Urdenbach: Besonderer Dank für die treue Kundschaft

Urdenbach : Besonderer Dank für die treue Kundschaft

Viele Kunden verabschiedeten sich am Sonntag persönlich von Bäcker Thomas Pohl und seiner Frau Raigeda.

Eine Woche ist das Geschäft von Thomas Pohl jetzt schon geschlossen. Trotzdem steht der Bäcker derzeit noch um 2 Uhr morgens auf und geht in die Backstube. "Ich beliefere noch Altenheime mit Brot und habe Kuchenbestellungen für Kommunionen", sagt er. Ausschlafen können er und seine Frau Raigeda noch nicht. "Aber bald wieder mal gemeinsam frühstücken", sagt sie. Bis es soweit ist, backt Thomas Pohl auch im Mai noch die vorbestellten Hochzeitstorten. Ein fließender Übergang in einen neuen Lebensabschnitt für das Paar.

Die Ankündigung, dass das Backhaus Pohl schließt, hatten viele Kunden zunächst nicht bemerkt. Zwar hing ein Display im Laden mit dem Countdown der letzten Verkaufstage, doch vielen wurde das nahe Ende des vertrauten Ladens in Urdenbach erst durch einen Bericht der Rheinischen Post bewusst.

"Wir waren überwältigt von der Resonanz an unserem letzten Wochenende", sagt Thomas Pohl und berichtet, dass sich lange Schlangen vor dem Laden gebildet hatten. "Viele Kunden kauften Brot auf Vorrat, zum Einfrieren", sagt Raigeda Pohl. Ihr Mann Thomas war vorbereitet und hatte schon etwas mehr gebacken. Doch schließlich verließen rund 300 Brote mehr als sonst den Ofen. "Ich konnte leider nicht in den Verkauf, da ich für Nachschub in der Backstube sorgen musste", sagt er. Neben dem beliebten Vollkornbrot "Vollker" auch den "Dicken Brummer", ein echter Bienstich.

Am Verkaufstresen der Bäckerei an der Reutlinger Straße bedauerten die Kunden das Ende der Bäckerei und wünschten dem Paar Glück für die Zukunft. "Wir haben Blumen bekommen, Briefe, E-Mails und Anrufe", sagt Thomas Pohl. Es meldeten sich auch Kollegen aus der Branche. "Man spürt bei allen das Bedauern", sagt der 47-Jährige, der mit einem besonderen Laugengebäck nun Danke sagt.

Einige Kunden haben noch gar nicht mitbekommen, dass der Laden zu hat. "Was ist denn hier los, gerade wollte ich ein Brot kaufen?", sagt ein Mann, der in den leeren Laden schaut. Die handgefertigten Backwaren und Kuchen waren beliebt, wie auch die Atmosphäre im Geschäft. "Viele Kunden kamen regelmäßig auf einen Kaffee", sagt Raigeda Pohl.

Trotz des guten Geschäfts zog Thomas Pohl jetzt einen Schlussstrich. Die Arbeitsbelastung war für den 47-Jährigen mit 100 Stunden in der Woche zu groß. Wie es weitergeht, ist noch offen. Er möchte sich Zeit nehmen und Dinge sortieren, die liegengeblieben sind.

Geplant ist ein Familienbesuch in Litauen, dem Herkunftsland seiner Frau. Sie waren lange nicht mehr dort - keine Zeit. "Wir möchten einfach noch mal allen Danke sagen, die an uns gedacht haben. Das vergangene Wochenende war für uns ein echter Ausnahmezustand", sagt Thomas Pohl.

(sime)
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