler mental schult und ihnen Routinen an die Hand gibt, damit diese beispielweise Stresssituationen bei Wettbewerben besser bewältigen können.

„2020 wird für mich ein Jahr mit wichtigen Entscheidungen“, vermutet Stolz. Nach Abschluss ihres Masterstudiums strebt sie zunächst eine Promotion an, um anschließend das Abenteuer einer beruflichen Selbstständigkeit zu wagen.