Unterbach : Planung spaltet das Dorf

Dass der Breidenplatz und seine unmittelbare Umgebung in Unterbach umgebaut werden müssen, ist unumstritten. Die Art und Weise wie sehr wohl. Bei einer Bürgeranhörung wurden die Pläne vorgestellt. Die Stimmung war gereizt.

Das Zentrum von Unterbach besteht aus einer Hundewiese. Die ursprüngliche, in den 1970er Jahren angefertigte Planung für eine Weiterentwicklung wurde nie oder nur in Teilen umgesetzt, das gilt vor allem für den Breidenplatz. Jetzt wird nicht länger gekleckert, sondern geklotzt. Die Stadt hat im Oktober einen Bebauungsplan-Vorentwurf vorgelegt, von dem sich die Unterbacher ziemlich überrumpelt fühlten.

Umso größer war jetzt das Interesse an der Bürgeranhörung in der Wichernhalle, in der sogar die Stehplätze kaum ausreichten. Dreh- und Angelpunkt der aktuellen Planung ist der neue, quasi unter die Erde geschobene Rewe-Supermarkt (nur die Vorderfront bleibt sichtbar) mit einer Verkaufsfläche von 1500 Quadratmetern auf einem dann ebenerdigen Breidenplatz, der wegen der Hanglage bislang ein Gefälle aufweist. Architekt Matthias Pfeifer vom beauftragten Büro RKW versuchte (zum Teil verzweifelt), das Vorhaben in positivem Licht erscheinen zu lassen. Er beschrieb, wie die Erschließung des Supermarktes über einen dann ausgebauten Kreisverkehr am Zaulsbusch abgewickelt werden könne, sich die sechs Wohnhäuser westlich in die Topographie einfügen und sich weitere Häuser plus die geplante Kita drumherum in bauliche Nischen arrondieren würden.

"Ich sehe nur Chancen, keine Risiken", sagte Pfeifer und bezeichnete Unterbach als "kleine Stadt", in der alle etwas dichter zusammenrücken müssten. "Wir sind ein Dorf!", ließ der Protest der Anwohner nicht lange auf sich warten. "Und sie sind alle Bauern, oder was?", gönnte sich der Planer einen Moment der Ironie. Ob es nun 130 oder 160 Wohneinheiten werden, könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Das hänge davon ab, wie viel Zwei-, Drei oder Vier-Zimmer-Wohnungen am Ende entstehen würden.

Dass Planungsamtsleiterin Ruth Orzessek-Kruppa anschließend zusicherte, Anregungen der zuständigen Bezirksvertretung 8 (etwa Geschosshöhe, mehr öffentliche Parkplätze, weiterer Spielplatz) überprüfen zu wollen, konnte die überwiegend kritisch eingestellten Zuhörer nicht unbedingt besänftigen. Im Gegenteil: Der Abend nahm im Anschluss fast schon kabarettistische Züge an, als mehrere direkt betroffene Anwohner mit ausgearbeiteten Konzepten nach vorne kamen und minutenlang ihren Unmut über die Planung äußerten. Ingo Block, Sprecher der Anliegergemeinschaft am Spindelbusch, meinte zum Beispiel: "Hier schiebt sich vom Breidenplatz aus ein Keil von Neubauten Richtung Westen ohne Rücksicht auf die vorhandene Bebauung mit dörflichem Charakter." Klaus-Peter Rambow kritisierte vor allem Erschließung und Stellplatzschlüssel für den Supermarkt: Für die Anlieferung würden künftig Sattelschlepper durch die Ortsmitte brettern, 64 Parkplätze würden zudem nie und nimmer ausreichen, in Spitzenzeiten seien eher bis zu 140 notwendig. Ob die im Verlauf der Bürgerversammlung geäußerte Kritik wirklich die Meinung aller Unterbacher widerspiegelt oder nur die unmittelbar betroffenen Anlieger ihren Unmut äußerten, ist nur schwer zu überprüfen. Von Letzterem gehen zumindest die Grundstückseigentümer, die Geschwister Schmitz aus Unterbach, die die Planung vorantreiben, aus.

(RP)