Unterrath: Abschied von der Pauluskirche mit Protesten

Unterrath: Abschied von der Pauluskirche mit Protesten

Mit einem gemeinsamen Abendmahl, Kaffee und Kuchen wurden die Gemeindeglieder in der Petruskirche willkommen geheißen.

Ihre Türen schloss am Sonntagvormittag die Pauluskirche in Unterrath. Zum letzten Mal konnten Gemeindeglieder einem Gottesdienst in der 1952 eröffneten Kirche beiwohnen. Viele hatten hier geheiratet, ihre Kinder taufen lassen, wurden konfirmiert und waren sonntags in den Gottesdiensten. Trauer und in einigen Fällen auch etwas Wut waren deshalb in den Gesichtern der Kirchenbesucher abzulesen. Gisela Tampa-Rattwilm war 69 Jahre lang Gemeindemitglied und zog am Sonntag mit in die Petruskirche, die nun das alleinige Gotteshaus der evangelischen Kirchengemeinde Unterrath ist. "Es ist bitter, aber ich denke, es war nicht zu vermeiden. Die Entscheidung war wohl die Richtige, aber besonders schade finde ich, dass unser Gemeindehaus auch geschlossen wird." Nicht alle waren so versöhnlich gestimmt. Beim Verlassen der Kirche wurden die Kirchgänger von einer friedlichen Demonstration erwartet. Einige Gemeindeglieder fühlten sich nicht gut abgeholt und werden sich eine neues Gotteshaus suchen, statt der Petruskirche Am Röttchen beizutreten. "Wir wollen unseren Protest bekunden. Das hier war keine Entscheidung der Gemeinde, wir fühlen uns alleine gelassen", sagt Frank Zacharias. Er und einige andere hielten Plakate mit Aufschriften wie "Haltlos, Konzeptlos, Pfarrerlos" in die Höhe.

Zu Fuß zogen Pfarrer und Mitglieder der Gemeinde schließlich in die neue Glaubensstätte Petruskirche. Dort werden künftig auch alle Gottesdienst für die Mitglieder der Pauluskirche und der bereits geschlossenen Matthiaskirche aus Lichtenbroich gefeiert werden. Gestern wurden sie dort durch Blasmusik, ein gemeinsames Abendmahl und schließlich mit Kaffee und Kuchen willkommen geheißen. Cornelia Schafrate-Pyhel ist Presbyterin der Petruskirche und begrüßte am Sonntag die neuen Mitglieder. Sie selbst wurde in der Petruskirche getauft und konfirmiert und versteht die Trauer. "Ich wäre auch sehr getroffen, würde es unsere Kirche treffen. Der Raum für Wut und Trauer muss jetzt gegeben werden, das ist ganz natürlich." Die Zukunft des leerstehenden Kirchengebäudes ist noch ungewiss. Momentan wird mit anderen Glaubensgemeinschaften über eine Übernahme der Räume verhandelt.

(RP)
Mehr von RP ONLINE