Mobile Redaktion 2019 in Düsseldorf-Unterbilk

Mobile Redaktion : Ein Stadtteil in rasantem Wandel

Viel hat sich verändert in Unterbilk. Bei der Mobilen Redaktion können Bürger am Samstag ihre Meinung zum Stadtteil sagen.

Jeder fünfte Düsseldorfer lebt im Stadtbezirk 3. Knapp 20.000 Menschen haben in Unterbilk ein Zuhause gefunden, durch die vielen Neubauprojekte und Sanierungen ist der Stadtteil im Wandel. „Unterbilk ist ein Trendviertel“, sagt Giorgos Pachiadakis, der in der Liesegang-Fabrik den griechischen Delikatessen-Laden „Taste Greece“ betreibt. Er weiß, dass Wohnraum in Unterbilk begehrt ist, „und oft teuer“. Zwischen 9,50 und zehn Euro kostet die mittlere Nettokaltmiete pro Quadratmeter, wie aus dem Mietspiegel des Mietervereins und Haus und Grund hervorgeht. „Das Stichwort ist Gentrifizierung“, sagt Dirk Jehle, Vorsitzender des Heimat- und Bürgervereins, „viele Alteingesessene sind schon verdrängt worden, weil sie es sich nicht mehr leisten konnten“. Von einem rasanten Wandel spricht Jehle sogar – angefangen bei den Mieten bis hin zur Geschäftssituation, „die ebenfalls hochpreisiger geworden ist“. Damit meint er unter anderem die Lorettostraße – die Einkaufsmeile im Stadtteil. „Einkaufen ist für den Otto-Normalverbraucher schwieriger geworden“, so Jehle. Trotzdem habe die Lorettostraße ein besonderes Flair, mit ihrer Kultur, ihren Kneipen. „Und die Versorgung ist gut hier.“ Dass die Lorettostraße (und ihre Seiten- und Nebenstraßen) beliebt ist und auch bei der Gastronomie funktioniert, weiß Gastro-Experte Markus Eirund. „Die Straße lebt von innovativen Konzepten, ist urban, wie Berlin-Kreuzberg“, sagt er.

Das ist wohl auch ein Grund, wa­rum es so viele Menschen ins Viertel zieht. Und wo viele Menschen auf engem Raum leben, ist auch das Thema Verkehr mit all seinen Problemen nicht weit. Parkplätze sind in Unterbilk Mangelware, „der Parkdruck ist hier mit am höchsten“, weiß Bezirksbürgermeister Marko Siegesmund (SPD). „Die Auto-Quote ist hoch, weil die Bewohner im Stadtteil nicht wenig verdienen.“ Um mehr Unterbilker davon zu überzeugen, auf das Fahrrad umzusteigen, kämpft die Politik seit Jahren für eine bessere Verkehrsführung rund um die Bilker Kirche. Immer wieder kommen sich dort Radfahrer, Pkw und ÖPNV in die Quere, Modelle wurden vor Jahren dazu bereits erarbeitet, „die Umsetzung scheiterte aber an den Kosten“, erinnert sich Dietmar Wolf (Grüne). Er und Marko Siegesmund (SPD) haben nun die Hoffnung, dass sich die Situation bald ändert. Die Ampel-Kooperation hatte im Ordnungs- und Verkehrsausschuss im November 2018 einen Haushaltsantrag eingebracht zur Optimierung der Verkehrsführung. 100.000 Euro sollen bereitgestellt werden, auch provisorische Umgestaltungsmöglichkeiten als Lösung seien denkbar, hieß es in dem Antrag. „Ich hoffe, dass bei der Planung die Anwohner beteiligt werden“, sagt Siegesmund.

Ein weiteres Verkehrsthema beschäftigt die Anwohner und Geschäftsleute der Bilker Allee, die von der Kirche abzweigt. Im November 2017 schlossen sich 30 Hausbesitzer mit 390 Wohnungen verteilt auf 39 Immobilien, die Besitzer und Pächter von 40 Ladenlokalen, zusammen, um eine Geschwindigkeitsreduzierung zu erreichen. Aussichtslos ist das Anliegen der Unterbilker zwar nicht, die noch auf den Abschluss eines Verkehrsversuchs warten müssen. Allerdings überzeugt die Zwischenbilanz der Tempo-30-Pilotprojekte an Hauptverkehrsstraßen (Prinz-Georg-Straße, Am Schönenkamp und Lindemannstraße) bisher nicht.

Spannend wird es in den nächsten Wochen und Monaten, wenn wieder Gespräche zur Erweiterung des Landtags anstehen. „Wir wollen keine Hochhäuser“, sagt Dirk Jehle und erinnert sich noch an den Protest vor einigen Jahren von Heimatverein und Bürgern. „Prinzipiell sind wir nicht gegen die Erweiterung des Landtags, sie muss sich nur in das Ensemble einfügen“, so der Vorsitzende des Heimatvereins Bilker Heimatfreunde. Für eine gemeinsame Planung will sich Marko Siegesmund einsetzen, Veranstaltungen der Bezirksvertretung mit dem Landtag kann er sich vorstellen. Ein Alleinstellungsmerkmal ist das Regierungsviertel für Unterbilk, mit all seinem Für und Wider. „Die Demos und Kundgebungen haben Überhand genommen“, findet Anwohner Toni Feldhoff, „wir sind zur Protest-Hochburg geworden.“

Einig sind sich die meisten Unterbilker, wenn sie nach der Aufenthaltsqualität im Stadtteil gefragt werden. „Ein super schönes Viertel“, findet Giorgos Pachiadakis, „lebenswert“, sagt Siegesmund, der auch die Nähe zum Rhein schätzt. Jehle ist ein Fan des Friedensplätzchens und des kleinen Markts dort, „und die Grünflächen im Stadtteil müssen unbedingt erhalten werden“. Wie zum Beispiel der Florapark, der seit dem letzten Jahr wieder eine Fontäne hat. Dietmar Wolf hofft auf eine Vernetzung zwischen der Werbegemeinschaft „Lorettoviertel“ und „Die Friedrichs“, deren Straße ja zumindest ein Stück weit noch in Unterbilk liegt.