Kommen und Gehen : Matratzen-Fachmann gibt auf

Frank Eisbrich kann mit der günstigen Konkurrenz aus dem Internet nicht mehr mithalten.

Der Spot läuft im Radio, füllt die Werbeplätze im Fernsehen, und immer wieder kommt der Protagonist darin zum Schluss: „Die beste jemals von Stiftung Warentest getestete Matratze kostet 199 Euro.“ Ein Satz, der sich für Frank Eisbrich wie ein Genickschuss anfühlt, ein Satz, der viel verändert hat in Eisbrichs Leben. Der 57-Jährige ist Inhaber des Matratzen- und Bettenfachgeschäfts „Form in Form“, er übernahm den Laden 1999, als der noch an der Immermannstraße lag, als die Menschen auf Futons standen und bereit waren, ein kleines Vermögen für eine Matratze auszugeben.

 Heute, 20 Jahre später, kaufen die Menschen ihre Matratzen im Internet, die praktisch gerollt oder gefaltet bis vor die Haustür geliefert werden, für nicht hohe drei- oder gar vierstellige Beträge aufgerufen werden und die sogar zu Hause getestet werden dürfen. „Bis zu 100 Tage“, sagt Eisbrich, der nach vielen guten Jahren sein Geschäft aufgibt. Denn aus den guten Jahren wurden irgendwann schlechtere, schließlich begann der Kampf ums Überleben. Vielleicht, sagt Eisbrich, hätte er auf den Online-Zug aufspringen sollen, als es die ersten Versuche Mitte der 2000er gab, Matratzen übers Internet zu verkaufen, ohne Beratung, ohne Probeliegen. Damals glaubte er aber, dass sich zumindest so sperrige Güter wie Matratzen nur schwer verkaufen lassen im Netz. „Ich wollte den Kontakt mit dem Kunden“, sagt Frank Eisbrich.

 Eine ganze Zeit ist das gut gegangen. Er machte weiter. Die Konkurrenz aber auch, Start-ups bekämpfen sich mit Dumpingpreisen im Netz, so wie das Unternehmen, das hinter dem bekannten Werbespot steckt, das ein Exemplar für alle anbietet, „ganz gleich, ob eine 50 Kilogramm leichte Frau drauf schlafen will oder ein 150-Kilo-Mann“. Um seinen Kunden zu beweisen, dass es eben nicht eine Matratze für alle gibt, bestellte Frank Eisbrich sogar das Modell, das er immer mal wieder zu Demonstrationszwecken aus einer Ecke hervorgeholt hat. „Fühlen Sie doch mal“, sagt er und drückt mit dem Finger in den Schaum. „Das kann nicht funktionieren“, findet Eisbrich, der inzwischen oft allein dasteht mit dieser Meinung. Auch wenn er keine Garantie geben konnte, dass seine Matratzen jedes Rückenproblem lösen. Vielleicht spielt auch das ein bisschen mit in die Entwicklung der Branche. Es gibt Modelle in den Fachgeschäften, die kosten 2966 Euro.

 Wie es für ihn weitergeht, das weiß Frank Eisbrich noch nicht, „erstmal habe ich andere Sorgen“. Ende Januar beginnt der Räumungsverkauf, im Frühjahr soll Schluss sein. Das hofft Frank Eisbrich auch irgendwie, der Mietvertrag ist bis dahin aber noch nicht ausgelaufen für das 190 Quadratmeter große Ladenlokal. Einen Nachmieter sucht der 57-Jährige jetzt, „sonst muss ich mir was überlegen“.

Form in Form Herzogstraße 1; Mo. bis Fr., 10 bis 19 Uhr; Sa., 10 bis 18 Uhr.

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