Graffiti in Düsseldorf Neue Bilder für Unterrather Parkplatzmauer

Düsseldorf · In Unterrath dürfen Jugendliche alle zwei Jahre eine 78 Meter lange und bis zu 2,80 Meter hohe Wand mit Graffiti neu gestalten. Bei der Ferienaktion bringen sie sich mit eigenen Ideen ein.

Patrick Gerold erklärt, er habe sich in der Schule nie für den Kunstunterricht interessiert. Nun war er während einer Ferienaktion als Graffiti-Künstler in Unterrath aktiv.

Patrick Gerold erklärt, er habe sich in der Schule nie für den Kunstunterricht interessiert. Nun war er während einer Ferienaktion als Graffiti-Künstler in Unterrath aktiv.

Foto: Tino Hermanns

Graffiti – für die einen ist es ein Reizwort, wenn es illegal an Hauswänden, Brückenpfeilern oder Straßenbahnen aufgesprüht worden ist und aufwendig wieder entfernt werden muss. Für andere hingegen ist es eine Kunstform, die den Alltag im öffentlichen Raum etwas farbenfroher gestaltet. Nicht jedes Graffito ist mit Strafverfolgung bedroht, weil es in Düsseldorf Stellen gibt, an denen unter Mitwirkung von „Verbunt – Jugendkunst Düsseldorf“ legal gesprüht werden darf. Das gilt alle ein bis zwei Jahre für die Parkplatzmauer der Jugendfreizeiteinrichtung (JFE) am Ammerweg in Unterrath.

„Die 78 Meter lange und bis zu 2,80 Meter hohe Wand am Parkplatz neu zu gestalten, zählt zu unseren regelmäßigen Ferienaktionen für Jugendliche und junge Erwachsene aus Unterrath und der ganzen Stadt“, erläutert JFE-Leiter Benedikt Hoga. „Manchmal finde ich es schade, wenn Bilder, die mir gut gefallen, übermalt werden.“ Aber Graffiti seien vergänglich.“ Hoga hatte kürzlich mit seinem Team dafür gesorgt, dass der Rasen vor der Mauer gemäht war, dass die Büsche geschnitten waren und dass es mit Pagodenzelten beschirmte schattige Plätzchen auf dem sonnendurchfluteten Parkplatz gab. Unter Letzteren konnten sich die Graffiti-Künstler ausruhen und die kleinen Leckereien vom Grill genießen.

Für alles andere hatte „Verbunt“ gesorgt. Dieser ist ein gemeinnütziger Verein und freier Träger, der Jugendkunst und Kultur in Düsseldorf fördert. Seit 2010 setzt sich der Verein für Projekte von jungen Kreativen ein. Das Ziel ist es, ein alltagsorientiertes, künstlerisches Angebot, das kreative Ressourcen junger Menschen anregt, zu schaffen. Dabei agiert der Verein überwiegend im öffentlichen Raum. So wie jetzt in Unterrath.

Das „Verbunt“-Team hatte die Mauer mit neutraler Fassadenfarbe vorgestrichen und so die alten Graffiti verschwinden lassen. Damit wurde Platz für neue Kunstwerke geschaffen. Die Farbdosen für die neuen gesprayten Werke wurden auch mithilfe des Finanzierungszuschusses der Bezirksvertretung 6 gekauft. Die 22 Künstler, denen jeweils sechs bis sieben Meter Mauerfläche zur Verfügung standen, mussten lediglich ihre Kreativität und Zeit mitbringen.

Das machte beispielsweise Patrick Gerold. Er gehört zu den Newcomern der Szene. „Während der Corona-Phase habe ich mich verstärkt mit dem Thema Graffiti beschäftigt“, sagt der 27-Jährige. „Davor hatte ich ein paar erste Versuche am Computer erstellt, aber mich noch nicht an einer Wand ausprobiert.“ Am Ammerweg sei nun sein drittes Wandbild entstanden. Lob dafür gibt es von Verbunt-Mitarbeiter Jan Herrmann. „Mein drittes Graffito sah nicht so gut aus wie das von Patrick“, urteilt der studierte Grafik-Designer. Wie Gerold erklärt, habe er sich in der Schule nie für den Kunstunterricht interessiert. Der sei ihm „zu verkopft, zu reglementiert“ gewesen. „An so einer Wand kann man ohne Druck kreativ sein und machen, was man will“, sagt er heute.

Regeln gibt es für die Bilder auf der Mauer aber dennoch. „Wir machen keine Vorgaben, was auf die Wand gebracht wird“, so Hoga. „Aber wir sind in einer Jugendfreizeiteinrichtung, deshalb ist allen klar, dass keine rassistischen, gewaltverherrlichenden oder sexistischen Inhalte gesprüht werden dürfen.“ Gerold selbst arbeitete einst in einer JFE und macht derzeit eine Ausbildung zum Erzieher in einer städtischen Kindertagesstätte. Ein luftig-leichtes Graffito mit der Aufschrift „Beno“ – seinem Künstler-Alias – prangt nun vor blau-roten Strahlen umrahmt von orange-farbenen Wölkchen neben vielen anderen neuen Motiven auf der Parkplatzmauer. Gerold weiß, dass seinem Kunstwerk nur eine begrenzte Haltbarkeitsdauer vergönnt sein wird, denn in ein bis zwei Jahren laden Benedikt Hoga und „Verbunt“ wieder zur Neugestaltung der 78-Meter-Wand ein. „Ich mache Graffiti nicht, damit es überdauert“, so Gerold. „Ich würde mich freuen, wenn ich bei der nächsten Graffiti-Ferienaktion wieder einen Platz bekäme“, sagt der Düsseldorfer.