Unterbilk : Musikschüler in Windeln

Franziska Walter bietet Kurse für Babys ab vier Monaten an, in denen gesungen, geklatscht und getanzt wird.

Ein bisschen tollpatschig ist er wohl, der Käfer Kasimir, von dem Franziska Walter singt, denn schnell macht es "plumps, da fällt er um, das ist ja ganz schön dumm", heißt es in dem Lied. Fleißig klatschen die fünf Mamas in die Hände, die mit ihren Kindern auf dem Boden sitzen, schunkeln und schaukeln und kichern, wenn es Kasimir nicht mehr auf den Beinen hält. Vor allem das Plumps im Song hat es den Kleinen im Kurs angetan, sie quieken und japsen, zwischendurch klettert Olivia auf die Trommel, die in der Mitte des Raums steht, auf die Wolter mit den Fingern klopft und den Takt angibt. Elf Monate ist Olivia, und sie hat riesigen Spaß im Musikkurs von Franziska Walter, weil es Instrumente gibt wie Rasseln und Tamburine und jede Menge Lieder, die sie zwar noch nicht mitsingen kann, die sie aber kennt, wie das Begrüßungslied ganz am Anfang der Stunde, in dem jedes Kind mit dem Namen vorkommt.

2016 hat Franziska Walter die Kinder-Musikschule Rohrspatz in Unterbilk eröffnet. Die 37-Jährige ist ausgebildete Musikerin, Sängerin und Musikpädagogin, war früher Mitglied im Opernchor, machte damals nebenberuflich mit Kindern Musik. "Es gab wenige Angebote für ganz kleine Kinder", erinnert sie sich.

Irgendwann wurde Walter selbst Mutter. Als sie mit ihrem zweiten Sohn schwanger war, gab sie ihre Festanstellung auf, gründete die Musikschule, weil sie diese Idee schon so lange im Kopf hatte, "das war mutig", sagt sie heute. Zum Glück ist alles gut gegangen. Sogar mehr als gut: Kaum zwei Jahre nach dem Start gibt es sogar schon Wartelisten für die Kurse.

Zwischen vier Monaten und viereinhalb Jahre sind die Kinder, mit denen Franziska Walter Musik macht - "natürlich in verschiedene Altersgruppen unterteilt", sagt die 37-Jährige, die einen kleinen Raum hat an der Florastraße zur Ecke Bilker Alle, in dem ein Klavier steht und Kisten voller Instrumente versteckt sind. Wo die Mamas und auch so mancher Papa einen Kaffee mit Milchschaum bekommen und sie auch mal fünf Minuten früher aufschlagen, um zu quatschen. Mia, Louisa, Miray, Lilly und Olivia nehmen mit ihren Mamas an diesem Morgen an der Musikstunde teil, zwischen zehn und 15 Monate sind die Mädchen alt. Beliebt bei der Truppe: die Rasseln mit den Glöckchen - weil die nicht nur viel Krach machen, sondern auch gut schmecken. Spanische Musik aus dem CD-Player gibt es passenderweise, und weil man sich dazu schön bewegen kann, tippelt Louisa drauf los, verschwindet hinter dem Regal, hält Mama Juliana ordentlich auf Trab. Ganz strukturiert geht Franziska Walter in ihren Kursen vor, "die Kinder und Eltern brauchen das", sagt sie. Und weil sich die Kleinen nicht lange auf eine Sache konzentrieren, ändert sich nach spätestens sieben Minuten das Programm. Für die Sprachentwicklung ist Musik gut, für das Rhythmusgefühl auch, sagt Walter, die auch mit ihren eigenen Söhnen viel singt.

Trommeln, singen, hüpfen und tanzen - und schon sind 45 Minuten rum. Zum Schluss sollen die Mädchen noch wie Flugzeuge fliegen - ein leises Stöhnen geht durch den Raum, "das wird von Woche zu Woche anstrengender", sagt Sybille, die nach ein paar Runden wie die anderen Mamas auch aus der Puste ist. "Da braucht man keinen Frühsport mehr", meint sie.

(RP)
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