Jubiläum in Unterbach : Seit 70 Jahren eine lebendige Gemeinschaft

Die Siedlungsgemeinschaft „Am Heidberg“ besteht seit 1948. Mit dem Bau von 40 Häusern begann die Geschichte in Unterbach.

Heute ist die Wohngegend beschaulich, die Grundstücke sind groß. Als sie 1948 entstand, war der Wohnraum knapp und vielerorts äußerst behelfsmäßig. An den Bau ihres Elternhauses „Am Heidberg“ kann sich Angelika Duckstein noch gut erinnern. Sie war elf Jahre alt und zunächst am Unterbacher See aufgewachsen: „Meine Schwester und ich mussten helfen und im Garten graben“, sagt sie. Weil den Siedleranwärtern wenig Kapital zur Verfügung stand, griff man auf die Muskelhypothek zurück. „Alles wurde gemeinsam gebaut“, erinnert sich Angelika Duckstein, oft sogar ohne Bagger. Kanal- und Straßenbau zählten dazu, außerdem der Aushub für die Verlegung von Wasserleitungen, schließlich die Häuser selbst. Kam der Vater von der Arbeit, begann das Ausschachten. „Damit man hier bauen durfte, musste man verheiratet sein“, erklärt Ehemann Dieter Duckstein.

Viele Jahre war er Vorsitzender der Gemeinschaft. Er zog mit seiner Frau in deren Elternhaus und engagierte sich in der Siedlung. Gut kann er sich daran erinnern, wie es dort vor vielen Jahrzehnten aussah: „Die Grundstücke waren für Tierhaltung und Nutzgärten angelegt“, sagt er. Auch Familie Duckstein hielt eine Zeit lang Hühner. Noch heute lebt eine der ersten Gründerfamilien in der Siedlung. Nachbarschaft wird großgeschrieben, für Alte und Kranke gibt es einen Besuchsdienst. Geräte, die nicht jeder selbst kaufen möchte, können gegen eine geringe Gebühr ausgeliehen werden.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine sehr aktive Siedlerschaft, die bis heute die Straßen Am Heidberg, Birkenweg, Zedernweg, Buchenweg und die Flachskampstraße in Unterbach umfasst. Straßenfeste, Weihnachtsfeiern, Wandertage, Stammtische oder ein Yogakreis, es gab viele Aktivitäten und auch politisches Engagement. „Wenn es beispielsweise darum ging, den Charakter der Siedlung zu erhalten“, sagt Dieter Duckstein. Heute ist sein Sohn Roland der Vorsitzende der Siedlungsgemeinschaft. Er wuchs mit seinen Geschwistern „Am Heidberg“ auf. „Früher hieß es, der kinderreiche Berg“, sagt er. Jetzt wohnt er selbst nur eine Straße weiter. 80 Mitglieder plus Familien sind heute vertreten. „Es ist viel Arbeit, die Gemeinschaft zu erhalten, da zählt die persönliche Ansprache“, sagt er. Dafür machen sich viele der langjährigen Anwohner stark.

Erika Bonte ist eine von ihnen. Für sie steht fest: „Wir bleiben solange wir können aktiv, denn die Siedlung liegt uns am Herzen.“, Sie engagiert sich im erweiterten Vorstand. Das Jubiläumsfest zum 70-jährigen Bestehen der Gemeinschaft gab mit einer kleinen Fotoausstellung einen guten Überblick über die vielen Feste, die das Leben der Siedlungsgemeinschaft prägten. Junge Familien finden es auch heute schön, in der Siedlung zu wohnen. „Wer hier einmal wohnt, will nicht mehr weg“, sagt Roland Duckstein. Seine Mutter Angelika ist weiterhin aktiv im Yogakreis. Ein Angebot, das die Siedlungsgemeinschaft schon viele Jahre aufrecht erhält. Was aktuell geboten wird, entnehmen die interessierten Anwohner einem Schaukasten, der an der Straßenecke Richtung „Am Heidberg“ platziert ist. „Das kann dann der nächste Stammtischtermin sein oder ein Vortrag zur Gartenpflege“, sagt Roland Duckstein. Denn auch Informationen tauschen die Siedler aus, die heute dem Verband Wohneigentum angehören. Dort gibt es im Fall des Falles auch mal Rechtsberatung oder Rabatte in kooperierenden Baumärkten.

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