Offene Ateliers : Altes Fabrikgebäude mit kreativem Innenleben

Bei den offenen Ateliers in der alten Liesegang-Fabrik hatten Besucher die Möglichkeit, die Werke der Mieter aus nächster Nähe zu erleben.

Verlassene Büroräume, alte Werbeposter an den Wänden und verschlissene Holztüren: Wenn man durch die ehemalige Fabrik der Firma Liesegang geht, scheint an manchen Ecken die Zeit stehengeblieben zu sein. Das ist nicht verwunderlich, denn der Gebäudekomplex in Unterbilk kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Von 1926 bis 2002 produzierte das Unternehmen hier Diaprojektoren und Lichtvorführgeräte. Dann wurde die Fabrik geschlossen.

Seit einiger Zeit erlebt das Gelände jedoch seinen zweiten Frühling. Ein buntes Kollektiv aus Künstlern und Designern hat sich innerhalb der alten Mauern niedergelassen, um dort ihrer kreativen Arbeit nachzugehen. „Ich liebe das Haus. Alte Industriegebäude haben immer eine ganz besondere Atmosphäre“, erzählt Doris Frances Mayr. Die Künstlerin ist erst vor wenigen Tagen in die alte Liesegang-Fabrik gezogen, aber einige ihrer Malereien zieren bereits die Wände des Raumes.

Besucher konnten jetzt das Fabrikgelände und seine kreativen Mieter besser kennenlernen. Die zweitägigen offenen Ateliers werden einmal im Jahr veranstaltet. Auch dieses Mal gab es viel zu entdecken: Neben den Bildern von Künstlerinnen wie Myriam Resch und Gesine Kikol präsentierte Inge Kallenborn ihre Designermode für Frauen. Einige Räume weiter wurde man von übergroßen Augen und Nasen aus Holz sowie Tonfiguren in Empfang genommen. Ihr Schöpfer Peter Ripka nutzt seinen Ausstellungsraum normalerweise anders. „Eigentlich arbeite ich hier als Grafik-Designer, aber ab und zu werden die Schreibtische gegen meine Kreationen ausgetauscht“, sagt der Bildhauer.

Im ehemaligen Chefbüro der Firma Liesegang befindet sich der Smoking-Verleih Black Tie. Zwischen hohen Schränken und alten Sofas bot Gisela Radloff hier fünfeinhalb Jahre lang hochwertige Anzüge an. Ende des Jahres wird sie das Geschäft schließen.

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