Vorfall in Düsseldorf : Konflikte im Erholungsgebiet

In Unterbach hat ein Hund auf einer Weide Schafe gehetzt – eins wurde verletzt. Doch das soll nicht das einzige Problem in der scheinbaren Idylle sein: Eine Anwohnerin beklagt allgemeine Rücksichtslosigkeit im Erholungsgebiet.

Peppy ist ein einjähriger Mischlingshund aus Rumänien. „Ein sehr liebes Tier“, wie ihn seine Halterin beschreibt. Der junge Hund sei verspielt, lebe aber friedlich mit seiner Besitzerin und deren Kaninchen zusammen. Trotzdem geht ab und an der Spieltrieb mit Peppy durch – wie auch Anfang Dezember bei einem Spaziergang auf den Feldern zwischen Düsseldorf und Erkrath.

„Gegen Mittag habe ich in meiner Wohnung auf Hof Hochscheid lautes Gebell gehört. Ich sah aus dem Fenster und sah einen jungen Hund, der Schafe die Wiese südlich von Hof Hochscheid rauf- und runtergehetzt hat“, erzählt Reinhart Zech von der Verwaltung Zech von Hymmen. Er eilte daraufhin hinunter zur Wiese, wo die Besitzerin des Hundes, gemeinsam mit einer Freundin, vergeblich versuchte, Peppy zurückzurufen. „Sie haben mich darum gebeten, auf das Gelände zu dürfen, aber das geht nicht“, sagt Zech. Nach einer Weile kam der Hund dann freiwillig zurück, die beiden Frauen gingen weiter.

„Peppy ist durch eine Lücke in der Hecke geschlüpft, die die Schafweide begrenzt“, erzählt die Besitzerin, die namentlich nicht genannt werden will. Tatsächlich habe der Hund die Schafe gejagt und nicht auf ihre Rufe reagiert. „Gebissen hat er aber keines der Tiere“, versichert die Halterin.

Dem stimmt auch Reinhart Zech zu. Allerdings habe er sofort festgestellt, dass sich beim Laufen über die hüglige Weide ein Tier am Hinterlauf verletzt habe. Außerdem seien zwei der Schafe in Panik über den Zaun gesprungen und geflohen. Daraufhin hat sich Zech gemeinsam mit seiner Bekannten Christina Enderlein ins Auto gesetzt und ist den beiden Frauen gefolgt. „Wir haben sie um ihre Personalien gebeten, falls einem der Tiere ernsthafter Schaden entstanden ist“, sagt Enderlein. „Ich komme für die Tierarztkosten auf, habe mich beim Besitzer der Schafe im Nachhinein entschuldigt“, sagt die Besitzerin von Peppy.

Zwar kehrten die beiden entlaufenen Schafe am nächsten Tag zur Weide zurück – das Tier, das sich bei der Flucht verletzt hatte, musste jedoch behandelt werden. „Wir haben es auf einer Plane in den Stall gezogen, dorthin musste mehrere Tage in Folge der Tierarzt kommen und sich um das Bein des Schafs kümmern“, erinnert sich Christina Enderlein. Das Tier sei noch immer nicht vollständig gesund.

Schafe auf einer Weide Im Hochfeld/Römerweg in Erkrath. Gerade friedliche Naturräume wie dieser sind umkämpftes Territorium. Foto: Endermann, Andreas (end)

Es ist nicht das erste Mal, dass es rund um den Hof Hoscheid zu Problemen mit Hundebesitzern kommt. „Wir befinden uns hier am Ende eines Ballungsgebiets, und viele Menschen wollen die Natur nutzen – dabei nehmen sie leider sehr wenig Rücksicht aufeinander“, sagt Enderlein. Hunde würden Schafe jagen, in den Abendstunden auch Rehe. Die Halter ließen den Kot oft liegen. Reiter würden die Felder nutzen und dabei Pflanzen beschädigen. In den Wäldern wurden sogar schon Paintball-Spieler erwischt. „Hier draußen haben wir ständig Ärger, und meist reagieren die Menschen sehr unhöflich, wenn wir sie auf ihr Fehlverhalten ansprechen, und zeigen sich fast immer uneinsichtig“, sagt Enderlein. Sie appelliert an jeden, der in der Natur unterwegs ist, sich entsprechend zu verhalten. „Hunde sollten immer an der Leine geführt werden, Reiter sich an die Wege halten“, sagt sie. Für Menschen, die dauerhaft außerhalb der Stadt leben, sei das Verhalten der Besucher nicht nachzuvollziehen. „Jeder denkt, dass sein Hund lieb ist und nie etwas tun würde“, so Enderlein, die selbst Hundehalterin ist. „Aber es sind und bleiben Tiere, und wenn der Instinkt durchkommt, bringt Rufen nichts mehr – wie wir in diesem Fall beobachten konnten.“