Kinder machen Spielplatz in Düsseldorf-Unterbilk schön

Engagement in Unterbilk : Kinder machen ihren Spielplatz schön

Die Tagesmütter Silke Konschak und Astrid Eick haben mit den Kindern ein Gemüse- und ein Blumenbeet auf der Anlage an der Gilbachstraße angelegt. Weil ein Wasseranschluss fehlt, schleppen sie täglich Kanister mit.

Pickepackevoll ist der Zwillingskinderwagen – einen großen Wasserkanister hat Silke Konschak auf die Sitzfläche gestellt, daneben noch Platz für ein paar Blümchen gefunden. Auf der hinteren Ablage des Kinderwagens stehen kleine Plastikbecherchen mit Kräutern drin, Rosmarin und Oregano. „Das wollen wir alles noch einpflanzen“, erzählt die 39-Jährige, die ganz viel Hilfe bekommt von den Kindern, um die sich die Tagesmutter kümmert. Seit einigen Jahren kommt Konschak schon zum Spielplatz an der Gilbachstraße, der versteckt zwischen Mehrfamilienhäusern liegt.

Dort hat sie irgendwann Astrid Eick (46) kennengelernt, auch eine Tagesmutter, „wir sind Freunde geworden“, sagt Eick. Spielen, Mittagessen, Toben – Hauptsache an der frischen Luft. Und weil die Frauen mit den Kindern so gerne draußen sind, bei Wind und Wetter, vor allem auf dem Spielplatz an der Gilbachstraße, den nicht so viele kennen. Inzwischen ist er in die Jahre gekommen, deshalb wollte sie selbst etwas tun. „Jammern kann jeder“, sagt Silke Konschak, die es leid war zu jammern, die gemeinsam mit Astrid Eick eine Art Spielplatzpatin geworden ist.

Zuerst haben die beiden Frauen ein Gemüsebeet angelegt – Tomaten, Spinat, Zucchini. „Letztes Jahr hatten wir so viel Spinat“, erinnert sich Eick, die gar nicht mehr wusste wohin damit. Ganz aufgeregt sind die Kinder jeden Morgen auf dem Weg zum Spielplatz, „selbst die Kinder in der Eingewöhnung“, sagt Silke Konschak. Normalerweise brauchen die neuen Kinder immer ein bisschen, bis sie sich wohlfühlen so ganz ohne Mama und Papa. Wenn es zum Tomaten gucken geht, ist das Heimweh aber ganz schnell vergessen. Die Pflanzen und Setzlinge kaufen meistens die Tagesmütter von ihrem eigenen Geld, manchmal stehen Spenden auf dem Spielplatz. Wahrscheinlich von den Nachbarn, meistens anonym. So ist es auch mit ein paar Blümchen gewesen, die schon im alten Rosengarten gepflanzt worden sind. „Der Rosengarten soll toll gewesen sein“, sagt Astrid Eick, da­ran könnten sich aber nur noch die Alten aus dem Viertel erinnern.

„Wir wollen den Kindern beibringen, dass Gemüse nicht aus dem Supermarkt kommt“, sagt die 39 Jahre alte Erzieherin, die den Kindern auch zeigen will, wie man selbst Dinge schöner machen kann. Sie hofft, dass der Spielplatz durch das Engagement ein bisschen sauberer wird. Ab und an klappt das schon ganz gut, trotzdem gibt es immer noch die Menschen, die ihren Dreck nicht wegräumen, „im Sommer stinkt es manchmal sehr nach Hundehaufen“, sagt Eick.

Damit die Beete auch schön bleiben, schleppen Silke Konschak und Astrid Eick jeden Tag literweise Wasser an die Gilbachstraße. Meistens im Zwillingskinderwagen. Nur reicht das Wasser kaum für das Gemüse, die Blumen sehen inzwischen schon durstig aus. „Wir hätten gerne einen Wasseranschluss hier“, sagt Konschak, die bereits Kontakt hatte mit Bezirksbürgermeister Marko Siegesmund (SPD). Er würde die Frauen gerne unterstützen, hatte schon ein Gespräch mit Gartenamt und Stadtwerken. „Es gab mal eine Wasserleitung, das Gartenamt will jetzt prüfen, wie funktionstüchtig die noch ist“, sagt Siegesmund, der aber auch noch eine andere Idee hat, wie den Spielplatzgärtnern schnell geholfen werden kann: „Vielleicht könnte Wasser über die Nachbarn kommen.“ Den Anwohnern Kosten verursachen, das wollen die beiden Tagesmütter nicht. „Aber es gibt die Möglichkeit, eine zweite Wasseruhr zu installieren“, weiß Siegesmund, der wie die Frauen nicht auf den lang ersehnten Umbau des Spielplatzes warten will.

Spätestens im nächsten Jahr wird es ein neues Spielgerät geben, außerdem will die Stadt geschwungene Wege anlegen. Die Beete sollen möglichst nicht angerührt werden, sagt Marko Siegesmund, der den Einsatz der Frauen und Kinder toll findet. So wie die Kinder selbst, die zwei Jahre alte Mia zum Beispiel, der es vor allem die Blumen angetan haben. „Weil die so schön bunt sind“, sagt Mia, die wie ihre Freunde überhaupt keine Angst vor schmutzigen Fingern und Regenwürmern hat. „Das ist schon besonders bei uns“, sagt Silke Konschak, „hier dürfen sich die Kinder richtig dreckig machen.“

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