Jüdisches Gymnasium Düsseldorf zieht wegen Sicherheitsbedenken nicht um

Schulbau in Düsseldorf : Jüdisches Gymnasium: Umzug geplatzt

Aus Sicherheitsgründen gibt die jüdische Gemeinde den Plan auf, mit ihrem Gymnasium zur Borbecker Straße zu ziehen. Jetzt muss ein neuer Standort gefunden werden.

Die Jüdische Gemeinde hat von den Plänen Abstand genommen, mit dem Albert-Einstein-Gymnasium von der Theodorstraße in Rath an die Borbecker Straße in Unterrath umzuziehen. „Im Laufe der Planungen hat sich herausgestellt, dass dieser Standort aus Sicherheitsgründen für uns ungeeignet ist“, sagt Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde. Es gebe nur eine Zu- und Abfahrt, die dortige Hochbrücke werde als Risiko heute kritischer gesehen: „Das Gelände kann nicht ausreichend gesichert werden.“

Bei der Stadt und ihrer Bautochter IDR ist man ein wenig überrascht. Seit fast drei Jahren arbeitet man an dem Projekt. Die IDR hätte den Baukörper so platziert, dass es zur Hochbrücke hin keine Fenster gibt. Die sind ohnehin mit schusssicherem Glas versehen. Eine Schleuse für einfahrende Schulbusse war ebenfalls vorgesehen. Von Bezirksregierung und Innenministerium wurden keine Bedenken geäußert. Die Experten der Jüdischen Gemeinde haben jedoch besondere Ansprüche, wie sich jetzt bestätigt, und das wird von der Stadtspitze auch akzeptiert.

Dass die Borbecker Straße nun ausscheidet, sei traurig und ärgerlich zugleich, sagt Szentei-Heise. Die Gemeinde will nun nach einem neuen Grundstück oder Gebäude suchen. Dabei will man auf alle Fälle in Düsseldorf bleiben. „Für die Suche haben wir noch rund drei Jahre Zeit, dann werden die Räume an der Theodorstraße nicht mehr reichen.“ So haben sich für das kommende Schuljahr 47 neue Schüler angemeldet, darunter zwei Muslime. „Die Zahlen steigen kontinuierlich an und die Prognosen gehen davon aus, dass sich die Anzahl der Schüler explosionsartig vergrößern wird, wenn die Schule einige Jahre in Betrieb ist“, sagt der Verwaltungsdirektor. Schon jetzt sei es auf dem Schulhof recht eng.

Gerne würde die Jüdische Gemeinde in der Nähe der jetzigen Schule bauen. „Wenn uns einer der Besitzer der beiden großen Flächen an der Theodorstraße, die für Möbelhäuser gedacht waren, eine Teilfläche überlassen würde, würden wir diese mit Kusshand nehmen“, sagt Szentei-Heise. Diese Idee hatte auch Peter Rasp, Fraktionschef der SPD in der Bezirksvertretung 6, ins Spiel gebracht, als die Entwicklung der Theodorstraße diskutiert wurde. So lehnen die Bezirkspolitiker die Pläne der Verwaltung ab, statt Möbelhäusern an der Theodorstraße Bürogebäude zu errichten. Sie wollen dort Angebote, die zu einer Belebung des Areals beitragen.

Die Bezirksvertretung will den Standort Borbecker Straße nun schnell neu nutzen. Sie ist deshalb einem Antrag von CDU- und FDP-Fraktion gefolgt, mit dem die Verwaltung aufgefordert wird zu prüfen, ob dort die Realisierung einer Realschule möglich ist. Die Pläne der IDR für das Gymnasium könnten bei der Umsetzung vielleicht genutzt werden.

Das jüdische Albert-Einstein-Gymnasium wurde 2016 in einem Bürogebäude an der Theodorstraße, das für die Bedürfnisse der Schule umgebaut wurde, gegründet. Die Einrichtung ist in NRW einmalig. Aktuell ist nach Einschätztung der Schulverwaltung der Bedarf einer zweizügigen Nutzung erkennbar. Die Vierzügigkeit ist angestrebt, hier ist man jedoch etwas verhalten, der Sicherheitsaspekt dürfte bei manchen Eltern eine Rolle spielen. Wie schnell ein Grundstück, das an die Gemeinde vermietet werden soll, tatsächlich gefunden werden kann, ist fraglich. „Wir suchen selbst zwei neue Grundstücke und finden nichts“, sagt Schuldezernent und Stadtdirektor Burkhard Hintzsche.

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