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Unterbilk: Lorettostraße will um Kunden kämpfen

Unterbilk : Lorettostraße will um Kunden kämpfen

Die Einkaufsstraße in Unterbilk hat sich zu einer trendigen Meile mit gehobenem Anspruch entwickelt. Alteingesessene Einzelhändler kritisieren aber die fehlende Grundversorgung. Und auch die Designerläden müssen sich anstrengen.

Sie gilt seit einiger Zeit als "kleine Kö" Düsseldorfs: die Lorettostraße. Die Unterbilker Einkaufsstraße wurde vor Jahren komplett umgestaltet. Das hatte die frühere Werbegemeinschaft der Stadt abgetrotzt mit Hinweis auf die Konkurrenz der Düsseldorf Arcaden. Seither ist die Lorettostraße aufgeblüht durch eine Vielzahl von individuellen und kreativen Läden, die sich dort angesiedelt haben. Doch sind nicht alle Einzelhändler mit der Entwicklung glücklich, als neue In-Meile zu gelten.

"Das sind doch zum Teil Läden, die niemand braucht, jedenfalls nicht für den täglichen Bedarf" empört sich Gabriele John, Mitinhaberin des Blumenhauses am Präsidium. Sie ist mit ihrer Schwester seit fast 25 Jahren an der Lorettostraße. "Die Situation hat sich für uns zum Negativen entwickelt", sagt die Floristin.

Der Umsatz sei in den letzten beiden Jahren um 30 Prozent zurückgegangen, weil die Laufkundschaft wegbleibe. "Hier fehlen ein Metzger und ein weiterer Lebensmittelladen." Kritik übt sie an den neuen Läden der Straße: "Da sind zu viele Boutiquen, und die öffnen zum Teil, wie sie wollen." Manche machten erst um 11 Uhr den Laden auf, um dann um 13.30 Uhr schon wieder zur Mittagspause zu schließen. "Oder sie öffnen dann gar nicht mehr." Wenn Kunden nach Waren des täglichen Bedarfs fragten, müsse man diese wegschicken.

Die Erfahrung hat auch Helmut Hoesen gemacht, der gegenüber seit 24 Jahren ein Loto-und Tabakwarengeschäft betreibt. "Der Branchenmix an der Lorettostraße stimmt nicht mehr", sagt er. "Mit Waren des täglichen Bedarfs kann man sich hier nicht mehr versorgen." Auch er beklagt das Fehlen etwa eines Metzgers sowie eines weiteren Discounters. "Morgens kommen noch Kunden vor der Arbeit. Danach gibt es bis zum Mittag ein großes Loch." Das mache sich auch in seinem Geschäft bemerkbar: "Wir haben Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent." Hoesen räumt ein, dass er hin und wieder sogar selbst Kunden wegschickt. "Wenn ich gefragt werde, wo man etwa Lebensmittel kaufen kann, schicke ich die Leute zur Bilker Allee. Hier gibt es da ja nichts." Das Fehlen von Kundenströmen beklagt auch Simone Lerch, die mit ihrem Ladenlokal "Romantiklabor" zur ersten Generation der neuen Läden an der Lorettostraße gehört. "Wir sind nun mal nicht wie die Nord- oder die Rethelstraße", sagt sie. "

Außerdem gibt es hier ein Parkproblem. Auf der einen Seite schmückt sich die Stadt mit dieser Straße und weist in Tourstenführern darauf hin. Auf der anderen Seite bekommt man sofort ein Knöllchen, selbst wenn man nur kurz Ware auslädt." Das Image der schicken Straße habe zudem für einen enormen Anstieg der Mieten an der Lorettostraße geführt. "Da sind schon einige Existenzen gefährdet." Lerch ist anders als Hoesen und John schon der Meinung, dass das Warenangebot an der Einkaufsstraße stimmt — aber eben auf gehobenem Niveau. "Billigdiscounter passen hier nicht hin."

Christina Dehn, Sprecherin der Einzelhändlergemeinschaft Loretto "360 Grad" räumt ein, dass die Straße nicht unbedingt den täglichen Bedarf bedient. "Klar fehlt ein Metzger. Aber ganz ehrlich: Wer kauft denn da noch? Die Entwicklung der Zeit ist doch, dass immer mehr kleine Läden wegen der großen Ketten oder Einkaufsmalls schließen müssen." Da müsse man sich eben neue Strategien ausdenken. "Die Kunden kommen heute nicht mehr von alleine." So überlegen die Mitglieder von "Loretto 360 Grad", ob sie im neuen Jahr an einem Tag ihre Schaufenster verhüllen. "Das könnte ein Zeichen sein gegen die Tendenz, nur noch im Internet einzukaufen. Selbst die Weihnachtsgeschenke werden ja zunehmend online geordert."

Ende Januar wollen sich die Mitglieder von Loretto 360 Grad zusammensetzen, um darüber nachzudenken, wie sie künftig auf sich aufmerksam machen können.

(RP)