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Die Düsseldorferin Barbara Becht hat den Verein Chanzo Kenya gegründet, der Kinder in Kenia unterstützt

Vereinsleben in Düsseldorf : Hilfe aus Unterrath für ein vergessenes Dorf

Barbara Becht aus Unterrath hat einen Verein gegründet, der vor allen Dingen Kindern und Frauen in Kenia ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Das geschieht auf vielfältige Weise.

Sich ehrenamtlich zu engagieren, das kennt Barbara Becht aus ihrem Elternhaus. Sie hat deshalb selber eine große Bereitschaft dafür entwickelt. Sie hat sich beispielsweise an der Schule ihrer Kinder oder in der Pfarrei eingebracht. Dass die engagierte Unterratherin allerdings einmal einen Verein für ein Hilfsprojekt in Afrika gründen würde, das ist einer Reihe von Zufällen geschuldet und ein wahrer Glücksfall für ein ganzes Dorf in Kenia.

Über den Tauschring Düsseldorf ist Becht 2016 auf ein Frauenprojekt in Kenia aufmerksam geworden. Zunächst arbeitet sie in einem bereits bestehenden Hilfsverein mit. „Ich wollte mir aber selber ein Bild davon machen, für was ich mich da einsetze und bin deshalb 2016 zum ersten Mal mit meiner 26-jährigen Tochter nach Kenia geflogen.“ Was sie dort erlebt hat, hat Barbara Becht stark berührt. „Viele Frauen stehen alleine da, haben keine Bildungschancen, werden zwangsverheiratet und zuvor ihre Genitalien zwangsverstümmelt“, sagt Becht. Dass Mütter ihr sogar ihre Kinder mitgegeben hätten, damit diese bessere Chancen im Leben gehabt hätten, hat Becht nicht mehr losgelassen.

Bei ihrer ersten Reise hat sie Gregory Kasenge kennengelernt. Der Kenianer lebt seit 20 Jahren in Deutschland, fliegt aber regelmäßig in sein Heimatdorf Mwandogo. „Das ist ein vergessenes Dorf im Hinterland, dessen 500 Einwohner noch nie Hilfe von außen erhalten haben. Nur eine Sandstraße im schlechten Zustand führt dorthin“, sagt Becht. Zusammen mit Kasenge gründete sie den Verein „Chanzo Kenya – Hoffnungsquelle für Kenias Kinder “, der mittels vielseitiger Projekte das Ziel verfolgt, insbesondere Kindern und Frauen in Mwandogo ein gesundes und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Eigentlich soll Hilfe zur Selbsthilfe geleistet, also nachhaltig gearbeitet werden. „Einflüsse wie die Dürrekatastrophe 2018, eine Heuschreckenplage 2020 und Corona machen das aber nicht immer möglich“, sagt Becht. So hat der Verein zum Beispiel 2018 Tankwagen mit Wasser in das Dorf geschickt und die Bewohner mit Lebensmitteln versorgt. „Da hatte die Grundversorgung einfach Priorität“, sagt die Vereinsvorsitzende. Ihr ist es wichtig, die Vorhaben mit den Dorfbewohnern abzustimmen. Diese haben inzwischen dafür ein Komitee gebildet, das bei der Umsetzung der Projekte mithilft.

Zu diesen zählen unter anderem der Bau von einem Brunnen und Toiletten. Eine Anschubfinanzierung wurde geleistet, damit vor allem Frauen gemeinsam traditionelle Dächer aus Palmenblättern, die so genannten Makutis, fertigen können und sie somit eine Verdienstmöglichkeit haben.

Solarkocher wurden angeschafft und die Frauen im Umgang mit den Geräten geschult, die ressourcenschonender, umweltfreundlicher und sicherer als die sonst üblichen Kochfeuer sind. Demnächst soll ein Ziegenprojekt starten, mit dem die Ernährungssituation verbessert werden soll.

Bereits heute erhalten die Schulkinder morgens einen Brei, denn die Nahrungsmittel reichen in den meisten Familien, besonders in schwierigen Zeiten, oft nur für eine Mahlzeit am Tag, und diese wird abends zubereitet. „Wir werden dauerhaft nur etwas ändern können, wenn wir bei den Kindern anfangen und dafür sorgen, dass diese eine gute Bildung erhalten.“ Deshalb wurden auch Schulpatenschaften eingerichtet. Mit den regelmäßigen Spenden für die Schuluniform, das Lernmaterial und die Schulmahlzeiten wird Kindern der Besuch einer Schule ermöglicht.

Das Geld für die vielen Hilfsprojekte stammt aus Spenden, den Mitgliedsbeiträgen der 27 Vereinsmitglieder und den Verkauf von kenianischen und vielen vor allem von Vereinsmitglied Marlinde Herrmann selbst hergestellten Produkten. „Die Spenden fließen 1:1 in unsere Projekte, und wenn wir nach Kenia fliegen, um uns über die Situation vor Ort zu informieren, tragen wir die Kosten dafür selbst“, betont Becht.