Düsseldorf-Unterbach: Ein Dorf mit Persönlichkeit

Entwicklung in Unterbach : Ein Dorf mit Persönlichkeit

Für die Unterbacher ist der Breidenplatz der Treffpunkt im Stadtteil. Viele vermissen aber Einkaufsmöglichkeiten.

Ein kleines Schild haben Agata und Miroslaw Wrobel in ihr Schaufenster geklebt, mit einer ungewöhnlichen Notiz darauf: „Liebe Unterbacher! Auf diesem Weg möchten wir das Gerücht aus der Welt schaffen, dass die Uhrenwerkstatt ebenfalls der Schließungswelle zum Opfer gefallen ist und wir das Geschäft aufgeben. Wir haben vor, im nächsten Jahr und auch in den drauf folgenden Jahren unseren Service am Breidenplatz 6 anzubieten.“ Diese Botschaft hat Agata Wrobel zudem im sozialen Netzwerk Facebook gepostet, um auch dort die Kunden zu informieren. „Wir sind ein Dorf“, sagt Agata Wrobel, „und solche Gerüchte sind für uns natürlich geschäftsschädigend.“ Dass solches Gerede aufkommt im Viertel, „hat vermutlich damit zu tun, dass hier viel zugemacht hat in letzter Zeit“, sagt Miroslaw Wrobel. Das Café gleich nebenan ist dicht, die Sparkasse öffnet nur noch zwei Mal in der Woche – montags und donnerstags zwischen 9 und 12 Uhr, und auch die Tierarztpraxis wird wegziehen. „Für viele Einzelhändler ist es schwer hier, weil es kaum Laufkundschaft gibt, wir von Stammkunden leben“, sagt Agata Wrobel, die viele ihrer Kunden mit Namen kennt. So ist das in einem Dorf wohl, das schätzen die Menschen in einem Dorf, dieses Persönliche, das Miteinander, den Kontakt.

Peter Ramelow ist einer von ihnen: „Viele sagen, der Breidenplatz ist tot“, so Ramelow. „Wer das behauptet, der kommt hier aber nicht hin.“ Vor allem donnerstags ist was los auf dem kleinen Platz mitten in Unterbach, wenn Markt ist und die Leute zum Einkaufen kommen. Seit fast 40 Jahren wohnt Ramelow in Unterbach, so lange beschäftigt er sich auch mit der Entwicklung des Stadtteils. Vor allem mit der Entwicklung der Brachfläche gleich neben dem Breidenplatz und damit auch der Entwicklung des Breidenplatzes selbst. Eine kleinteilige Bebauung wünscht sich der Unterbacher, angepasst, wie er es nennt, „keine Betonklötze, die alle gleich aussehen“.

Gisela Pietrek lebt seit 1963 in Unterbach. Die meisten Einkäufe erledigt sie im Stadtteil – vor allem donnerstags, wenn Markt ist. „Was fehlt, ist eine Drogerie“, sagt sie. Foto: nika
Peter Scheuvens (l.) und Andreas Schey von der Aktionsgemeinschaft „Auf nach Unterbach“ wünschen sich eine Markthalle für das Gebäude, in dem auch das Bürgerbüro ist. Dort zieht zum Ende des Jahres die Tierarztpraxis aus, dann ist der Großteil des Erdgeschosses leer. Foto: nika

Ideen gab es schon einige für das Areal in Hanglage, 2016 stellte die Stadt bei einer Öffentlichkeitsbeteiligung einen städtebaulichen Masterplan vor, für den die Unterbacher Anregungen zur Gestaltung machen konnten. „Wir müssen aber feststellen, dass die Eingaben der Interessengemeinschaft Zukunft Unterbach nicht umgesetzt sind“, sagt Ingo Block von der Initiative, der findet, dass der Breidenplatz in letzter Zeit deutlich belebter ist. „Familien kommen her, Eltern sitzen hier, während die Kinder spielen“, erzählt Block, der aber ein durchmischtes Angebot im Einzelhandel vermisst. Früher habe es mehr Kleidung gegeben, mehr Metzger, „viele Geschäfte halten sich hier einfach nicht lange“, erzählt Peter Scheuvens von der Werbegemeinschaft. Leerstände würde es trotzdem nicht lange geben, „in das frühere Café zieht Anfang des Jahres ein Blumenladen ein“.

Peter Ramelow blickt mit Sorge auf die Pläne für das Areal neben dem Breidenplatz. „Natürlich ist das ein Nahverdichtungsgrundstück, aber die bebauung muss angepasst sein.“. Foto: nika

Ein Thema, das die Unterbacher mindestens genauso lange beschäftigt wie die Bebauung des Areals neben dem Breidenplatz ist die Nahversorgung im Stadtteil. Die eng zusammenhängt mit der Bebauung. Wenn die Pläne der Verwaltung umgesetzt würden, dann gäbe es auch Platz für einen großen Supermarkt, den einige Unterbacher vermissen. „Wenn ich richtig einkaufen muss, dann fahre ich nach Unterfeldhaus oder Erkrath“, sagt Petra Zaksek, die aber das Angebot auf dem Markt schätzt – Fisch, Fleisch, Gemüse, Obst, Brot und Blumen. Wie lange sich der kleine Rewe direkt am Breidenplatz hält, das fragt sich die Werbegemeinschaft. Um das Angebot zu sichern, könnten sich Peter Scheuvens und Andreas Schey eine Art Markthalle vorstellen. Platz wird es demnächst noch mehr geben, wenn der Tierarzt auszieht, „das Gebäude gehört der Stadt, und die Händler könnten sich die Flächen teilen“, schlägt Scheuvens vor.

Wenn Anne Elfriede Freesen zum markt geht, plant sie immer ein bisschen mehr Zeit ein. „Hier kennt man sich, hier trifft man sich“, sagt Freesen. Foto: nika
Ein bisschen versteckt liegt die Uhrenwerkstatt von Miroslaw und Agata Wrobel. Zuletzt hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass das Paar den Laden am Breidenplatz schließt. „Das ist natürlich geschäftsschädigend für uns“, sagt Agata Wrobel. Foto: nika

Ob dichte Bebauung oder lockere, ob großer Supermarkt oder kleine Markthalle – die Unterbacher sind sich nicht immer einig, was gut ist für den Breidenplatz und seine Umgebung und was nicht. Eines aber steht fest: Ein Stadtteil kann nur so gut funktionieren, wie er auch angenommen wird. Gisela Pietrek zum Beispiel sagt all ihren Freunden, „dass sie doch in Unterbach einkaufen sollen, statt in die Nachbargemeinden zu fahren“. Im Zentrum findet man Anschluss, ergänzt Anne Elfriede Freesen, die viele Jahre in Unterbach gelebt hat, irgendwann nach Hilden gezogen und nach zehn Jahren wieder zurückgekehrt ist. „Weil es hier viel schöner ist, man hier schnell Anschluss findet, Freunde“, sagt Freesen. Weil es Möglichkeiten gibt zum Ausgehen, die Gastronomie in Unterbach abwechslungsreich ist. „Nur ein Café fehlt“, findet Petra Zaksek, die Kaiserswerth vor Augen hat, „da ist es schon schön. Dafür haben wir nur zehn Minuten bis zum Unterbacher See.“