Unterrath: „Jeder kleine Erfolg ist wichtig“

Hilfsorganisation: „Jeder kleine Erfolg ist wichtig“

Hermann Meier engagiert sich seit 50 Jahren bei Amnesty International Düsseldorf, Alexander Hochhausen ist seit einem Jahr dabei.

Hermann Meier war 28 Jahre alt, als er nach dem Studium nach Düsseldorf kam und einen Artikel von Carola Stern, 1961 Mitbegründerin und dann auch Vorsitzende von Amnesty International Westdeutschland, las. „Das hat mir unheimlich imponiert, dieser Einsatz für andere, ohne dafür etwas haben zu wollen“, sagt Meier. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatte er mitbekommen, dass es in der unmittelbaren Nachbarschaft seines Heimatdorfs ein KZ gab. „Aber in der Familie sprach man darüber nicht. Das würde ich nicht verstehen, hieß es.“ Das hat ihn ebenso geprägt wie später die Zeit der Studentenunruhen in Deutschland. „Es klingt banal, aber ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich der Gesellschaft etwas zurückgeben wollte, denn mir ging es ja gut“, begründet der 78-Jährige, warum er 1968 der „Gruppe 1004“ beitrat, aus der wenig später Amnesty International Düsseldorf hervorging.

Die „Gruppe 1004“ setzt sich gegen Menschenrechtsverletzungen an Frauen ein, das war vor einem Jahr auch der ausschlaggebende Grund für Alexander Hochhausen, sich für die Ziele von Amnesty International stark zu machen. „Ich habe diese Ungleichbehandlungen im Job erlebt, aber auch in der Familie. Ich fand, das ist so nicht zu akzeptieren, wollte mich einbringen. Und ich hatte Zeit, weil ich von meinem Job als Telekom-Manager eine Auszeit genommen hatte“, erzählt der 39-Jährige, der ehrenamtlich auch in der Armenküche arbeitet.

Als Hermann Meier mit seinem Engagement begann, war die Ausrichtung der „Gruppe 1004“ noch breiter angelegt. „Wir haben uns als Gefangenen-Hilfsorganisation verstanden. Wir haben uns weltweit konkret um Menschen gekümmert, die offensichtlich ungerechtfertigt im Gefängnis saßen – in Chile, Russland, auch in den USA. Wir haben Appelle ausgesendet, Kontakt zu Behörden und Richtern aufgenommen, die konkreten Schicksale öffentlich gemacht, versucht, Prominente für unsere Anliegen zu gewinnen, einfach Einfluss zu nehmen“, blickt der ehemalige Lehrer zurück.

Inzwischen hat sich Amnesty International weiterentwickelt, bündelt Interessen, um zielstrebiger vorgehen zu können. „Die Benachteiligung von Frauen hat meine Generation damals gar nicht wirklich wahrgenommen“, sagt Meier. „Es war eine schwierige Zeit, der Kalte Krieg hat andere Probleme in den Fokus gerückt“, zeigt Hochhausen Verständnis.

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Die Arbeit für Amnesty International ist nicht immer einfach, Misserfolge und Enttäuschungen sind an der Tagesordnung. „Viele haben die Gruppe wieder verlassen, weil sie die Rückschläge und die immer größer werdende Anzahl an Menschenrechtsverletzungen einfach nicht ertragen haben“, berichtet Meier. Aber, wenn es dann doch gelingt, wenn der chilenische Gefangene nach Schweden ausreisen darf, dem Pinochet-Regime so entkommt und sich bei Amnesty International für die Bemühungen bedankt, „dann macht einen das auch ein bisschen stolz“, so Meier. „Jeder noch so kleine Erfolg ist wichtig. Man darf sich von den Misserfolgen nicht demoralisieren lassen, muss sich einen gesunden Optimismus erhalten“, betont Hochhausen.

Alle drei Wochen treffen sich die Mitglieder der Gruppe. Jedes Mal gibt es eine Eilaktion, die vom Hauptsitz in Berlin an die Delegationen in den einzelnen Städten weitergegeben wird. Es werden Petitionen aufgesetzt, Unterschriften gesammelt, manchmal auch Schulklassen aufgeklärt, Lesungen, Konzerte und Filmvorführungen organisiert, Kooperationen geschmiedet, Netzwerke erweitert, „um Frauen auf der Welt Unterstützung zukommen zu lassen, die keine eigene Stimme haben“, wie Hochhausen sich ausdrückt. Und diese Arbeit schweißt zusammen, bestätigt der Oberrather, „das Generationsübergreifende beeindruckt mich, man lernt von der Erfahrung der Älteren, erhält einen ganz neuen Input“.

Das kann Hermann Meier nur bestätigen: „Ich bin Witwer, habe hier echte Freunde gewonnen. Es imponiert mir, dass die junge Generation, obwohl sie beruflich meist stark eingespannt ist, sich trotzdem engagiert, unentgeltlich wohlbemerkt“, so der Unterrather. Das 50-jährige Bestehen von Amnesty International Düsseldorf wurde im Oktober groß am KIT gefeiert. Mit Luftballonkünstler und Graffiti-Workshop, Bier und Musik. Und natürlich mit Menschenrechts- und Aufklärungsarbeit.