Obstverkauf in Haus Bürgel : Frische Ernte aus der Kämpe

Die Biologische Station Haus Bürgel hat ihre Apfelernte verkauft. Eine Tonne Obst aus der Region nahmen die Menschen mit – der Gewinn wird in den Naturschutz investiert.

Vor dem großen offenen Holzunterstand gegenüber von Haus Bürgel harrt gestern um 14.30 Uhr eine Schlange von Menschen aus. Ihr begehrtes Objekt steht in Kisten nebeneinander und übereinander gestapelt bereit. Punkt 15 Uhr gibt Biologe Norbert Tenten den „Startschuss“ für den diesjährigen Verkauf der frisch geernteten Äpfel von der Biologischen Station. „Ihr Ehrenamtler tut was für den Naturschutz, die heutigen Erlöse gehen direkt wieder dorthin“, spornt er seine Verkäufer an. Da liegen sie, rot und grün, mit klangvollen Namen wie „Schöner aus Nordhausen“, „Roter Winterkalvill“, oder „Graue Herbstrenette – rund 20 Sorten sind es insgesamt.

Allergiker-geeignete Sorten sind gekennzeichnet, und an einem Probierstand können sich die Käufer orientieren. Rund eine Tonne wird an diesem Nachmittag verkauft, das Kilogramm für drei Euro. „Bei manchen müssen wir die Abgabe begrenzen, weil sie einfach so unglaublich beliebt sind und wir nicht genug davon haben“, erklärt Elke Löpke, Leiterin der Biologischen Station Haus Bürgel.

„Wir sind wegen des Berlepsch hier“, sagt Katrin Brosche aus Eller. Dass die Äpfel natürlich sind und daher auch einem Wurm Unterschlupf bieten könnten, darauf wird extra hingewiesen. Jennifer Krüger wartet mit ihrem Sohn Carl in der Schlange. „So sechs bis neun Kilo werden wir mitnehmen, von dem Kaiser Wilhelm und der Ingrid Marie.“ Sohn Carl (vier Jahre) strahlt über beide Backen und freut sich schon auf den Wochenend-Apfelkuchen.

Die Attribute Alte Sorte, aus der Region und unbehandelt  sind das Geheimnis dieses erfolgreichen Obstverkaufes. „Die Sorten sind sehr robust und lagerfähig“, erklärt Elke Löpke. Der trockene heiße Sommer habe der Ernte zwar zugesetzt, trotzdem sei erstaunlich viel zusammen gekommen. Tatsächlich können sich Äpfel sogar einen Sonnenbrand einfangen. Die Stelle wird schwarz und die Äpfel fallen vom Baum herab. Für manchen Schwund sei aber auch der Halsbandsittich verantwortlich. „Der Vogel pickt hinein, und es entsteht eine faule Stelle. Aber das war in diesem Jahr nicht anders als sonst auch“, sagt die Biologin.

Dass renommierte Hotel-Verantwortliche ihre Gäste mit Bürgeler Äpfeln verwöhnen, freut sie. Mitarbeiter des InterContinental helfen seit vielen Jahren bei der Ernte. Eine Schale duftender, wohlschmeckender Äpfel als kleines Geschenk wissen Obst-Gourmets aus allen Nationen zu schätzen. „Außerdem wird bald ein Apfel-Senf-Essig für die Gäste produziert, erzählt Elke Löpke. 20 Kilogramm haben die Mitarbeiter geerntet und mitgenommen. Ein Kompliment für die Qualität der alten Sorten.

Elke Löpkes Lieblingsapfel ist der Rheinische Bohnapfel. „Sehr saftig und spritzig.“ Daraus wurde damals übrigens der Äppelwoi für den ,Blauen Bock’ gemacht, einer TV-Serie, die bis in die 80er Jahre gezeigt wurde. Die neuzeitliche Variante findet sich im Angebot. Carmen Pasera verkauft nicht nur Bürgeler Apfelsaft sondern auch „Apfelprosseco“. „Der ist nicht direkt lieblich, aber auch nicht herb, irgendwas so mittendrin. Mir schmeckt er aber sehr gut“, sagt die ehrenamtliche Helferin.

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