Urdenbach: Backhaus Pohl öffnet Sonntag zum letzten Mal

Urdenbach: Backhaus Pohl öffnet Sonntag zum letzten Mal

Thomas Pohl weiß, dass vor und hinter dem Verkaufstresen seiner Bäckerei an der Reutlinger Straße in den vergangenen Tagen schon einige Tränchen vergossen wurden. Denn am Sonntag hat das Backhaus das letzte Mal geöffnet.

Doch nicht etwa, weil das Geschäft nicht mehr gut lief; sondern im Gegenteil: Pohls handgefertigte Backwaren und Kuchen sind weit über den Stadtteil hinaus gefragt. Da der Erfolg aber vor allem auf seine Knochen ging, hat der 47-Jährige in Absprache mit seiner Familie vor einigen Wochen beschlossen, dass Ende April das Backhaus geschlossen werden soll. Jetzt kommt das Ende schon zwei Wochen früher, da sich Personal krank gemeldet hat. Und was nun? "Erstmal Urlaub machen", sagt Thomas Pohl: "Ich hatte seit fünf Jahren keinen mehr." Wenn er seine wöchentliche Arbeitszeit zusammenrechnet, dann kommt er auf die stolze Summe von 100 Stunden, sagt er.

Denn nicht nur die Ware muss täglich - bis auf montags, da ist bei Pohls immer die traditionelle Teigruhe - frisch gemacht werden, anschließend geht es noch an den Schreibtisch, um die Büroarbeiten zu erledigen. "Wenn ich am Ende des Monats zusammengerechnet habe, was übrig bleibt, liege ich in Höhe des Mindestlohns", sagt Pohl. Zudem sei im Januar ein Ofen kaputt gegangen; die Anschaffung eines neuen hätte 100.000 Euro gekostet. Das war der Punkt, wo der 47-Jährige ins Grübeln kam. Denn eigentlich, sagt er, liebt er, was er tut - und das schmeckt man seiner Ware auch an.

Für Bäcker, hinter denen keine Kette stehe, werde das Geschäft immer schwieriger, sagt Pohl bedauernd. Es gebe keine Preisnachlässe, weder für die Energie, die verbraucht werde noch für die Rohstoffe. Genau schwierig sei es zudem, Nachwuchs für die Backstube zu finden. "Ich hatte Glück; ich habe immerhin einen Gesellen, auf den ich mich habe verlassen können. Der musste aber auch alles können, weil wir ja die ganze Bandbreite abdecken."

Schon seine Eltern führten die Bäckerei an der Reutlinger Straße, schlossen sie aber vor einigen Jahren aus persönlichen Gründen. Den mit Preisen auszeichneten Bäcker Thomas Pohl zog es damals nach Weinheim, wo er als Dozent tätig war; aber das sei halt nicht Düsseldorf gewesen, sagt er. So kehrte er 2013 zurück und belebte das heimische Backhaus.

Was nach dem wohlverdienten Urlaub kommt, weiß Thomas Pohl im Moment noch nicht. Aber es wird irgendetwas sein, was er mit Leidenschaft machen kann. Denn weniger wäre für den 47-Jährigen nicht genug.

(rö)