Die Einkaufsstraßen in Unterrath kämpfen mit viel Leerstand.

Serie Meine Einkaufsstraße : „Man hat uns hier vergessen“

Der Leerstand an der Unterrather- und der Kalkumer Straße bereitet Anwohnern und Ladenbesitzern Sorge.

„Hier gibt es gar nichts, man hat uns hier vergessen“, sagt Brigitte Klimm (80), die seit 50 Jahren in Unterrath wohnt. Auf den Einkaufsstraßen Unterrather- und Kalkumer Straße stehen mehrere Ladenlokale leer. Statt einladender Geschäfte sehen Bewohner und Besucher marode und verlassene Ladenflächen. Vorhandene Angebote liegen oft weit voneinander entfernt. Der Einkauf lässt sich deshalb nicht mal eben zu Fuß erledigen. Beliebte Einkaufsstraßen in Düsseldorfs Stadtteilen sehen anders auch und sind deshalb auch andere: Die Rethel- oder Nordstraße beispielsweise oder in der Innenstadt die Schadow- oder Flingerstraße.

Doch für Brigitte Klimm und ihre Freundinnen ist es nicht immer ein Leichtes, in die Stadt zu kommen. „Ich wohne schon seit 50 Jahren hier und es war immer schon so, dass wir mit der Bahn in die Stadt fahren mussten. Wir haben hier gar nichts, es ist wie ausgestorben. Ein Gemüsehändler um die Ecke wäre zum Beispiel ganz gut.“ Wöchentlich gehen sie und ihre Freundinnen zum Kirchenchor. Sie vermissen in Unterrath Orte, an denen sie sich in ihrer Freizeit aufhalten können. Insbesondere Bänke gebe es viel zu wenige. „Einige Bäcker haben zwar eine Sitzmöglichkeit, aber die meisten Geschäfte haben nur Stehplätze, so wie bei Hünemeyer auf der Unterather Straße“.

Lars Hünemeyer, Geschäftsführer der Bäckerei und Konditorei, betreibt sein Geschäft seit 18 Jahren. Einen Grund für den Leerstand sieht Hünemeyer in der Schnelllebigkeit der Zeit. „Die Konkurrenz für viele andere Geschäfte ist das Internet. Die Apotheke zum Beispiel schräg gegenüber von uns hat jetzt dicht gemacht. Die Leute bestellen Kleinigkeiten wie Medikamente, aber auch Spielsachen oder anderen Kram im Netz.“ Das wiederum führe dazu, dass Einzelhändler ihre Geschäfte aufgeben müssten. „Das müssen wir glücklicherweise nicht, weil Backwaren immer noch beim Bäcker gekauft werden“, sagt Hünemeyer.

Zudem sieht der Geschäftsführer ein Problem in der Gebäudestruktur. So stehen an den beiden Hauptverkehrsstraßen viele Altbauten. Seiner Meinung nach wirken die kleinen, verwinkelten Räumlichkeiten ohne ebenerdigen Eingang auf viele abschreckend. „Damals hat man anders gebaut — heute ist so was nicht mehr gefragt.“ Eine weitere Schwierigkeit für Hünemeyer ist zudem die vierspurige Straße, über die auch Straßenbahnen fahren. Für Interessenten, die dort ein Geschäft eröffnen möchten, ist das nach Hünemeyers Meinung abschreckend. Zumal vor den Geschäften Parkplätze Mangelware sind. Die fehlenden Metzger oder Gemüsehändler stören nach seiner Einschätzung besonders die älteren Menschen. „Sie bevorzugen das frische Stück Fleisch vom Metzger, das nicht verschweißt im Supermarkt liegt.“ Um aber die zum Teil weit auseinander liegenden Geschäfte zu erreichen, wie die Metzgerei Wendel an der Ecke Kalkumer Straße/An der Piwipp, müssten Senioren einen höheren Aufwand betreiben. Denn es sei nicht leicht, mit einem Rollator mal eben in die Bahn zu steigen oder eine weitere Entfernung zurückzulegen.

Das Gastro-Angebot sowie die Nahversorgung auf der Kalkumer Straße ist ebenfalls sehr zerrissen. Zudem stehen dort zahlreiche Läden leer. Diese sind teilweise mit Graffiti beschmiert. Die Schaufenster sind trübe.

Barbara Grünewald betreibt in dieser Straße seit 19 Jahren ihren Friseursalon „Janete“. Sie ist der Meinung, dass sich die Gegend mit den Jahren zum Nachteil entwickelt hat. „Mir fehlt hier zum Beispiel ein guter Bäcker oder ein Schuh- und Modegeschäft.“ Ihre Mitarbeiterin Nadja Spitzer würde sich ebenfalls über ein Modegeschäft freuen. „Eine schöne Einkaufsmöglichkeit wie in Rath oder Derendorf wäre schon toll — damit man mal ein paar Socken holen kann oder für die Kinder Unterwäsche, so wie es früher mal war. Jetzt muss man sich in die Bahn oder ins Auto setzen und dafür in die Stadt fahren.“ Die Gründe für den Leerstand liegen laut Grünewald an den zu hohen Mieten. „Die Häuser sind sehr alt, die müssten saniert werden. Die Toiletten liegen teils im Hausflur, trotzdem steigen die Mieten immer weiter.“

Die Unterrather Straße an der Ecke zur Kalkumer Straße gehört zum belebteren Teil der Einkaufsmeile im Stadtteil. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Schräg gegenüber hat Willi Puller seinen neuen Tretroller-Shop eröffnet. Ein Grund für den Standort an der Kalkumer Straße war die Nähe zu seinem Haus. Er lebt mit seiner Familie seit 1981 in Unterrath und ist generell der Meinung, dass die Nahversorgung ausreichend gewährleistet ist. „Wir kommen an alles ran, es gibt genug Einkaufsmöglichkeiten, aber wir sind auch mobil.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: So sieht die Unterrather- und Kalkumer Straße aus

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