Düsseldorf-Unterbilk: Bilker demonstrieren für das Kronenhaus

Protest in Düsseldorf : Bilker demonstrieren für das Kronenhaus

Die Initiative „Wohnen für alle“ mobilisierte gegen die Pläne, das 100 Jahre alte Haus abzureißen.

Kaum ein Thema bewegt die Düsseldorfer momentan so sehr wie das Thema bezahlbarer Wohnraum. Trotz etwa 40 Grad und Ferien taten am Donnerstagabend bei der Demo für den Erhalt des über hundert Jahre alten Kronenhauses in Bilk 30 Demonstranten ihren Unmut über die Abrisspläne kund. Auf Aufruf der Initiative „Wohnen für alle“ versammelten sich die Gegner der Neubaupläne vor dem Jugendstilhaus an der Kronenstraße.

„Die Stadt gehört den Bürgern, nicht den Investoren“, verkündete gleich zu Beginn Demo-Initiator Thorsten Graeßner, der auch für die Grünen in der zuständigen Bezirksvertretung 3 sitzt. Geplant sind nach dem Abriss 18 Wohneinheiten und im Innenhof nochmals neun Reihenhäuser – alle im gehobenen Preissegment. Geförderten Wohnraum habe der Investor vorerst nicht geplant, so Graeßner. Deshalb könne man das Bauvorhaben auf keinen Fall gutheißen. Wenigstens die straßenprägende Fassade wolle man erhalten. Mit vielen bunten Schildern und darauf Sprüchen wie „Düsseldorf – Hier fehlen 44.000 bezahlbare Wohnungen“ machten die Demonstranten ihre Sicht der Dinge klar.

„Ich wohne in der Straße und habe vier Jahre lang im Kronenhaus gearbeitet“, sagt Siegfried Koritke, dessen Unverständnis für die vorgelegten Pläne groß ist. „Im benachbarten Krankenhaus spielen die Kinder im dunklen Hospiz-Hinterhof und die Beschäftigten finden weit und breit keinen Wohnraum“, kritisiert er. „Wir Anwohner lehnen es ab, dass hier alles mit Luxusbauten zugebaut wird.“ Stattdessen schlägt er vor, das Kronenhaus zu sanieren und dem Krankenhaus zur Verfügung zu stellen.

Bereits nächste Woche will der Investor seine aktuellen Pläne in der Bezirksvertretung 3 vorstellen, wo das Bauvorhaben von allen Parteien unisono abgelehnt wurde. Dennoch möglich sind die Neubaupläne, weil für das Areal kein Bebauungsplan vorliege und auch die Denkmalschutzbehörde keine Einwände habe. Das Kronenhaus habe keine straßenprägende Wirkung. „Das Bauamt hat deshalb bereits zugestimmt“, sagt Graeßner. Ohne die städtebaulichen Einwände der Denkmalschutzbehörde, seien der Politik die Hände gebunden. Große Hoffnungen, so Graeßner, ruhen deshalb auf dem Widerstand der Bevölkerung, mithilfe derer er den Investor zu einer Überarbeitung der Pläne bewegen will. Auch eine Unterschriftenaktion hatte die Ini­tiative gestartet, die nun mit rund 350 Unterschriften in wenigen Wochen vorerst beendet wurde. Sobald in der nächsten Woche die aktuelle Planung bekannt ist, möchte Graeßner weiter mobilisieren. Auch eine zweite Unterschriftenaktion sei angedacht.

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